Kellerduell

Für Hertha BSC zählt gegen den HSV nur ein Sieg

Hertha BSC muss im Bundesliga-Kellerduell gegen den HSV unbedingt gewinnen, sonst droht den Berlinern der Abstiegskampf. Um das zu verhindern, könnten Fabian Lustenberger und Tunay Torun ins Team rutschen.

Michael Skibbe war verwundert. Wie groß seine Gelassenheit beim Blick auf die Tabelle der Fußball-Bundesliga sei, immerhin stehe Hertha BSC drei Punkte vor den Abstiegsrängen, wurde der Trainer gefragt. Skibbe runzelte die Stirn. „In der Bundesliga darf man gar nichts mit Gelassenheit sehen. In der Situation, in der wir uns befinden, ist man angespannt.“ In der Tat. Skibbe hat zum Einstand mit Hertha 0:2 in Nürnberg verloren.

Bei seinem Debüt als Verantwortlicher auf der Hertha-Bank im Olympiastadion steht er mit seiner Mannschaft bereits unter Druck. Weil der Tabellen-13. aus Berlin den 14. empfängt, den Hamburger SV (Olympiastadion, 15.30 Uhr und im LIVE-Ticker von Morgenpost Online ). Und weil zudem an diesem 19. Spieltag auch die Konkurrenz aus dem unteren Drittel ausnahmslos gegeneinander antritt. So stehen sich bei der Partie des FC Augsburg gegen den 1. FC Kaiserslautern der Letzte und der Drittletzte gegenüber. Bei der Ansetzung vom FSV Mainz gegen den SC Freiburg spielt der 15. gegen den Vorletzten.

Die genannten Mannschaften liegen lediglich fünf Punkte auseinander. Der Verlierer steckt definitiv im Abstiegskampf. Damit droht Hertha erstmals in dieser Saison das Abrutschen in die Zone, in der es um das nackte Überleben geht.

Über weite Teile der Vorrunde hielt die Mannschaft mit dem damaligen Trainer Markus Babbel einen beruhigenden Sicherheitsabstand. Doch der Abschwung, der unter dem im Dezember entlassenen Babbel einsetzte, hat sich auch unter dessen Nachfolger fortgesetzt. Mittlerweile wartet der Aufsteiger seit sieben Begegnungen vergebens auf ein Erfolgserlebnis. Nun sind die Qualitäten von Skibbe gefragt. Den umgibt eigentlich der Nimbus, ein guter Starter zu sein. Bei seinen Trainer-Stationen verlief die erste Halbserie jeweils erfolgreicher als erwartet worden war.

Skibbe geht vor seiner Heimpremiere in die Vorwärtsverteidigung. „Diese Anspannung darf positiv umgelenkt werden. Wir wollen ein gutes und mutiges Spiel vor der heimischen Kulisse zeigen. Wir wissen, dass die Hamburger angeschlagen sind. Sie haben am vergangenen Wochenende eine deutliche Niederlage eingesteckt. Beide Mannschaften spielen im unteren Ende der Tabelle. Für uns sind Punkte wichtig. Die wollen wir holen.“

Petric spricht vom „Keller-Duell“

Die Gäste wurden von dem Absturz, den sie zu Saisonbeginn hinlegten, völlig überrascht. Auch wenn der HSV einen Umbruch ausgerufen hatte: Der dauernde Aufenthalt im Tabellenkeller war damit nicht gemeint. HSV-Trainer Thorsten Fink, der im vergangenen Oktober Michael Oenning beerbt hat, musste mit dem 1:5 gegen Meister Dortmund in der Vorwoche einen herben Rückschlag hinnehmen. Zur Partie gegen Hertha sagt Fink: „Wir haben gesehen, dass Dortmund eine andere Kategorie ist. Wir müssen uns messen mit Gegnern wie Berlin oder auch Köln. Die Spiele gegen diese Gegner müssen wir gewinnen. Da müssen wir zeigen, was wir können.“

