DFB-Pokal

Hertha-Legende Weiner erinnert sich an Gladbach

Mehr als 33 Jahre ist Herthas erster Pokalsieg gegen Borussia Mönchengladbach inzwischen her. Beim 2:0 in der dritten Runde 1978 war Abwehrmann Hans Weiner mit von der Partie. Im Interview mit Morgenpost Online erzählt der heute 61-Jährige von alten Pokal-Zeiten und analysiert die aktuelle Lage der Blau-Weißen.

Foto: David Heerde

Hertha gegen Gladbach, diesen Pokal-Hit hat es schon mehrfach gegeben. Als eines des besten Spiele gilt das 2:0 von Hertha gegen Borussia Mönchengladbach vom Dezember 1978. Damals war Hans „Hanne“ Weiner (61) als linker Verteidiger dabei.

Morgenpost Online: Hertha gegen Mönchengladbach im Pokal, welche Erinnerungen weckt das bei Ihnen?

Hans Weiner: Ich erinnere mich an die Saison 1978/79. Im Pokal sind wir bis ins Finale gekommen. Gegen Gladbach habe ich in der dritten Runde linker Verteidiger gespielt. Ich glaube, mein Gegenspieler war Allan Simonsen.

Morgenpost Online: 2:0 durch Tore von Bernd Gersdorff und Erich Beer, 16.000 Fans im Olympiastadion.

Hans Weiner: (lacht) Na, da war ja die Hölle los.

Morgenpost Online: Welchen Stellenwert hatte der Pokal in dieser Saison?

Hans Weiner: Einen hohen natürlich, der Pokal war immer eine Möglichkeit, sich für den internationalen Wettbewerb zu qualifizieren.

Morgenpost Online: Keine besonderen Prämien?

Hans Weiner: Die wurden im Pokal von Runde zu Runde ausgehandelt. Gegen Gladbach müssten das etwa 1000 Mark gewesen sein.

Morgenpost Online: Die Bedingungen sind heute wie damals ähnlich: Gladbach kam als Favorit, Hertha stand kurz vor einem Abstiegsplatz.

Hans Weiner: Gladbach war immer einer unserer Lieblingsgegner. Weil sie technisch versierten Fußball gespielt haben, wir aber Leute hatten, die richtig hingelangt haben. Wir sind über den Kampf gekommen, hatten die Fans im Rücken. Dann kann man schnell ins Finale kommen. Es sind auch heute nur zwei Siege bis dahin.

Morgenpost Online: Wie sehr wurmt es Sie, dass Sie trotz zwei Finalteilnahmen nie den Pott mit Hertha geholt haben?

Hans Weiner: Für die Stadt und den Verein wäre es enorm wichtig gewesen, dass man inen Titel nach Berlin holt. Was meinen Sie, was da los gewesen wäre. Obwohl wir verloren haben gegen Düsseldorf (mit 0:1 am 23. Juni 1979, Anm. d. Red.) haben wir eine Stadtrundfahrt in offenen PKWs gemacht. Hätten wir gewonnen, wäre hier die Hölle los gewesen. Wir haben damals gesagt: Dann streichen wir das Brandenburger Tor blau-weiß an. Das ging natürlich nicht, aber irgendetwas hätten die Fans sich einfallen lassen.

Morgenpost Online: Konnte Ihr Pokalsieg mit den Bayern 1982 das wieder gut machen?

Hans Weiner: Ja, vor allem weil wir ganz klarer Favorit waren und zur Halbzeit bereits 2:0 gegen die Nürnberger hinten lagen. Ich hatte große gesundheitliche Probleme, eine Zerrung, und konnte nur mit Spritzen spielen. Bertram Beierlorzer hatte sich die Achillessehne gerissen, Dieter Hoeneß hatte den Schädel auf gehabt, aber mit Turban weitergespielt und noch ein Kopfballtor gemacht. Das war sensationell, was wir damals in der zweiten Hälfte noch geschafft haben.

Morgenpost Online: Wie wichtige wäre ein Weiterkommen für Hertha am Mittwoch?

Hans Weiner: Erstmal wichtig für die finanzielle Situation, die bei Hertha ja nach wie vor nicht so rosig ist. Und natürlich fürs Prestige, nachdem man zuhause nun nicht so gut gespielt hat – vorsichtig formuliert. Eine Runde weiterkommen, dann gegen einen Champions-League-Teilnehmer im Finale spielen und Hertha wäre international dabei.

Morgenpost Online: In der Saison nach dem Pokalfinale ’78 stieg Hertha aber ab. Sie waren bereits nach München gewechselt.

Hans Weiner: Ich hoffe, dass es keine Parallelen zu damals gibt. Es wäre schlimm, wenn Hertha wieder absteigt. Eine Hauptstadt ohne Bundesligisten – das geht eigentlich nicht. Für die Stadt ist das auch ein Wirtschaftsfaktor. Ob Paderborn und Ingolstadt oder eben nun Dortmund, Bayern oder der HSV anreisen: Das ist vom Fanvolumen, von den Übernachtungen, von den Currywürsten, die hier gegessen werden, vom Bier-Umsatz...das sind ganz andere Dimensionen, die für die Stadt wichtig sind.

Morgenpost Online: Woran hapert es zurzeit denn besonders?

Hans Weiner: Daran, dass Raffael fehlt. Er ist torgefährlich und kann ein Spiel gestalten. Er spielt diesen tödlichen Pass und ist Herthas wichtigster Spieler. Im Augenblick fehlt Hertha leider die Dominanz, den Gegner an die Wand zu spielen. Wir waren spielerisch damals auch nicht die stärkste Truppe, aber bei Mannschaften wie Frankfurt, Gladbach oder Bayern sind wir über den Kampf gekommen und nur so kann es im Augenblick auch gehen.

Morgenpost Online: Wie beurteilen Sie als ehemaliger Verteidiger die Situation in der Defensive?

Hans Weiner: Ich kritisiere die Leute nicht besonders gerne, das steht mir nach so vielen Jahren nicht mehr zu. Es sind ja jetzt neue Leute dabei, aber nur mit jungen Spielern ist es schwer. Wir haben in der Saison nach dem Bestechungsskandal auch die ersten vier Spiele verloren. Dann wurde Luggi Müller (Ludwig Müller, Anm. d. Red.) verpflichtet und vor dem hatten sie alle ein bisschen Schiss. Spieler wie Gerd Müller hatten Respekt vor solchen Spielertypen, weil sie hart und konsequent waren, und dieser Respekt fehlt den gegnerischen Mannschaften zurzeit im Olympiastadion.

Morgenpost Online: Sie leiden seit einigen Jahren an Parkinson. Wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Hans Weiner: Mir geht es leider nicht gut, die Schmerzen sind wiedergekommen. Zweimal die Woche bin ich in der Reha. Vor einem Monat konnte ich wesentlich besser laufen. Vielleicht liegt es auch daran, dass es auf einmal so kalt geworden ist. Am Mittwoch bin ich mit neunzigprozentiger Sicherheit im Stadion und habe einen Lodenmantel. Der hält schön warm.

Immer Hertha: Hintergründe finden Sie auch im Hertha BSC Blog von Morgenpost Online unter www.immerhertha.de