Babbel-Nachfolger

Bundesliga entsetzt über Hertha-Theater um Coach

Nach dem Rauswurf von Trainer Markus Babbel denkt Hertha BSC über juristische Schritte nach und will wohl Donnerstag schon den Nachfolger präsentieren. Fußball-Deutschland schüttelt unterdessen nur den Kopf über die Berliner Verhältnisse.

Nach der schlimmsten Schlammschlacht der jüngeren Klub-Geschichte plant Hertha BSC im Streit in der „Lügen-Affäre“ mit Ex-Trainer Markus Babbel den Gang vors Arbeitsgericht. Zudem wollen die Berliner offenbar am Donnerstag Michael Skibbe als neuen Trainer vorstellen, während Fußball-Deutschland mit Kopfschütteln auf die Verhältnisse in der Hauptstadt blickt.

„Es ist schade, dass man sich gegenseitig solche Vorwürfe macht. Ich kenne Markus Babbel aus der Zeit beim FC Bayern, das ist ein hochanständiger Mensch“, sagte Franz Beckenbauer bei Sky90. Babbels Gegenspieler und Hertha-Manager Michael Preetz kam nicht so gut weg. „Michael Preetz kenne ich nicht so, dass mir da ein Urteil zusteht oder ich die Glaubwürdigkeit der Aussagen überprüfen könnte“, meinte Beckenbauer.

Auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß konnte nicht glauben, dass Babbel ein Lügenbaron sei. „Ich habe Markus Babbel immer als ehrlichen und aufrichtigen Menschen kennengelernt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er den Verein hinters Licht geführt hat“, sagte der 59-Jährige. Für Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke war die Trennung überfällig: „Wenn man da zuletzt den Leuten ins Gesicht geschaut hat, hat man gemerkt, dass die nicht mehr miteinander konnten.“

Ungeachtet aller Kritik will Hertha die Trainerfrage offenbar noch vor Weihnachten klären. Wunschkandidat Skibbe soll nach übereinstimmenden Presseberichten am Donnerstag als neuer Chefcoach vorgestellt werden und am 1. Januar 2012 die Nachfolge des am Sonntag entlassenen Markus Babbel antreten.

Wer die Mannschaft im Achtelfinale des DFB-Pokals am Mittwoch zu Hause gegen den 1. FC Kaiserslautern (19.00 Uhr/Sky) betreut, ist noch unklar. Infrage kommen Amateurtrainer Karsten Heine und U19-Coach Rene Tretschok.

Während der Streit am Sonntag in Berlin eskalierte, trafen sich Herthas Geschäftsführer Ingo Schiller und Geschäftsstellenleiter Tom Herres in Istanbul mit Skibbe. Der ehemalige DFB-Trainer ist trotz einer Ausstiegsklausel offenbar erst Donnerstag verfügbar, weil er am Mittwoch noch den türkischen Erstligisten Eskisehirspor in einem Meisterschaftsspiel betreuen muss.

Skibbe, bereits in Dortmund, Leverkusen und Frankfurt als Bundesliga-Trainer im Einsatz, kommt allerdings nicht zum Nulltarif. Die hochverschuldeten Herthaner müssen angeblich eine Ablösesumme von 250.000 Euro bezahlen. Der 46-Jährige soll in Berlin einen Vertrag bis 2014 erhalten und pro Jahr rund eine Million Euro verdienen.

Geld sparen könnte der Klub beim Restgehalt von Babbel. Manager Michael Preetz denkt über juristische Schritte nach und könnte Babbel wegen vereinsschädigendes Verhaltens belangen. „Das würde ich nicht ausschließen“, betonte der Manager. Aus finanzieller Sicht ist für den Klub das Erreichen des Pokal-Viertelfinals enorm wichtig. „Es ist bekannt, dass wir jede Zusatzeinnahme gut gebrauchen können“, sagte Preetz dem RBB.

Auch einen Tag nach dem Rausschmiss blieb unklar, wer in der Posse gelogen hat. Babbel beharrte auf seiner Version, wonach er den Klub bereits am 4. November über seinen Weggang informiert habe und musste in Kauf nehmen, dass ihn Herthas Präsident Werner Gegenbauer als „Lügenbaron“ bezeichnete und seinen Ruf beschädigte. „Ich finde es enttäuschend, dass er mich als Münchhausen dargestellt hat“, beklagte sich Babbel.

Über die Gründe von Babbels Abgang herrschte weiter Unklarheit. Dass Babbel sauer war, weil er zum Winter nicht die erhofften Neuzugänge erhalten sollte, schloss Preetz aus. „Ihm war unser Rahmen die ganze Zeit über klar. Wir haben immer gesagt, was möglich ist. Er hat sich auch immer daran gehalten.“

Wahrscheinlicher dürfte sein, dass Babbel aus privaten Gründen nicht verlängern wollte. Der 39-Jährige litt unter der räumlichen Trennung von seiner in München lebenden Familie. „Natürlich kann das ein Grund sein“, sagte Preetz: „Aber es wäre sehr frustrierend, wenn es nicht um Fußball, Hertha oder Berlin gehen würde.“

Der Klub sei durch Babbels Verhalten in eine schwierige Lage gebracht worden. Preetz: „Es ist schade, dass der Verein nun mit den vielen Fragen nach dem eigentlich Grund der Trennung zurückbleibt.“

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