Probleme im Angriff

Ohne Raffael lahmt Herthas Offensive erneut

Herthas 19. Spieltag zeigte endgültig, wie sehr der Berliner Aufsteiger von Raffael abhängig ist. Weder Patrick Ebert noch Fabian Lustenberger können den Brasilianer in der Offensive nur ansatzweise ersetzen.

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Die Perspektive, die Raffael am Sonnabend im Berliner Olympiastadion einnehmen musste, wird dem Brasilianer ganz sicher nicht gefallen haben. Nicht nur, weil es für den 26-Jährigen angenehmer gewesen wäre, mit seinen Kollegen von Hertha BSC gegen den Hamburger SV anzutreten und sich in der Eiseskälte des späten Nachmittags wenigstens durch Bewegung warm zu halten. Nein, vielmehr sah der Spielmacher eine Partie seiner Mannschaft, die ihn ob der Ideenlosigkeit wohl auch innerlich frösteln ließ. Zum zweiten Mal musste Trainer Michael Skibbe in der Bundesliga nun schon auf seinen kreativsten Mann verzichten. Noch einmal muss Raffael aussetzen, dann ist seine Sperre aus dem Spiel gegen Hoffenheim, als er eine Tätlichkeit an Sejad Salihovic begangen hatte, endlich abgesessen. Ein Zeitpunkt, den alle herbeisehnen.

Herthas Niederlage gegen den HSV machte endgültig deutlich, wie sehr der Fußball-Bundesligist von Raffael abhängig ist. So musste nach der erneuten Pleite Manager Michael Preetz konstatieren: „Dass Raffael uns enorm fehlt, ist keine Frage. Er ist vielleicht unser bester Spieler.“ Skibbe bemüht sich, einen Ersatz für ihn zu finden. Gestern sollte den Part Patrick Ebert übernehmen, der sich auf der zentralen Position selbst am liebsten sieht.

Ebert hatte sich gegen den HSV sehr viel vorgenommen. Bei jedem ruhenden Ball, ob Ecke oder Freistoß, stand er bereit und hob ankündigend den Arm. Er ackerte, grätschte, sprintete und flankte. 70 Ballkontakte standen für ihn zu Buche, so viele wie bei keinem anderen Berliner. Einzig: Bis auf eine starke Vorlage auf den Kopf von Roman Hubnik kam nicht viel dabei heraus. Ein typischer Tag für Ebert: viel Engagement, wenig Effekt.

Das sah auch Skibbe so. Zur Pause beorderte er Ebert zurück auf die rechte Seite und brachte Peter Niemeyer für Tunay Torun, einen Defensivmann für einen Stürmer also. Bei einem 0:2-Rückstand eine bemerkenswerte Aktion. Fabian Lustenberger rückte in die Zentrale – letztlich mit dem gleichen Ergebnis wie zuvor bei Ebert. Und der Erkenntnis, dass Raffael nicht zu ersetzten ist. Kein Wunder, dass Manager Preetz den Rest der Mannschaft in die Pflicht nahm: „Da müsssen die anderen im Verbund sein Fehlen ausgleichen. Da dürfen sich ruhig alle anderen Mittelfeldspieler angesprochen fühlen.“

Auch Christian Lell monierte das Fehlen des Spielgestalters, nahm aber vor allem Raffael selbst in die Pflicht: „Er ist ein extrem wichtiger Spieler für uns. Er fehlt auf dem Weg nach vorne als Anspielpunkt.“ Und fügte an: „Das ist ja auch der Grund, warum ihm so etwas nicht so bald wieder passieren sollte.“ Er meinte natürlich Raffaels wiederholte Undiszipliniertheit, die zu der Sperre geführt hatte.

Ein Spiel, die nun wegweisende Partie gegen Hannover 96 am Sonnabend im heimischen Stadion, muss das Team jetzt noch auf den kreativen Anführer verzichten. Raffael wird dann wieder auf seinen kalten Platz auf der Tribüne zurückkehren müssen. Und hoffen, dass sein Vertreter es besser machen wird als Ebert und Lustenberger.

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