Immerhin der Schnee war schon verflogen, als sich die Profis von Hertha BSC am Montagnachmittag zur ihrer ersten Einheit nach dem Trainingslager in der Türkei auf dem heimischen Schenckendorffplatz einfanden. War es in Belek auch nicht wirklich warm, so doch zumindest gemütlicher als bei Nebel und etwa null Grad wie in Berlin. Ein Spieler hatte sich trotz des Sauwetters auf diese Einheit gefreut. Doch er wurde enttäuscht.
Kapitän Andre Mijatovic, der in Belek bis auf die letzte Einheit sämtliche Trainings mit der Mannschaft wegen einer Verletzung am Sprunggelenk hatte auslassen müssen, konnte nicht mittrainieren. Nicht einmal zu einem individuellen Lauf reichte es. Trainer Michael Skibbe sagte: „Leider hat sein Gelenk eine Reaktion auf die Einheit in der Türkei gezeigt. Er hat zwei bis drei Tage absolute Ruhe verordnet bekommen.“
Was der Trainer da noch nicht wusste: Der Rückfall des Innenverteidigers ist weit hartnäckiger als angenommen. Zwar ergab eine Kernspin-Untersuchung am Vormittag keinen neuen Befund. Der Kroate zeigte sich am Abend im „Querpass“, der Fußball-Sendung bei TV.Berlin, jedoch ziemlich geknickt. „Leider muss ich noch etwas Geduld haben. Ich bin zwar auf einem guten Weg, falle aber noch zwei bis drei Wochen aus“, sagte er. Herthas Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher bestätigte Morgenpost Online: „Ja, es ist möglich, dass er so lange ausfällt. Wir hoffen natürlich, dass es schneller geht.“
So wird Mijatovic seinem Team beim Rückrundenstart in Nürnberg am kommenden Sonnabend nicht zur Verfügung stehen und wohl auch mindestens noch im Heimspiel gegen den Hamburger SV fehlen. Seinen Part wird Christoph Janker übernehmen, der zuletzt gute Leistungen zeigte und in der Gunst von Trainer Michael Skibbe derzeit weit oben steht.
Die Aussicht auf Mijatovics verzögerte Heilung trübte einen Tag, der unter anderen Umständen wohl als erfolgreich eingestuft worden wäre. Denn fast zeitgleich mit dem Auftritt des Kapitäns im „Querpass“ gab es gute Nachrichten aus der DFB-Zentrale in Frankfurt: Das Sportgericht des Fußball-Verbandes revidierte sein im Dezember gefälltes Urteil, wonach Herthas Spielmacher Raffael für seine Tätlichkeit in der Partie bei der TSG Hoffenheim mit einer Sperre von vier Ligaspielen belegt worden war . Das Gericht reduzierte die Strafe nach Anhörung Raffaels und seinem damaligen Gegner Sejad Salihovic nun auf drei Spiele Sperre.
Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, begründete: „Ausschlaggebend war die Aussage seines Gegenspielers Sejad Salihovic, der bekundete, er habe den Stoß von Raffael in den Bauchbereich nicht wahrgenommen, sondern vielmehr auf die Gesichtsberührung reagiert. Daher war die Aktion des Berliners als Tätlichkeit in einem leichteren Fall zu bewerten.“ Zwei Spiele Sperre wären dafür das normale Maß gewesen, weil der Brasilianer aber als Wiederholungstäter gilt, gab es eine Partie obendrauf. „Ich bin sehr zufrieden, mehr war für uns nicht drin“, freute sich Skibbe zumindest über diese Nachricht.
Fehlen wird Raffael in Nürnberg nun aber genauso wie Mijatovic, die Ausfälle häufen sich. Am Montag musste ebenfalls Nikita Rukavytsya passen; dafür konnten die zuletzt angeschlagenen Thomas Kraft, Christian Lell, Pierre-Michel Lasogga und Sebastian Neumann wieder voll mittrainieren. Damit steht Hertha BSC zumindest im Vergleich zum 1. FC Nürnberg, bei dem die Berliner am Sonnabend in die Rückrunde starten, recht gut da. Der „Club“, der sich wie Hertha zuletzt in Belek fit zu machen versuchte, beklagt den Ausfall von sechs Stammkräften.
Besonders bitter erwischte es dabei Blitztransfer Omar Gonzales, den die Nürnberger von den Los Angeles Galaxy ausgeliehen hatten. Es dauerte genau eine halbe Stunde, da hatte sich der Zugang in der ersten Trainingseinheit in der Türkei auch schon einen Kreuzbandriss zugezogen. Gonzales reiste zur Behandlung direkt wieder in seine Heimat zurück. Trainer Dieter Hecking hat seine liebe Not: Auch Hanno Balitsch, der von Bayer Leverkusen neu geholt wurde, fällt aus, weil er eine alte Verletzung nicht auskuriert haben soll. „Das ist sehr bitter für uns, weil wir uns viel von ihm versprechen“, sagte Hecking. Weiterhin fraglich sind Timm Klose, Timothy Chandler (beide Muskelfaserriss) und Markus Mendler (Magen-Darm-Grippe), Markus Feulner fällt wegen einer Gelb-Sperre aus. So gesehen ist Hertha in Nürnberg sogar Favorit.
Also sah Michael Skibbe am Abend schon wieder deutlich fröhlicher aus. Der ehemalige Bundesliga-Torhüter und Hertha-Sponsor Axel Lange hatte zum Neujahrsempfang ins Hotel „Adlon“ geladen. Trainer und Mannschaft waren ebenso gefolgt wie Präsidium und Sponsoren. Und auch Andre Mijatovic konnte wieder ein bisschen lächeln.




