DFB-Pokal

Hertha BSC hofft gegen Gladbach auf Raffael

Nach vier Spielen Sperre kehrt Berlins Spielmacher Raffael im Pokalviertelfinale gegen Gladbach zurück ins Hertha-Team. Vor allem Trainer Michael Skibbe setzt auf das Comeback des Brasilianers. Das Wetter ist ihm dabei keine große Hilfe.

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Ganz zum Schluss des Trainings kam Raffael dann doch noch zum Zuge. Da hatte der Brasilianer in Diensten von Hertha BSC im internen Testspiel Angriff um Angriff vorgetragen, er hatte aus der zentralen Position Steilpässe gespielt und geflankt. Einzig: Zu durchschlagendem Erfolg vor dem Tor führte das nicht. Also fasste sich der 26-Jährige zum Abschluss ein Herz und versenkte den Ball selbst im Tor. Raffael, so viel steht fest, ist heiß auf seine Rückkehr.

Vier Spiele musste er wegen zweier Sperren zuletzt zuschauen. Nun aber, vor dem vielleicht wichtigsten Spiel in diesem noch jungen Jahr, dem Viertelfinale des DFB-Pokals im Olympiastadion gegen Borussia Mönchengladbach am Mittwoch (19 Uhr), kann Hertha wieder auf ihn zählen. Allerdings ist noch vollkommen unklar, ob der Hoffnungsträger überhaupt so einschlägt, wie sich das alle erhoffen. Nicht nur wegen der Kälte, die ihm so gar nicht liegt – minus 12 Grad zeigte das Thermometer, und es wird vorerst so frostig bleiben – ein Horror für jeden brasilianischen Kicker. Vor allem für Michael Skibbe ist seine Rückkehr trotzdem so etwas wie der berühmte Strohhalm, an den sich der Trainer nach einem vollkommen verpatzten Einstand bei Hertha klammern kann.

Beeindruckende Statistik

„Mit ihm werden wir mehr Impulse nach vorne haben, wir bekommen eine unserer besten Offensivwaffen zurück“, bringt der Trainer seine Sehnsucht zum Ausdruck, der Raffael bisher noch nie einsetzen konnte. Und auch Manager Michael Preetz verspricht sich einiges vom Comeback des schmächtigen Mannes: „Raffael brennt darauf, endlich loslegen zu können. Er hat eine komplette Vorbereitung absolviert und durfte dreimal nicht spielen.“ Soll heißen: Er will es allen zeigen. Eine große Last für die schmalen Schultern. Vielleicht sogar zu groß?

Ein Blick auf die nackte Statistik macht zunächst einmal Hoffnung. Die Zahlen belegen, wie selten Hertha Raffael zu ersetzen vermag. Seit seinem Wechsel im Winter 2008 nach Berlin hat er in der Bundesliga nur neun Partien versäumt. Und das ist auch gut so. Denn in diesen Spielen gewann Hertha insgesamt gerade einmal drei Punkte – das entspricht einem Schnitt von schlechten 0,3 Zählern pro Partie. Zum Vergleich: In den restlichen Spielen, in denen Raffael auflaufen konnte, sind es etwas mehr als 1,3 Punkte pro Spiel – also ein ganzer Zähler mehr. Preetz sagt: „In jeder Mannschaft gibt es Spieler, die man einigermaßen ersetzen kann und solche, bei denen das nicht möglich ist. Raffael gehört zur zweiten Kategorie.“

Natürlich ist Raffael der Rummel um seine Person nicht entgangen. Schon am Sonntag hatte die Berliner Journalistenschar nach ihm verlangt. Als er den prall gefüllten Medienraum sah, verzog der Brasilianer gequält das Gesicht. Selbstdarstellung ist nicht sein Ding – zumindest nicht außerhalb des Fußball-Platzes. Und doch weiß er natürlich, dass er in den Planungen von Trainer Skibbe eine Schlüsselrolle spielt. „Raffael kann nur gut sein, wenn auch die Mannschaft gut ist“, sagt er über sich selbst. Die Frage wird nun sein, wie gut die Mannschaft in der Lage ist, ihn wieder in ihr Spiel einzubinden. Viermal in Folge ist sie angetreten ohne ihn, Automatismen könnten sich verschoben haben.

Wiedersehen mit dem Entdecker

Hinzu kommt, dass Fabian Lustenberger, Raffaels Stellvertreter, gegen Hannover im offensiven Mittelfeld einen ziemlich guten Job machte. Aber, darauf wies eben auch Skibbe hin, „er hat andere Qualitäten“, was gar nicht als Wertung gemeint war. Vielmehr hieß das: Der Schweizer hat die Rolle des Hertha-Spielmachers einfach anders interpretiert. Es ist nun an Raffael, sich in ein halbwegs funktionierendes Mannschaftsgefüge einzuarbeiten. „Wir dürfen nicht alles auf ihn abwälzen“, warnt Preetz, eine Einschätzung, der sich Kapitän Andre Mijatovic anschließt. „Er ist nicht neu hier, er kennt alle, das sollte also kein Problem sein“, sagt der Kroate. „Wir sollten auf ihm aber jetzt nicht zu viel Druck aufbauen.“

Das gilt umso mehr, als es im Pokal gegen Mönchengladbach und Ex-Trainer Lucien Favre geht. Der Schweizer Übungsleiter, der Herthas Gegner momentan zu ungeahnten Höhenflügen verhilft, holte Raffael einst nach Berlin. Wohl niemand kennt den Brasilianer fußballerisch so gut wie Favre. Alle Facetten, alle Tricks sind ihm bekannt – er wird seine Verteidigung genau darauf einstellen. Vorteil Gladbach also? „Es ist richtig, dass er die Strukturen hier kennt“, sagt Preetz, „ob ihm das aber einen Vorteil verschafft, weiß ich nicht.“

Dabei liegt das an sich auf der Hand, weiß Favre doch auch um die sensible Gemütslage des 26-Jährigen. Ohne ihm Böses unterstellen zu wollen: Eine Taktik der kleinen Nadelstiche könnte für Favres Verteidiger ein gangbarer Weg sein, die Emotionen erneut überkochen zu lassen. Raffael („Ich darf so nicht reagieren“) wie auch Preetz beteuern, dass er dazugelernt habe. Der Hertha-Manager sagt: „Er weiß, dass er sich nicht mit Fouls aufhalten darf. Es ist am Schiedsrichter, das zu ahnden, nicht an ihm.“ Raffaels Aufgabe soll es vielmehr sein, Herthas Spiel zu machen – endlich wieder. Oder zur Not den Ball selbst zu versenken.

Immer Hertha: Hintergründe finden Sie auch im Hertha BSC Blog von Morgenpost Online unter www.immerhertha.de