Ob sich Markus Babbel die alte Episode mit der berühmten Teeküche zu Hoffenheim wohl hat erzählen lassen? Wahrscheinlich nicht, neigt der Trainer von Hertha BSC doch im Allgemeinen dazu, die Dinge vom Hier und Jetzt aus zu betrachten. Zumindest kommuniziert er seine Sicht auf die Welt meistens so.

Vielleicht hätten ihn die Erzählungen von Herthas letztem Auftritt beim Gegner TSG 1899 Hoffenheim (Sonnabend, 15.30 Uhr, im Live-Ticker von Morgenpost Online ) im Abstiegsjahr auch nur verängstigt. Wie sich die Dinge manchmal gleichen: Am siebten Spieltag der Saison 2009/10 stand der damalige Trainer Lucien Favre nach einem verpatzten Saisonstart vor dem Aus. In Hoffenheim hagelte es eine hochverdiente 1:5-Niederlage, und nach dem Abpfiff nahmen die Dinge ihren Lauf. Die Geschichte dazu geht etwa so: Favre und Hertha-Manager Michael Preetz zogen sich in einen kleinen Raum neben den Umkleiden zurück – die Teeküche – und diskutierten. Favre wollte sich nicht den wartenden Reportern erklären, er könne das nicht und wolle lieber über die Gesamtlage reden. Die war Preetz nun gerade ziemlich egal, und irgendwann im Laufe des Gesprächs bat Favre seinen Vorgesetzten indirekt um seinen eigenen Rauswurf – der erfolgte am Tag darauf.

Nur zweimal unter der Marke

Nun ist die Situation bei Markus Babbel eine leicht andere. Zwar gilt auch er als angezählt, weil er seinen Vertrag in Berlin bislang noch nicht verlängert hat – die meisten Beobachter gehen auch nicht mehr davon aus. Mehr noch, viele Experten erwarten, dass Hertha nach dem Pokalspiel gegen Kaiserslautern die Reißleine ziehen wird, dann hätte auch Babbel sein vorerst letztes Bundesliga-Spiel in Hoffenheim erlebt.

Sportlich allerdings trennen Babbel von Favres damaligen Problemen Welten. Hertha steht vor dem letzten Spieltag der Hinrunde recht gut da. 19 Punkte stehen zu Buche, der Klub rangiert auf einem komfortablen elften Rang. Doch die vorweihnachtliche Ruhe täuscht: Sollte Hertha im Kraichgau verlieren, könnte sich der Abstand auf die Abstiegsränge rapide verkleinern. So geht es für Hertha also darum, das überaus erfolgreiche Jahr 2011 erfreulich abzuschließen. Und auch darum, die psychologisch wie rechnerisch wichtige Marke von mindestens 20 Zählern zur Winterpause erreicht zu haben. „Wir haben die große Chance, die Hinrunde mit einer runden Sache abzuschließen“, sagte Babbel. Statistisch kann die Bedeutung des 20-Punkte-Ziels gar nicht überschätzt werden. Zwar bedarf es in der Regel nicht der viel zitierten 40 Punkte, um am Ende der Saison die Klasse zu halten. Hertha selbst gibt allerdings das beste Beispiel, wie man sich in der Hinrunde ein gutes Polster erarbeiten kann (siehe Grafik). Nur zweimal seit dem Wiederaufstieg 1997 blieben die Berliner zum Winter unter 20 Punkten, 2003/04 ging die Geschichte nach mageren 13 Zählern im Winter noch gut. 2009, mit gerade sechs Punkten zur Pause, war die Folge der Abstieg.

Keine Fragen zur "Causa Babbel"

Da trifft es sich gut, dass die Aussichten auf ein Erfolgserlebnis bei der TSG in diesen Tagen ordentlich stehen. Zwar befindet sich Hoffenheim nach einem 2:0-Sieg in Nürnberg im Aufwind, Trainer Holger Stanislawski fehlen in Marvin Compper, Andreas Ibertsberger, Chinedu Obasi und Matthias Jaissle aber gleich vier Stammkräfte. Hertha muss lediglich auf Kapitän André Mijatovic verzichten, ihn wird wohl Christoph Janker vertreten. Trotzdem warnte Babbel vor „viel Qualität“, besonders vor Sturmspitze Vedad Ibisesevic, der in Nürnberg beide Treffer erzielt hatte. Mehr noch, der Bosnier ist so etwas wie der personifizierte Hertha-Schreck: Vier der bislang sieben Hoffenheimer Gegentore erzielte er, beim folgenschweren 5:1 schoss er binnen 21 Minuten drei Tore. Manager Preetz sagt: „Wir haben bisher zweimal in Hoffenheim gespielt. Damals lagen wir nach 20 Minuten 0:3 zurück und waren chancenlos. Deshalb erinnere ich mich lieber an das 1:0 im Jahr zuvor“, sagte er. Sorgen hat er ja auch schon genug.

Wie sehr ihn und die anderen Verantwortlichen die andauernden Debatten um ihren Trainer nerven, zeigt die Tatsache, dass der Klub auf der Pressekonferenz keine Fragen zur „Causa Babbel“ zuließ und nur darauf verwies, die Entscheidung würde bis zum 21. Januar mitgeteilt.

Babbel sprach dann aber doch ein wenig über sich und die Verhandlungen. Nein, er glaube nicht, dass sich die Mannschaft davon beeindrucken lasse. „Wenn wir zuletzt fünf Grottenkicks abgeliefert hätten, dann würde ich sagen, die Mannschaft hat ein Problem mit dem Thema. Aber die Mannschaft funktioniert, das ist kein Problem für das Team. Und für uns auch nicht.“

So oder so wird es nach Abpfiff keine Wiederholung des Teeküchen-Szenarios geben. Schließlich ist, betrachtet man die Sache einmal mit einem Augenzwinkern, völlig unbekannt, ob Babbel überhaupt Tee trinkt. Sicher ist nur, dass der Bayer ein Getränk aus der Heimat bevorzugt – „Spezi“, eine Mischung aus Cola und Orangenlimonade.

>>> Lesen Sie mehr zum Thema und reden Sie mit - im Hertha BSC Blog Immer Hertha unter www.immerhertha.de