3:3 gegen Bayer Leverkusen

Hertha-Stürmer Lasogga ärgert seinen Ex-Klub

2:0, 2:3 und schließlich 3:3: Herthas Duell gegen Bayer Leverkusen war an Ransanz kaum zu überbieten. Dass die Berliner am Ende nicht mehr leeren Händen dastanden, verdanken sie Pierre-Michel Lasogga. Der drehte gegen seinen Ex-Klub richtig auf.

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Lachen? Weinen? Jubeln? Fluchen? Pierre-Michel Lasogga fiel auf dem Rasen des Olympiastadions erst einmal Adrian Ramos in die Arme, für alles andere fehlte dem Stürmer von Hertha BSC wohl auch einfach die Kraft. 3:3 gegen Bayer Leverkusen – das Ergebnis deutet nur an, welches Wechselbad der Gefühle Lasogga und seine Berliner Mitspieler genau wie seine ehemaligen Kollegen von der Bayer-Elf den 44.541 Zuschauern im Olympiastadion bereitet hatten. Davon kündet schon eher die Torfolge: 2:0, 2:3 und schließlich eben 3:3.

Wieder Zwei-Tore-Führung verspielt

Zwar verspielten die Berliner damit zum zweiten Mal binnen einer Woche eine Zwei-Tore-Führung. Mit dem 2:2 von Freiburg mochte Trainer Markus Babbel das folgende Heimspiel aber nicht vergleichen: „Freiburg war einfach nur ärgerlich“, sagte er. „Heute hat die Mannschaft sich gegen eine drohende Niederlage gestemmt, hat sich noch mal aufgebäumt und alles aus sich herausgeholt und ist dafür auch verdient belohnt worden.“ Ein Sieg der Moral also für den Aufsteiger gegen den Champions-League-Achtelfinalisten – und das in einem Spiel, das an Rasanz und an Höhen und Tiefen kaum zu überbieten war.

Auf jenes Spektakel hätte Peter Niemeyer allerdings gut und gern verzichten können. Dem Mittelfeldspieler wäre es „lieber gewesen, wir hätten das 2:0 ganz und gar unspektakulär nach Hause gebracht“. Aber so standen den eigenen Toren wieder teils unerklärliche Aussetzer in der Abwehr gegenüber. „Wir müssen endlich mal aus unseren Fehlern in der Defensive lernen“, sagte denn auch Abwehrspieler Christian Lell.

19 Jahre, sechs Saisontore

Lasogga, der noch immer erst 19 Jahre alte Stürmer, war mit seinen Saisontoren Nummer fünf und sechs maßgeblich daran beteiligt, dass ein aus Berliner Sicht zunächst furioser und später frustrierender Fußballnachmittag ein versöhnliches Ende nahm. Nach sieben Minuten veredelte er einen von Andreas Ottl mit einem prächtigen Steilpass auf Raffael losgetretenen Spielzug zum 1:0. Und als nach 82 Minuten die dritte Heimniederlage der Saison schon nahe war, drückte er den Ball eine Winzigkeit vor Bayer-Abwehrspieler Manuel Friedrich zum Endstand über die Linie.

Begonnen hatten die Berliner ähnlich furios wie Anfang Oktober gegen Köln, als Hertha schon nach 34 Minuten sämtliche Tore zum 3:0-Endstand erzielt hatte. Diesmal bot sich die Gelegenheit zur schnellen Führung nach fünf Minuten: Eine Hereingabe von Kobiashvili stoppte Leverkusens Rechtsverteidiger Schwaab regelwidrig mit der Hand – Elfmeter. Aber Kobiashvili entwertete das Geschenk mit einer bemerkenswert mutlosen Ausführung. Sein schwach getretener Strafstoß bereitete Bayer-Torhüter Leno keine Probleme.

Nach zuvor vier erfolgreich verwandelten Elfmetern war es Kobiashvilis erster Fehlschuss im Hertha-Trikot. Der Georgier mochte gar nicht erst in Abrede stellen, dass sein Elfmeter „einfach schlecht geschossen“ war; aber: „Das war der Weckruf für unsere Mannschaft. Danach haben wir losgelegt.“ Lasogga traf – und nach 17 Minuten auch Toprak ins eigene Netz. Der deutsch-türkische Innenverteidiger der Bayer-Elf erzielte ein Eigentor, das Leno ganz und gar machtlos zurückließ. Eine Freistoß-Hereingabe von Rukavytsya lenkte er per Kopf zum 2:0 für Hertha oben links ins Tornetz.

Dreierpack von Derdiyok

Weil die Berliner rund um diese beiden frühen Treffer aber reihenweise weitere gute Chancen ausließen, sah Babbel das Unheil draußen auf der Bank schon kommen. „Wir hätten abgezockter sein und klarer führen müssen“, mäkelte er, denn weil das dritte Tor nicht fallen mochte, war dem Hertha-Trainer „klar, dass es extrem schwer werden würde, den Vorsprung zu halten, weil Leverkusen über enorme Qualität verfügt“. Und das auch, obwohl die Mannschaft erst Mittwoch an die Schmerzgrenze hatte gehen müssen. Beim 2:1 in der Champions League gegen Chelsea gelang erst in der Nachspielzeit der 2:1-Siegtreffer. „Umso erstaunlicher“, fand es auch Bayer-Trainer Robin Dutt, wie die Seinen nach verschlafener Startphase zunehmend Druck aufbauten. Prompt korrigierten sie gleich bei ihrer ersten echten Torannäherung den Spielstand.

Lars Benders Steilpass, der ähnlich gekonnt war wie zuvor jener von Ottl, setzte Derdiyok in Szene. Frei vor Hertha-Torwart war sein Abschluss nur die Pflichtübung eines Torjägers – nur noch 2:1 (24.). Die Gastgeber zeigten Wirkung. Wie eine Woche zuvor in Freiburg ging trotz Führung ein weiteres Mal die Ordnung verloren. Die Leverkusener, allen voran Routinier Ballack, spürten dies. Stück für Stück verlagerten sie ihre Stellungen nach vorn; der „Capitano“ agierte zeitweise als zweite Sturmspitze.

In der Halbzeitpause habe er seinem Team „zu erklären versucht, dass es kein Nachteil ist, wenn man führt“, sagte Babbel: Weil dann doch noch immer zuerst der Gegner in der Pflicht steht, das nächste Tor zu schießen. Aber alles Gutzureden half nichts, die Berliner überließen ihren Gegenspielern das Heft des Handelns – und die schlugen weiter gnadenlos zu. Mit seiner ersten auffälligen Szene des Spiels, einem 16-Meter-Schuss, leitete Nationalspieler Andre Schürrle in der 65. Minute den Ausgleich ein. Seinen Ball konnte Kraft noch parieren, machtlos war der Torwart erst bei Derdiyoks Nachschuss. Beim 2:3 nach 79 Minuten, abermals erzielt von Derdiyok, verhielt es sich ganz ähnlich. Doch dann war da ja noch Lasogga: In Leverkusen verkannt, in Berlin mit seinen Toren ein Held.