Interview

Hertha-Torwart Aerts will Vertrag verlängern

So kritisch er in der Öffentlichkeit gesehen wird: Intern bei Hertha BSC genießt Maikel Aerts einen ausgezeichneten Ruf. Im Interview mit Morgenpost Online erklärt er, wie es ist, als Aufstiegstorwart hintendran zu sein – und warum er Berlin noch lange nicht verlassen will.

Morgenpost Online: Herr Aerts, bei Ihrer Ankunft in Berlin im Sommer 2010 waren Sie ein erfahrener Profi: Was haben Sie bei Hertha über das Fußballgeschäft gelernt?

Maikel Aerts: Wir haben gezeigt, dass man Erfolg nur erreichen kann, wenn man das gemeinsam macht. Egal, ob es um die Zweitliga-Meisterschaft geht, wie in der vergangenen Saison, oder um den Klassenerhalt, wie in diesem Jahr: Es geht nur zusammen. Ich finde, dass wir in den letzten anderthalb Jahren etwas Besonderes geschafft haben: mit der Mannschaft, dem Verein und der Stadt. Dass wir vor 48.000 Zuschauern in der Zweiten Liga gespielt haben und jetzt vor 53.000 in der Bundesliga, das ist unglaublich. Das zeigt, wie sehr Fußball in Berlin lebt.

Morgenpost Online: Ihr Traum ist die Bundesliga. Bisher haben Sie null Saison-Minuten gespielt. Geht Ihr Traum noch in Erfüllung?

Maikel Aerts: Ich spiele Bundesliga. Auch wenn ich im Moment nicht auf dem Platz stehe. Ich bin geholt worden, um das Ziel Aufstieg zu erreichen. Darum ging es: Das war wichtig für die Stadt, für den Verein und auch für uns Spieler. Wären wir nicht aufgestiegen, würden wir nicht hier sitzen und uns über Hertha unterhalten.

Morgenpost Online: In der vergangenen Saison waren Sie in der Kombination aus Leistung und Persönlichkeit ein Führungsspieler. Hat sich Ihre Rolle im Team geändert, weil Sie nicht spielen?

Maikel Aerts: Klar, will ich jeden Samstag im Tor stehen. Wenn das nicht mehr so ist, wäre ich kein guter Profi. Aber meine Rolle hat sich nicht geändert. Ich will den Kollegen und der Mannschaft helfen, besser zu werden. Das ist nicht abhängig davon, ob ich spiele. Ich spreche mit meinen Verteidigern und den Kollegen. Ich fühle mich noch wichtig für die Mannschaft.

Morgenpost Online: Wie ist unter den Torwarten die Absprache: Ist Sascha Bruchert die Nr. 2, und Sie die Nr. 3 – oder sind Sie gleichberechtigt?

Maikel Aerts: Nummer zwei oder drei, das trifft es nicht. Ich denke, dass wir gleich behandelt werden. Wir wechseln uns ab: Zwei Wochen sitzt Sascha auf der Bank, zwei Wochen ich. Wäre das nicht so, wäre ich auch nicht mehr dabei.

Morgenpost Online: Wie ist Ihr Verhältnis zu Thomas Kraft, der ihren Stammplatz übernommen hat ?

Maikel Aerts: Gut, ebenso wie zu Sascha. Die Torwarte sind in einer Mannschaft, zusammen mit Torwarttrainer Christian Fiedler, immer ein Special Team. Ich versuche Thomas zu helfen. Wir haben zwei junge Torhüter, beide mit viel Talent. Die wollen sich weiterentwickeln. Ich freue mich jeden Tag zu sehen: Die sind ehrgeizig, die wollen unbedingt besser werden. Ich habe viele Spiele in meiner Karriere gemacht, ich habe sehr verschiedene Situationen erlebt.

Morgenpost Online: Ihr Vertrag endet am 30. Juni. Wie sehen Ihre Perspektiven aus?

Maikel Aerts: Ich glaube, dass Hertha zufrieden ist mit mir als Torwart und als Person. Ich bin zufrieden. Da müssen wir schauen, ob wir den Vertrag verlängern können.

Morgenpost Online: Sie möchten bei Hertha bleiben?

Maikel Aerts: Ja, ich möchte gern. Ich finde es toll hier. Ich bin hier Maikel, werde so anerkannt, wie ich bin.

Morgenpost Online: Sie haben ein angerissenes Kreuzband am Knie. Ist es ein Problem für die Karriere?

Maikel Aerts: Danke, mit dem Knie geht’s gut. Beim Training oder anderen Belastungen, alles in Ordnung.

Morgenpost Online: Ob Dick van Burik, Rob Maas oder Bryan Roy, unabhängig vom Verein hat es Herthas Holländern in Berlin gefallen. Wie geht es der Familie Aerts?

Maikel Aerts: Egal, ob man Rechtsanwalt ist, Bauarbeiter, Farmer oder Fußball-Profi – hier hast du alles. Wenn du in Berlin nicht findest, was du suchst, findest du das in der ganzen Welt nicht. Wir haben drei Kinder, wir wohnen vor den Toren von Berlin. Die Kinder fühlen sich wohl.

Morgenpost Online: Fußball-Deutschland staunt über einen Schwung an Torwarttalenten: Ob Ron Zieler in Hannover, Marc-Andre ter Stegen in Gladbach, Bernd Leno in Leverkusen oder Thomas Kraft bei Hertha: Sind die Jungen besser, als Sie im Alter von 18, 19?

Maikel Aerts: Mit 18, 19 saß ich auf der Bank. Mit 20, 21 Jahren habe ich dann in der Zweiten Liga gespielt. Heute muss man schauen, warum die Jungen spielen: In Gladbach gab ein Problem mit Logan Bailly: Hätte der seinen Job gemacht, wäre ter Stegen nicht reingekommen. Manchmal braucht man etwas Glück. Aber dann hat ter Stegen das toll gemacht. Das wichtigste für einen jungen Torhüter: Du musst Spiele machen. Im Training kann man viel lernen. Aber man muss das umsetzen. Im Training bekommst du viele Bälle. Im Spiel hast du wahrscheinlich weniger Bälle und deshalb mehr Druck. Ich staune über die Jungen: Die sind einfach gut.

Morgenpost Online: Hat sich die Torwart-Ausbildung verändert?

Maikel Aerts: Ja. Als ich angefangen habe, konnte der Torwart jeden Rückpass mit der Hand aufnehmen. Das geht nicht mehr, deshalb sind die Jungen heute mit den Füßen besser (Lacht). Zu meiner Zeit wurden die Torwarte, die im Feld nicht so gut spielen konnten. Das ist heute nicht mehr so.

Morgenpost Online: Wer sind in Europa die zwei, drei besten Torwarte?

Maikel Aerts: Iker Casillias und Manuel Neuer, auch Victor Valdes von Barcelona, die haben alle eine tolle Ausstrahlung.

Morgenpost Online: Bei der EM 2012 spielen Holland und Deutschland in der Vorrunde gegeneinander. Wer wird Europameister?

Maikel Aerts: Wir sehen uns im Finale.