Zu viele Gegentore

Herthas Ramos hofft auf bessere Defensive

Adrian Ramos ist außerhalb des Rasens eher schüchtern. Nachdem sich der Hertha-Stürmer über Monate nicht öffentlich geäußert hat, sprach Morgenpost Online mit ihm über die vielen Gegentore, die WM 2014 und den kalten Berliner Winter.

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So oft die gegnerischen Trainer über Adrian Ramos reden, Ramos redet nur höchst selten. Auf dem Platz ärgern sich die Fans von Hertha BSC über den stets gleichmütigen Gesichtsausdruck des Stürmers. Doch der setzt sein Pokerface bei der Arbeit bewusst ein, niemand soll seiner Miene entnehmen, ob er sich gut oder schlecht fühlt. Außerhalb des Rasens ist Ramos ein freundlicher, aber schüchterner Typ. Und der Angreifer, dessen filigraner Körperbau eher an einen afrikanischen Langstreckenläufer als einen durchsetzungsfähigen Stürmer erinnert, tritt in die großen Fußstapfen der Hertha-Torjäger Marko Pantelic und Andrej Voronin.

Ramos war in der Saison 2009/10 mit zehn Treffern ebenso bester Klub-Schütze wie 2010/11 in der Zweiten Liga mit 15. In diesem Spieljahr ist der Nationalspieler aus Kolumbien nicht ganz so rasant in die Bundesliga gekommen. Nach 13 Runden liegt Ramos (drei Tore/zwei Vorlagen) im vereinsinternen Vergleich hinter Raffael (4/4) und Pierre-Michel Lasogga (4/3) nur auf Rang drei. Über Monate war von Ramos kein öffentliches Wort zu hören. Manchmal kokettiert Ramos damit, dass er nur Spanisch, aber kein Deutsch spreche. Doch nun stellte sich der Torjäger mit Unterstützung von Dolmetscher Alcir Pereira den Fragen von Morgenpost Online und redete ganz offen über...

... seine Gesundheit:

Ich komme gerade vom Arzt. Dort ist am Montag ein kleiner Schnitt am Oberschenkel gemacht worden. Die Ärzte wissen aber nicht, was das ist, vielleicht die Folgen eines Insektenstichs. Ein Befund steht noch aus.

... den Einsatz gegen Bayer Leverkusen:

Im Moment weiß ich es noch nicht. In dieser Saison war meine Gesundheit nicht die beste. Ich hoffe, dass dieser kleine Eingriff jetzt der letzte ist und dass ich dann in eine gute körperliche Verfassung komme. Ich würde am Sonnabend gegen Leverkusen gern spielen, aber wir müssen warten, was der Arzt sagt.

... Lehren aus der Zweiten Liga:

Die Zweite Liga ist sehr schwierig gewesen, weil alle Gegner unbedingt Hertha schlagen wollten. Wir mussten jedes Mal 100 Prozent geben, um als Sieger vom Platz zu gehen. Das war eine lehrreiche Saison für uns alle in der Mannschaft.

... vergebene Chancen in Freiburg:

Ich habe mich sehr geärgert. Das waren klare Möglichkeiten. Ich habe beide Male nicht die korrekten Entscheidungen getroffen und vergeben. Weil wir am Ende leider noch den 2:2-Ausgleich kassiert haben, weiß ich: Nutze ich meine Chancen, hätten wir gewonnen. Richtig ärgerlich. Aber so ist Fußball.

... das Zusammenspiel mit Lasogga:

Ich komme öfter über die Außenbahnen, Pierre steht mehr im Zentrum. Aber das ist kein Problem. Im Fußball kann nicht nur der Tore schießen, der am nächsten am Tor steht. Ich versuche die Räume zu nutzen, die sich für mich ergeben. Für mich ist es kein Problem, auf den Außenpositionen zu spielen.¯

... seine bisherige Saisonbilanz:

Ich bin nicht gut in die Saison gekommen. Nicht, weil ich im Sommer die Copa America in Argentinien gespielt habe und einen Teil der Vorbereitung bei Hertha verpasst habe. Aber ich hatte danach gesundheitliche und fußballerische Probleme. Jetzt wird es langsamer besser.

... Herthas Heimschwäche:

Wir haben manchmal Schwierigkeiten mit dem Druck, den man zu Hause hat. Es sind viele tolle Fans im Olympiastadion da. Die wollen möglichst rasch Tore sehen und attraktive Angriffe. Aber manchmal steht es nach 40 Minuten oder gar nach einer Stunde noch immer 0:0. Dann wird es unruhig. Aber das müssen wir als Mannschaft beherrschen.

... die vielen Gegentore:

Da müssen wir als ganze Gruppe Antworten finden. Wir Stürmer müssen vorn mehr Tore schießen, und in der Defensive hoffe ich, dass es uns gelingt, öfter mal zu Null zu spielen. Am besten beginnen wir damit gleich am Sonnabend gegen Bayer Leverkusen.

... einen 1:0-Fluch:

Es stimmt, ich habe dreimal zum 1:0 getroffen, und wir haben dann keines dieser Spiele gewonnen. Aber es ist egal, wer trifft. Ich werde auch in den nächsten Partien das 1:0 schießen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Ich bin überhaupt nicht abergläubisch.

... persönliche Ziele:

Als Stürmer will ich der Mannschaft helfen, wenn es geht, mit Toren. Aber ich habe mir keine genaue Zahl vorgenommen. Wichtiger finde ich, dass wir das Ziel des Vereines erreichen, das heißt, die Bundesliga zu halten.

... Perspektiven bei Hertha:

Ich habe meinen Vertrag in Berlin bis 2015 verlängert, darüber bin ich glücklich. Ich glaube, dass die Perspektiven bei Hertha hier nicht schlecht sind. Aber wir müssen hart arbeiten, um unsere Saisonziele zu erreichen.

... seine Nichtnominierung zur Nationalmannschaft von Kolumbien:

Jeder Nationalspieler hofft, auch beim nächsten Mal wieder eingeladen zu werden. Aber das geht nicht immer, das entscheidet der Nationaltrainer. Dann ist etwas Unangenehmes passiert, ein Sturmkollege hat sich verletzt. Ich wurde nachnominiert. Aber wenn die Nationalmannschaft ruft, dann komme ich und gebe alles.

... Interkontinentalflüge:

Am ersten Tag nach den Reisen zwischen Europa und Südamerika bin ich immer ziemlich müde, am zweiten noch ein bisschen. Aber dann ist es gut.

... die WM 2014 in Brasilien:

Wir haben nach drei Spielen in der Qualifikation vier Punkte. Die Südamerika-Gruppe ist sehr schwierig. Es ist ein weiter Weg für uns bis zum Ziel. Aber natürlich wollen wir zur Weltmeisterschaft 2014 nach Brasilien.

... Winter in Berlin:

Ich bin jetzt im dritten Winter hier. Es ist wie immer sehr kalt. Ich muss mich warm anziehen, um meine Gesundheit zu schützen. Ich weiß nicht, ob man sich daran gewöhnt.