Fink findet, dass Hertha durchaus in der gleichen Situation stecke: „Auch Hertha steht mit dem Rücken zur Wand. Der Druck ist für beide Teams groß.“ In der Hansestadt darf das Undenkbare, ein Abstieg, nicht thematisiert werden. Immerhin ist der Bundesliga-Dino der einzige Verein, der seit 1963 erstklassig ist. Weshalb die Spieler versuchen, um das Thema herumzudribbeln. Torjäger Mladen Petric etwa sagt, er finde das Endzeit-Vokabular nicht passend. „Ich mag noch nicht über Abstiegskampf sprechen. Aber wir können uns darauf einigen, dass es in Berlin ein Kellerduell ist“. Nein, dem HSV „ist nicht Angst und Bange. In Berlin haben wir eine gute Chance. Wir müssen punkten. Sonst stecken wir unten fest.“

HSV mit guten Erinnerungen ans Olympiastadion

Immerhin dürfen sich die Hamburger im Olympiastadion an das letzte Mal erinnert fühlen, als sie Bundesliga-Spitzenreiter waren. Es war im Oktober 2010 jenes ominöse 1:3 von Hertha, bei dem sich niemand mehr an den Einstand des damaligen Neu-Trainers Friedhelm Funkel erinnert, aber alle an die beiden unglücklichen Kopfball-Paraden von Sascha Burchert.

Das ist Vergangenheit. In der Gegenwart sagt Christian Lell, der seinen Vertrag bei Hertha in dieser Woche bis 2016 verlängert hat: „Das Spiel gegen den HSV ist richtungsweisend.“ Skibbe wird seine Mannschaft umbauen. Offiziell sagte er nur: „Es besteht durchaus die Chance auf den einen oder anderen Wechsel. Vielleicht bleibt aber auch alles, wie es ist.“ Nachdem seine Entscheidungen im defensiven Mittelfeld in Nürnberg nicht recht aufgegangen war – dort spielten Andreas Ottl und Peter Niemeyer – wird gegen den HSV neben Ottl wohl Edelreservist Fabian Lustenberger seine Chance erhalten.

Vier Heimspiele in 22 Tagen

Zudem will Hertha Kapital schlagen aus den Ansetzungen. Die Spielplan-Gestalter (sowie der Erfolg im Pokal) hat dem Hauptstadt-Klub vier Heimspiele binnen 22 Tagen beschert: gegen den HSV, Hannover (4. Februar), Gladbach (im Viertelfinale des DFB-Pokals) sowie gegen Meister Dortmund (18. Februar). „Wir müssen rasch den Ball erobern und ein schnelles Umschaltspiel aufziehen, wenn der Gegner noch nicht wieder in seiner taktischen Ordnung steht“, sagte Skibbe.

Eine Schlüsselrolle dabei wird dem Vertreter des Rot-gesperrten Raffael zukommen. Geht es vor allem um technische Fertigkeiten, wird wie in Nürnberg Ronny in der Startelf stehen. Geht es jedoch vor allem um den Punkt Schnelligkeit, hat Tunay Torun gute Chancen, gegen seinen Ex-Verein HSV aufzulaufen.

Mijatovic und Bastians im Kader

Kapitän Andre Mijatovic absolvierte das Abschlusstraining am Freitag ohne Probleme. Der Abwehrchef wird nach seiner Sprunggelenksverletzung vom 9. Dezember (1:2 gegen den FC Schalke) erstmals in diesem Jahr im Kader stehen, wahrscheinlich aber noch nicht in der Startelf.

Aus Sicherheitsgründen hat Trainer Skibbe für die Partie gegen Hamburg einen 19er-Kader mitgenommen. Falls der Knöchel von Mijatovic nach der Belastung über Nacht eine Reaktion zeigen sollte, kann noch reagiert werden. Auch Linksverteidiger Felix Bastians, erst am Donnerstag vom SC Freiburg unter Vertrag genommen, schaffte auf Anhieb den Sprung in den Kader. Gestrichen wurde Nikita Rukavytsya, der Australier war nach einer Wadenprellung erst am Mittwoch zurück ins Training gekehrt.

Immer Hertha: Hintergründe finden Sie auch im Hertha BSC Blog von Morgenpost Online unter www.immerhertha.de