Hertha

Der Rückhalt von Fanliebling Ebert schwindet

Nach der von Hertha-Trainer Babbel verordneten Kader-Pause, präsentierte sich Patrick Ebert im Spiel gegen die Freiburger wenig durchschlagskräftig. Bevor über Eberts Vertragsverlängerung bei Hertha entschieden werden kann, muss allerdings erst die Trainerfrage geklärt sein.

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Früher, vielleicht vor zwei Monaten noch, hätten sich die Dinge für Patrick Ebert viel einfacher verhalten. Da hätte diese Woche auch wie folgt laufen können: Er wäre ständig gefragt worden, ob sein im Sommer auslaufender Vertrag mit Hertha BSC denn nun verlängert würde, und Ebert hätte stets gesagt, er werde dazu keinen Kommentar abgeben. Dann, bei der Mitgliederversammlung am kommenden Montag und vielleicht nach einem guten Auftritt gegen Leverkusen, würde vor tausenden applaudierender Fans verkündet: „Patti bleibt bei Hertha“. Wie das gemacht wird bei Fanlieblingen.

So aber wird es kaum kommen. Denn derzeit ist alles ein bisschen komplizierter für den Außenspieler des Berliner Fußball-Bundesligisten. Seine Zukunft wird aktuell nicht verhandelt, erst will der Klub Sicherheit in der Trainerfrage haben. Ebert steckt in der Warteschleife. Und statt rauschender Fußballfeste muss der 24-Jährige froh sein, wenn er überhaupt noch auf dem Platz steht. So wie gegen Freiburg, als er doch ein bisschen überraschend wieder in die Startelf zurückgekehrt war. Erst vor drei Wochen hatte ihn Trainer Markus Babbel wegen mangelnder Leistung aus dem Kader gestrichen hatte. „Er hat eine Pause gebraucht, gut trainiert und sich über das Training angeboten. Er hat es verdient, erste Wahl zu sein“, begründete der Trainer. Das war insofern auch interessant, als dass Ebert gerade in einem Zeitungs-Interview offen seinen Unmut über seine Aussortierung ansprach. „Den Rauswurf aus dem Kader fand ich ungerecht“, hatte er gesagt, und nachgelegt: „Der Trainer hat mir nie erklärt, warum ich aussortiert wurde.“ Normalerweise reagiert Babbel auf solche Aktionen sehr empfindlich. Es sollte Ebert eine Warnung sein, dass ihm sein Trainer trotzdem das Vertrauen aussprach. Um ihn in die richtige Richtung zu stupsen, vermutlich. Und vielleicht ein letztes Mal.

Zu wenig Durchschlagskraft

Denn: Sein Auftritt geriet zu einem typischen Spiel Marke Ebert. Er hängte sich rein, war engagiert und motiviert. Obwohl dem Ausgewechselten die letzten Spielminuten fehlten, rannten nur zwei Herthaner mehr als er. 11,95 Kilometer legte er zurück, dabei zog er 20 Sprints an – so viele wie kein anderer Berliner. Auf der anderen Seite stehen der verlorene Zweikampf vor dem Anschlusstreffer der Freiburger und insgesamt viel zu wenig Durchschlagskraft im Spiel nach vorn. Kurz und gut: Dieses Spiel zeigte deutlich, dass andere Kandidaten auf den Außenpositionen der Mannschaft momentan mehr helfen als Ebert. Konsequenter Weise müsste Babbel im Spiel gegen Leverkusen am Sonnabend wieder durchwechseln.

Was also spricht überhaupt für einen neuen Vertrag? Derzeit an sich nur Eberts Beliebtheit bei den Fans. Seine authentische Art kommt an, noch dazu ist er in der eigenen Jugend groß geworden. Erst kürzlich, auf der Informationsveranstaltung „Hertha im Dialog“, forderten einige Redner vehement, ihn zu halten. Nur, das allein kann am Ende kein Argument sein. Denn: Inzwischen bröckelt sein Rückhalt auch unter den Hertha-Anhängern, vor allem bei jenen, die akribische Spielanalysen betreiben und nicht so viel von Fußball-Folklore halten. Sie wollen Leistung sehen. Auch bei „immerhertha.de“, dem Blog der Morgenpost, wurde nach der Partie eifrig diskutiert. So bemerkte Nutzer „Inari“ deutlich: „ Fußballerisch mit das schwächste Glied. Hat nicht eine Flanke verhindert.“ Und „backstreets 29“ meinte: „Warum spielte Ebert? Nach diesem Zeitungsauftritt hätte ich ihn nicht mal im Kader erwartet.“ Klar ist: Wenn Ebert nicht aufpasst, versäumt er auch den nächsten Anlauf, sich als richtiger Bundesliga-Profi zu etablieren. Und dazu würde es eben auch gehören, einmal ein Spiel zu zeigen, das wirklich „seines“ ist, dem er die entscheidende Wendung gegeben hat. Ein wenig war das so in der Vorsaison, als er in Karlsruhe sein Comeback und ein lahmes Spiel mit vielen Impulsen noch in ein 6:2 verwandelte. Seit dem geht es immer auf und ab mit ihm.

Viele Flanken, wenig Fehlpässe

Nun wäre es ungerecht, die positiven Momente zu verschweigen. Ebert hat seine Fehlpassquote reduziert, gerade vier waren es gegen Freiburg. Er spielte die meisten Pässe (24) und die meisten Flanken (4). Und doch brachte das alles nichts. Manager Michael Preetz, maßgeblich für die Verhandlungen verantwortlich, sagt: „Patrick hat eine Zukunft in Berlin, aber er muss mehr Konstanz in sein Spiel bekommen. Das weiß er selbst.“