An seine bislang letzte Dienstreise nach Sinsheim wird sich Christoph Janker ganz sicher nicht so gerne erinnern lassen. Es lief der siebte Spieltag der Saison 2009/10, Janker war gerade von der TSG aus Hoffenheim zu Hertha BSC gewechselt. Seine Rückkehr an alte Wirkungsstätte sollte etwas Besonderes werden – doch sie geriet zu einem Desaster. Nach einer Minute schoss der damals alles überragende Vedad Ibisevic das 1:0 für die Kraichgauer, nach vier Minuten erhöhte er auf 2:0, um nach nur 21 Minuten seinen lupenreinen Hattrick zu vollenden. Janker, der den Part des linken Innenverteidigers neben Arne Friedrich spielte, wurde folgerichtig zur Pause ausgewechselt. Es nützte nichts: Hertha verlor am Ende 1:5, einer der frühen Meilensteine des Abstiegs.
Am Sonnabend (15.30 Uhr) soll das alles ganz anders werden. Hertha gastiert zum Rückrundenschluss der Fußball-Bundesliga zum dritten Mal in Hoffenheim, und Janker, den alle nur „Django“ rufen, wird wohl erneut eine Rolle spielen. Kapitän und Innenverteidiger André Mijatovic laboriert noch immer an seiner Bänderdehnung im Sprunggelenk und wird für das Spiel definitiv ausfallen. Trainer Markus Babbel ließ schon durchblicken, dass er auf Janker setzten wird: „Janker hat große Chancen, er hat gut trainiert“, so der Coach, der sich aber noch eine Hintertür offen hielt: „Aber Sebastian Neumann kann auch auf der Position spielen.“ Letzteres ist richtig, allerdings ziemlich unwahrscheinlich, hatte Babbel seinem Nachwuchsmann wie anderen Spielern erst zu Wochenbeginn vorgeworfen, sich nicht genug anzubieten. „Sie müssen langsam aus dem Quark kommen“, hatte er gefordert. So wird „Django“ einspringen dürfen, er hat – anders als im gleichnamigen Kultwestern – nicht nur einen Schuss, so schlimm ist es noch nicht. Doch einer seiner nächsten Versuche sollte sitzen. Aber das kennt er ja.
Enttäuschte Hoffnungen
Mit großen Hoffnungen in die Hauptstadt gewechselt, steht der stets zurückhaltende 26-Jährige sportlich nun schon in der dritten Saison in Folge auf dem Abstellgleis. Auf insgesamt gerade 24 Einsätze kommt er für Hertha seither in der ersten und zweiten Liga. „Ich hoffe und wünsche mir natürlich, dass ich spiele“, sagt er bescheiden, wohlwissend, dass er einmal mehr die große Möglichkeit bekommt, es allen Kritikern zu zeigen. Und von denen gibt es wahrlich genug, viele Fans zuckten zuletzt schon beim Verlesen seines Namens zusammen.
In letzter Zeit jedoch scheint die Stimmung zu seinen Gunsten zu kippen. Die Hertha-Anhänger haben realisiert, dass sein Job ein wirklich harter ist. Im Training gibt er immer alles, er fällt nie durch irgendwelche Vorkommnisse auf, sein Umgang ist stets höflich. Und doch: Immer hat er Spieler vor sich, die der aktuelle Trainer bevorzugt, in dieser Saison namentlich Roman Hubnik, Christian Lell und natürlich Mijatovic. Seinen Eifer aber bremst das nicht, er hat sich mit der Situation arrangiert. „Das ist mein Job, und ich habe sehr viel Spaß daran“, sagt Janker.
Kein Wunder, dass in den Fan-Foren seit Wochen gefordert wird, ihm endlich eine neue Chance zu geben. So auch bei immerhertha.de, dem Blog der Berliner Morgenpost; dort votierte genau die Hälfte der mehr als 500 Befragten für ihn als Ersatz von Mijatovic. Und mehr noch: 44 Prozent der Nutzer stimmten der Aussage zu: „Janker sollte in jedem Fall bald eine Chance bekommen.“
Gala-Auftritt gegen Köln
So wie am achten Spieltag der laufenden Saison gegen den 1. FC Köln, als er für den gesperrten Christian Lell einsprang und auf der rechten Abwehrseite gegen Lukas Podolski antrat – und den wiedererstarkten Kölner Stürmer komplett aus dem Spiel nahm. Mit einer zusätzlichen Torvorlage gelang ihm einer der besten Auftritte im Hertha-Trikot. „Das war ein toller Abend im Olympiastadion. Natürlich ist das Jubeln schöner, wenn man 90 Minuten gespielt hat“, sagt Janker, und da schwingt dann schon ein bisschen Sehnsucht nach der ständigen großen Bühne mit. Trotzdem: Janker sieht das Glas tendenziell eher halb voll als halb leer, wie könnte es anders sein. Vor gut einem Jahr musste er um sein rechtes Bein bangen, eine Einblutung hatte den Druck im Oberschenkelmuskel so stark erhöht, dass nur eine Reihe aufwendiger Operationen eine Amputation verhinderte. 23 Stunden des Tages musste er liegend im Bett verbringen, „die schlimmste Zeit meiner Karriere“, wie er rückblickend sagt, an die ihn auch eine 35 Zentimeter lange Wunde erinnert („Ein langes Ding“).
Am Sonnabend bekommt er es wieder mit den Schwergewichten der Liga zu tun, auch mit Vedad Ibisevic, der ihm damals die erste Rückkehr vermasselte. Der Stürmer ist nach zwei Einsätzen als Joker und einer ganzen Reihe von abstrusen Wechselgerüchten rechtzeitig für die Partie gegen die Berliner in die Startelf zurückgekehrt. Seine Form ist aufstrebend, beim 2:0-Sieg seiner Hoffenheimer in Nürnberg am vergangenen Spieltag gelang ihm ein Doppelpack. Janker wird alles daran setzen, dass ihm das gegen Hertha nicht noch einmal gelingt. Damit die Erinnerungen an Hoffenheim in Zukunft nicht mehr ganz so schmerzlich ausfallen.
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