Babbel-Nachfolger

Was Michael Skibbe für Hertha so interessant macht

Michael Skibbe ist heißester Kandidat dafür, den entlassenen Markus Babbel als Trainer zu beerben. Der Coach des türkischen Erstligisten Eskisehirspor hat in den letzten Jahren deutlich an Profil gewonnen – was auch andere Vereine auf den Plan ruft.

Foto: REUTERS

Das Foto war sehr groß. Und es zeigte Michael Skibbe, wie er hinter seinem damaligen Chef Rudi Völler stand und ihm etwas sagte. „Ist er der Fehler-Flüsterer?“, fragte die „Bild“ im Juni 2004 süffisant. Deutschland war gerade dabei, sich bei der Europameisterschaft in Portugal zu blamieren. Und nun wurde darüber spekuliert, ob Co-Trainer Skibbe Teamchef Völler wohlmöglich zu falschen Aufstellungen oder Einwechslungen geraten hat. Am Ende schied die deutsche Nationalelf in der Vorrunde aus. Rudi Völler trat zurück – und Michael Skibbe wurde zum Coach der deutschen U-18-Nationalmannschaft degradiert.

Mehr als sieben Jahre sind seitdem vergangenen. Eine lange Zeit, in der sich Skibbes Ansehen in der Branche verändert hat. Mittlerweile genießt er großen Respekt. Wie gut er sein Image aufpoliert hat, zeigt die Tatsache, dass der Trainer des türkischen Erstligavereins Eskisehirspor nicht nur bei Hertha BSC im Gespräch ist. Skibbe besitzt in der Türkei eine Ausstiegsklausel und ist der Wunschkandidat von Manager Michael Preetz. Die beiden trafen sich vergangene Woche zu ersten Verhandlungen.

Doch jetzt soll auch Bayer Leverkusen, wo er von 2005 bis 2008 bereits tätig war, mit ihm in Kontakt stehen. Bei Bayer ist Robin Dutt Trainer. Doch nach einer schwachen Hinrunde fürchten die Verantwortlichen um das Saisonziel internationales Geschäft. 0:3 war Leverkusen Samstag gegen Nürnberg untergegangen und Sportdirektor Rudi Völler tobte: „Man merkt, da stimmt irgendetwas nicht.“

Skibbe ist also begehrt. Weil der 46-Jährige in jüngerer Vergangenheit unter Beweis stellen konnte, dass er ein Fachmann ist. Er hat gezeigt, dass er Mannschaften erfolgreicher betreuen kann als seine Vorgänger. Das hat er bei Bayer Leverkusen bewiesen, in seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt (2009 – 2011) und auch seit Sommer in der Türkei. Dort hat er Eskisehirspor nach anfänglichen Problemen bis auf Rang drei geführt. Am Samstag gelang ihm – trotz des schon existierenden Wirbels um einen möglichen Abgang in die Bundesliga – ein 1:0 gegen Kayserispor.

Lange in Konkurrenz zu Völler

Sollte sich Skibbe nun für Hertha entscheiden, wird er sich daran messen lassen müssen, den Klassenerhalt zu schaffen. Gelingt ihm das, ist Skibbe durchaus ein Trainer, mit dem Hertha mittelfristig höheren Ansprüchen genügen könnte. Es hat gedauert, bis er aus dem Schatten von Völler treten konnte, unter dem er auch in Leverkusen tätig war – Skibbe als Trainer und Völler als Sportdirektor.

Auf die Frage, ob sein belastetes Image auch mit der Zusammenarbeit mit Völler zu tun habe, hat Skibbe mal gesagt: „Natürlich, das hat sogar sehr viel mit Rudi Völler zu tun. Völler ist wie Franz Beckenbauer eine Lichtgestalt im deutschen Fußball. Beide werden nur selten kritisch betrachtet. Wenn Bayer eine gute Phase hat, heißt es immer, der Rudi hat super eingekauft. Wenn es nicht so gut läuft, dann haben ein Michael Reschke oder der Trainer Skibbe nicht richtig geguckt.“

Erstklassiges Netzwerk

Skibbe ist dennoch seinen Weg gegangen. Er sagt, was er denkt und überzeugt durch gute Menschenführung, wenn auch ihm hin und wieder Probleme mit starken Spielerpersönlichkeiten nachgesagt werden. So ist er in Frankfurt auch an einem Machtkampf mit dem frühren Stürmer Ioanis Amanatidis gescheitert.

Durch seine einjährige Arbeit als Bundes- und Jugendtrainer von 2004 bis 2005 verfügt Skibbe über ein erstklassiges Netzwerk. Er hat gute Kontakte in der Branche und eine Vorstellung von Fußball, die zeitgemäß ist. Als er in Frankfurt 2009 Nachfolger von Friedhelm Funkel wurde, trauten die Anhänger ihren Augen nicht, da sie ihr Team nach Jahren des teils defensiv ausgerichteten Spiels endlich offensiv glänzen sahen. „Wir trainieren wie Barcelona“, schwärmte damals Patrick Ochs. Skibbe bevorzugt ein schnelles Passspiel statt statischen Sicherheitsfußball. Zudem ist er durchaus unbequem, wie der in Frankfurt angezettelte Machtkampf belegt.

Gewinner des türkischen Supercups

Aber im Fußball zählen nun mal vorrangig Titel. Bislang steht auf seiner Habenseite nur der zweite Platz bei der WM 2002 in Japan und Südkorea sowie der Gewinn des türkischen Supercups mit Galatasaray Istanbul 2008. Viel ist das nicht. Und wo immer Skibbe auch als verantwortlicher Trainer beschäftigt war, lief es zu Beginn ganz gut. Doch nach einer Welle der Euphorie folgte meist die Ernüchterung. So war es auch in Leverkusen.

Nach einer guten Hinrunde in der Saison 2007/08 folgte eine schlechte Rückrunde, in der zuerst die Champions League und am letzten Spieltag der Einzug in den Uefa-Pokal verspielt wurde. Aus diesem Grund entschied sich Bayer, den Vertrag mit Skibbe vorzeitig zu beenden. Auch in Frankfurt bekam Skibbe in den ersten Monaten viel Beifall. Doch im März dieses Jahres wurde er nach ausbleibenden Erfolgen in der Bundesligarückrunde entlassen.

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