Spiel gegen Freiburg

Herthas Kobiashvili kehrt als Rekordjäger zurück

Herthaner Levan Kobiashvili begann einst in Freiburg seine Karriere. Im Spiel gegen seinen ehemaligen Klub will er nun seine Fähigkeiten beweisen. Das öffentliche Gerede um sein Alter lässt den 34-Jährigen dabei kalt.

Foto: dapd

In diesen Tagen, da der Winter Einzug hält am heimischen Schenckendorffplatz, ragte Levan Kobiashvili tatsächlich einmal heraus aus der Masse an Spielern von Hertha BSC. Nicht etwa, weil er die Kälte aus seiner alten Heimat Georgien so gut gewöhnt ist, dass er noch in kurzen Hosen oder ähnlichem trainiert hätte. Nein, vielmehr verzichtete er als einziger Spieler auf die modischen, engen Mützchen in Hertha-Blau, die sich die anderen Spieler auf den Kopf gezogen hatten. Kobiashvili bevorzugte eher ein klassisches Modell: pechschwarz, ein bisschen zu groß und von weitem gut zu erkennen.

Dabei ist das mit dem Auffallen gar nicht so die Sache des Linksverteidigers, ganz im Gegenteil. Eher geht Kobiashvili schon einmal ein bisschen unter im Konzert der Stars. Was zum einen eben daran liegt, dass der mittlerweile 34 Jahre alte Profi nie durch irgendwelche Skandale auffiel, er hat fast immer seine Leistungen gebracht. Auf der anderen Seite werden eben genau die häufig übersehen. Er gilt in der Öffentlichkeit als zu alt, zu langsam, und er war derjenige Spieler in Herthas Reihen, dem die Fans am allerwenigsten den erneuten Sprung in die Bundesliga zugetraut hätten.

Zé Robertos Bestmarke wackelt

Doch warum nur? Kobiashvili hat vor dem Spiel gegen den SC Freiburg (15.30 Uhr, Sky live, hier im Live-Ticker von Morgenpost Online ) 317 Bundesliga-Partien auf seinem Konto, nur vier ausländische Spieler haben es je auf mehr Partien gebracht . 30 Tore hat er in der Liga erzielt, viele durch Elfmeter, „aber nicht mehr als die Hälfte“, wie er lachend klarstellt. Spielt er bis Weihnachten durch, schiebt er sich unaufhaltsam an die Top-3 der Liste heran. Und könnte, wenn er nicht mehr als zwei Spiele versäumt, am Ende der Saison gar den Rekord von Zé Roberto brechen. Er muss also seine Qualitäten haben.

Beim Thema öffentliche Wahrnehmung kann Kobiashvili inzwischen nur noch müde lächeln. „Diese Geschichten mit meinem Alter und der Schnelligkeit hat es schon immer gegeben“, erzählt er, „aber am Ende bin ich immer auf meine Einsätze gekommen.“ Bei Hertha scheint sich das einmal mehr zu bestätigen, er zahlt das Vertrauen zurück. Mal davon abgesehen, dass er gleich im ersten Spiel den schnellsten Sprint des Tages hinlegte. Auch Trainer Markus Babbel, der schon vor der Saison kein Verständnis für die Kritik an seinem Verteidiger hatte, sagt: „Mangelnde Schnelligkeit macht er durch seine Erfahrung und sein gutes Auge wett.“ Warum er, wie es einer alten Batterie-Werbung so schön heißt, „läuft und läuft und läuft“, kann der Georgier selbst nicht erklären. „Meine Familie gibt mir viel Kraft“, sagt er. Dann klopft er auf den Holztisch, als er davon spricht, dass er ja auch nie von schweren Verletzungen heimgesucht wurde.

"Jetzt bin ich bei Hertha, nur das zählt"

So langsam aber, das weiß auch Kobiashvili, beginnt sich der Kreis zu schließen, gerade mit dem Spiel in Freiburg. Denn im Breisgau hatte einst alles angefangen, wenn auch damals erst in der zweiten Liga. 1997 holte ihn der damalige Trainer Volker Finke nach Deutschland. Fünf Spielzeiten blieb er dem Klub treu, bevor es für sieben Jahr zum FC Schalke 04 ging. Freiburg, sagt Kobiashvili heute, sei damals das ideale Pflaster gewesen, um den Grundstein für seine lange Karriere zu legen. „Es war mein Glück, zu einem kleinen Verein zu kommen, dort konnte ich mich ungestört entwickeln“, sagt er, und fügt an: „Ich habe dem Klub und der ganzen Stadt sehr, sehr viel zu verdanken.“ Von den Spielern kenne er aber niemanden mehr. Das ist vielleicht auch ganz gut so, geht es für Hertha doch darum, sich gegen einen direkten Konkurrenten durchzusetzen. „Freiburg spielt wie wir gegen den Abstieg, wir haben eine große Chance, den Abstand auszubauen“, sagt Babbel, der die Freiburger auf Tabellenplatz 17 ziemlich unter Wert vermutet: „Sie erzeugen viel Druck, es gab Spiele, in denen sie den Sieg verdient gehabt hätten.“ Statistisch aber ist Hertha im Vorteil: Seit mehr als zehn Jahren haben die Berliner nicht mehr in Freiburg verloren, sechs Siege aus sieben Spielen stehen zu Buche.

Diese Serie will Kobiashvili weiterführen – auch wenn es ihn ein wenig für Freiburg schmerzt. „Jetzt bin ich bei Hertha, nur das zählt“, sagt er, aber: „Wenn wir den Klassenerhalt schaffen, drücke ich auf jeden Fall auch Freiburg die Daumen.“

>>> Lesen Sie mehr zum Thema und reden Sie mit - im Hertha BSC Blog Immer Hertha unter www.immerhertha.de