Bundesliga

Herthas Poker um Felix Bastians wird spannend

Der Ausfall von Kapitän Andre Mijatovic schwächt Herthas Position im Ringen um eine schnelle Lösung bei Felix Bastians. Sein aktueller Verein SC Freiburg pocht auf eine Ablöse, sollte der Abwehrspieler mit sofortiger Wirkung in Berlin verpflichtet werden.

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Christoph Janker fror am ganzen Körper. Mit den verschwitzten Trainingssachen noch am Leib lehnte der Verteidiger in Diensten von Hertha BSC nach der Vormittagseinheit an einem Straßenschild, seine Mütze hatte er schon während des Trainingsspiels abgelegt. „Es ist wirklich saukalt“, meinte Janker dann, „muss ich jetzt hier draußen warten?“ Von müssen konnte keine Rede sein, es war schließlich nur ein höflicher Wunsch der Reporter, mit dem 26-Jährigen zu sprechen. Aber, und das offenbarte sich an dieser Episode, Janker hat sich anscheinend noch immer nicht daran gewöhnt, dieser Tage zum wiederholten Male mehr im Fokus zu stehen. Seit Kapitän Andre Mijatovic ein kleines Formtief durchschreitet und zudem körperlich angeschlagen ist, hat der sympathische junge Mann gefühlt mehr Interviews gegeben als in der gesamten Zeit bei Hertha zuvor. Und das, so steht seit dem späten Montagabend fest, wird voraussichtlich auch erst einmal so bleiben. Mijatovic wird bis auf weiteres mit seiner Knöchelverletzung ausfallen, und wenn nicht noch etwas Unvorhergesehenes passiert, wird Janker ihn zum Rückrundenstart in Nürnberg vertreten. „Christoph ist erste Wahl“, bestätigte auch Trainer Michel Skibbe, „denn Andre wird wohl ausfallen.“

Der neue Coach scheint großen Gefallen gefunden zu haben an Janker. Ausführlich lobt er seine kommunikative Art auf dem Platz, die habe er schon bei 1860 München und in der Jugend-Nationalmannschaft gehabt. „Es hilft einer Mannschaft enorm, wenn auf dem Platz viel geredet wird“, lobt er. Dabei mag Janker die Geschichte um ihn – als Hoffnung gekommen, lange verletzt, den Anschluss verloren, jetzt wieder da – auch nicht mehr erzählen, höflich bleibt er trotzdem. Er sagt: „Ich glaube nicht, dass ich mich verändert habe. Du musst viel reden auf dem Platz, du musst laut sein, um Verantwortung zu übernehmen.“

Wie es scheint, kann Hertha mit dem Ausfall von zwei wichtigen Innenverteidigern – Maik Franz fehlt bis Saisonende mit einem gerissenen Kreuzband – sehr gelassen umgehen. Janker hat seine Form bewiesen, und sollten er oder Roman Hubnik sich auch noch verletzten, stehen in Sebastian Neumann und John Brooks noch zwei hoffnungsvolle Talente bereit. Alles also gar kein Problem? Nicht ganz.

Letztlich reden die Verantwortlichen die latente Vakanz in der Viererkette bewusst klein, hat der Ausfall von Mijatovic doch erheblichen Einfluss auf den Poker um Felix Bastians , der im Sommer ablösefrei nach Berlin kommt. Das 23 Jahre alte Talent, das sowohl hinten links als auch innen spielen kann, ist beim SC Freiburg aussortiert. Er trainiert seit Montag in der Zweiten Mannschaft – zu vollen Bezügen, wohlgemerkt. Trotzdem pocht der SC auf eine Ablöse, wenn Hertha Bastians schon mit sofortiger Wirkung verpflichten möchte. Manager Preetz wiegelt mit einem genervten Schmunzeln ab: „Unser Wort, dass er im Sommer zu uns kommen wird, steht weiterhin“, sagt er, fügt aber an: „Im Fußball kann man aber nichts ausschließen.“ Auch Skibbe ist bemüht, seine Abwehr zu stärken: „Ich schließe eine schnelle Lösung mit Bastians aus.“

Die Fronten in diesem verrückten Poker sind klar: Hertha hat den Trumpf in der Hand, den Spieler im Sommer so oder so zu bekommen. Je deutlicher der Verein zum Ausdruck bringt, Bastians vorher auch nicht zu benötigen, desto billiger könnte er im Fall einer Ausleihe oder einer vorzeitigen Ablöse davonkommen. Hinzu kommt, dass der SC die Abgänge seiner insgesamt sechs aussortieren Spieler kompensieren muss und in Sebastian Freis und Michael Lumb namhafte Verstärkungen bekommen hat, die bezahlt werden wollen. Auf der anderen Seite gilt in Freiburg das eiserne Gesetz, Spieler niemals ohne Ablöse ziehen zu lassen. Das, so ist aus dem Umfeld zu hören, soll auch bei Bastians so sein – der Verein wolle sich unter einer bestimmten Schmerzgrenze einfach stur stellen. Wo die genau liegt, vermag momentan kein Außenstehender zu sagen. Sportdirektor Dirk Dufner sagt: „Wenn Hertha die Absicht hat, Bastians zu verpflichten, wäre es an ihnen, den Kontakt mit uns zu suchen.“ Das sei bisher nicht der Fall.

Zwei Spiele unter Beobachtung

Bastians selbst will sich angesichts der unklaren Lage nicht äußern. Dem Vernehmen nach soll er aber eine Variante kategorisch ausgeschlossen haben: Sich bis zum Sommer zu einem anderen Klub als Hertha ausleihen zu lassen. So gibt es für ihn nur zwei Optionen: Entweder die Klubs finden doch noch einen Weg – oder er muss sich ein halbes Jahr in Freiburgs Zweiter fit halten. Ein bisschen Zeit bleibt ja auch noch, wie Manager Preetz betont. Die ersten beiden Liga-Partien steigen vor Wechselfrist, die Verantwortlichen in Berlin können sich das Auftreten ihrer Mannschaft in Ruhe ansehen. Mit dem Trumpf Bastians in der Hinterhand, wenn alle Stricke reißen. Bis dahin aber könnte auch Mijatovic wieder fit und der Druck auf Hertha ein wenig gesunken sein.

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