Er schien bei Hertha BSC schon auf dem Abstellgleis gelandet zu sein. Von Verletzungen geplagt, in der Hierarchie der Abwehrspieler im Team des Berliner Bundesligisten ganz hinten angesiedelt. Doch Christoph Janker hat eine für ihn persönlich schwierige Zeit überwunden und sich wieder als Alternative etabliert. Jetzt will er mehr – nicht allein, weil Kapitän Andre Mijatovic Probleme mit dem Sprunggelenk plagen, ist ein Stammplatz das Ziel des in der Defensive vielseitig einsetzbaren Abwehrspielers. „Django“, so Jankers Spitzname, bittet die Kollegen zum Duell: Im Trainingslager in Belek/Türkei wolle er sich einen Platz in der Startelf zum Rückrundenauftakt in Nürnberg (21. Januar 2012) erarbeiten, sagt Janker im Interview mit Morgenpost Online.
Morgenpost Online: Herr Janker, im Winter soll nun erst mal doch kein Ersatz für den verletzten Maik Franz verpflichtet werden. Für Sie eine gute Entwicklung?
Christoph Janker: Das ist definitiv so. Aber ich glaube, ich habe das auch durch meine zwar wenigen, aber wohl doch guten Einsätze gerechtfertigt. Ich habe gezeigt, dass ich nicht nur mitspielen, sondern der Mannschaft auch helfen kann.
Morgenpost Online: Sehen Sie sich als größten Profiteur der veränderten Personalplanung?
Janker: Nun, einen solchen Status musste ich mir im vergangenen Jahr erarbeiten. Jetzt hoffe ich natürlich, dass es so weitergeht.
Morgenpost Online: Wenige haben Ihnen solche Leistungen wie gegen Köln oder auch zuletzt in Hoffenheim und gegen Kaiserslautern zugetraut. Bereitet es Ihnen da zusätzliches Vergnügen, die Zweifler mit guten Leistungen überrascht zu haben?
Janker: Natürlich verspüre ich Genugtuung, wenn meine Kritiker jetzt sagen: Oh, das war gut! Ich hingegen habe immer gewusst, was ich kann. Ich musste nur lange warten, es auch zeigen zu dürfen.
Morgenpost Online: Hatten Sie angesichts der wenigen Spielpraxis auch Zweifel, ob Sie das geforderte Niveau auf Anhieb erreichen würden?
Janker: Es gehört nach solchen Pausen auch etwas dazu, das ich Matchglück nenne: Es muss in einem Spiel einfach für einen laufen. Aber auch dieses Quäntchen Glück kann man sich erarbeiten. Das habe ich gemacht und werde ich weiterhin machen.
Morgenpost Online: Plötzlich fordern die Zweifler von einst einen neuen Vertrag für Sie: Staunen Sie, wie schnell es gehen kann?
Janker: Nicht wirklich, Fußball ist nun mal ein schnelllebiges Geschäft. Ich erinnere mich aber noch gut an den Weg nach unten. Das war schon krass, das ist nicht spurlos an mir vorübergegangen. Der Weg nach oben ist auch schwierig und steinig, er führt über harte Arbeit im Training. Aber natürlich freut mich die Entwicklung: Wer hört es nicht gern, wenn er für seinen täglichen Eifer belohnt wird?
Morgenpost Online: An welchem Punkt auf dem Weg nach oben sind Sie – mittendrin oder schon wieder im oberen Drittel angelangt?
Janker: Ich habe sicher noch Luft nach oben. Die Spiele zuletzt gegen Hoffenheim und Lautern waren in Ordnung, wir haben da als Mannschaft gut funktioniert. Aber ich weiß, dass ich individuell noch besser spielen kann.
Morgenpost Online: Wie denken Sie selbst über eine Vertragsverlängerung bei Hertha?
Janker: Ich bin für alles offen. Aber ich habe auch in schlechten Zeiten oder während ich verletzt war und zu kämpfen hatte, immer betont, dass es mir bei Hertha und in Berlin gefällt und ich mich wohl fühle. Andernfalls hätte ich es auch nicht dorthin zurückgeschafft, wo ich jetzt bin – zumindest hätte der Prozess dann noch viel, viel länger gedauert.
Morgenpost Online: Wie ist der Stand der Verhandlungen, gab es schon konkrete Gespräche?
Janker: Ja, ein erstes Gespräch mit Hertha hat stattgefunden, weitere werden folgen. Ich bin gesund und habe nach einem wirklich schwierigen Jahr wieder Freude an meinem Beruf. Jetzt konzentriere ich mich voll auf das Trainingslager in der Türkei. Ich will bei dem neuen Trainer einen guten Eindruck hinterlassen – damit ich dann im ersten Rückrundenspiel in Nürnberg auch spiele.
Morgenpost Online: Das heißt, ein Platz in der Startelf…
Janker: …ist definitiv mein Ziel. Ich bin so weit zu sagen: Ich fühle mich so gut und voller Selbstvertrauen, dass ich spielen und von Anfang an spielen will. Alles andere ist nicht mein Anspruch.
Morgenpost Online: Eine Kampfansage an die Abwehrreihe.
Janker: Was heißt Kampfansage – nein, ich habe das unter dem Trainer Babbel auch versucht, nur hat es da eben nicht beziehungsweise erst ganz am Ende zu dem gewünschten Ergebnis geführt. Ich muss auch so ehrlich sein und sagen, dass ich durch meine Verletzungen sportlich keine tolle Zeit hatte. Aber ich habe mich da herausgekämpft, letztlich hat auch Babbel nicht andere Lösungen gesucht, sondern mich spielen lassen. Aber jetzt, da unter dem neuen Trainer die Karten frisch gemischt werden – da will ich dabei sein.
Morgenpost Online: Der brave, bescheidene Herr Janker, genannt Django, bittet also zum Duell – haben Sie sich da auch persönlich verändert?
Janker: Ich habe die Situation akzeptiert, als ich hintendran stand und wir gut spielten. In der Zweiten Liga haben wir in der Rückrunde 40 Punkte geholt, da gab es für mich keinen Grund, sportlich Ansprüche zu stellen. In der Bundesliga musste ich bis gegen Köln auf meine Chance warten, die habe ich genutzt, dann auf die nächste und die nächste Chance – und jetzt habe ich eben Blut geleckt, vor 60000 im Olympiastadion zu spielen.




