Fußball-Bundesliga

Was Hertha BSC zu Hause falsch macht

Die 1:2-Niederlage der Berlinern gegen Borussia Mönchengladbach zeigt: Hertha kann gerade im heimischen Olympiastadion nicht überzeugen. Morgenpost Online zeigt, wo die größten Probleme liegen.

Der Kapitän ist ein Freund klarer Worte. „Ich bin traurig“, sagte Andre Mijatovic. „Da kommen 60.000 Leute ins Olympiastadion, wir bekommen Unterstützung ohne Ende – und dann verlieren wir.“ Das 1:2 (1:1) gegen Borussia Mönchengladbach lag dem Spielführer von Hertha BSC auch am Tag danach schwer im Magen.

Zwar liegt der Bundesliga-Aufsteiger als Tabellen-Zehnter mit 16 Punkten ordentlich im Rennen. Aber zum wiederholten Mal ließ der Hauptstadt-Klub einer starken Auswärtspartie (3:2 in Wolfsburg) ein weitaus schwächeres Heimspiel folgen.


• Das Problem im Olympiastadion

In dieser Saison bot Hertha dem eigenen Anhang nur einen wirklich starken Auftritt, das rundherum gelungene 3:0 gegen Köln. Das 1:0 gegen Stuttgart war schwer erkämpft und etwas glücklich. Gegen Augsburg (2:2) und Mainz (0:0) lieferten die Berliner mühsame Auftritte, gegen Nürnberg (0:1) und nun Gladbach setzte es Heimniederlagen.

Tritt man einen Schritt zurück, ist das Phänomen kein neues. In der erfolgreichen Aufstiegssaison legte Hertha zwar mit 13 Heimsiegen den Grundstein für die erfolgreiche Bundesliga-Rückkehr. Abgesehen von dem herzerwärmend-dramatischen 3:2 zum Auftakt gegen Oberhausen bot die Mannschaft die spektakulären Spiele zumeist auswärts: beim 5:0 in Aachen, beim 6:2 in Karlsruhe sowie den 2:0-Siegen in Bochum, Fürth und Aue.

Über die Abstiegssaison mit nur einem Heimerfolg decken wir an dieser Stelle den Mantel des Schweigens. Sogar 2008/09, als Hertha unter Lucien Favre bis zum vorletzten Spieltag um die Meisterschaft spielte, murrte Fußball-Deutschland: Wie kann man bei Heimspielen so wenig Risiko gehen und dennoch so viel punkten? Doch das ist der Zug der Zeit: Sonnabend standen sich mit Hertha und Gladbach zwei Teams mit ähnlicher Spielanlage gegenüber: effektiv statt attraktiv.


• Das Problem mit der Konzentration

Die Hausherren starteten gut: Eine halbe Stunde lang fanden die Borussen überhaupt nicht statt. Hertha verteidigte hoch, stellte die Räume zu. Und ging im Anschluss an eine Raffael/Ramos-Kombination in Führung. Doch mit dem ersten Torschuss der Gladbacher, der prompt zum 1:1-Ausgleich führte, war der Mut dahin. Die Gastgeber zogen sich zurück, es wurde mehr reagiert und weniger agiert. Torwart Thomas Kraft, im Sommer vom FC Bayern gekommen, ärgert die Haltung: „Wir haben irgendwann angefangen, das Spiel vor uns hinplätschern zu lassen, wie wir das gern mal machen.“ Die Quittung folgte auf dem Fuß mit dem 1:2 von Marco Reus. Kraft: „Das war abzusehen.“

Wie schon in der Vorwoche kassierte Hertha zwei Gegentore. „Wir haben zu viele unnötige Ballverluste und machen zu viele einfache Fehler“, sagte Levan Kobiashvili. Der linke Verteidiger monierte, dass die Mannschaft sich zu sehr darauf verlasse, selbst zwei oder drei Tore schießen zu können. „In der Bundesliga muss man auch mal ein 1:0 clever nach Hause bringen.“ Die Mannschaft tut sich schwer, sich über 90 Minuten zu konzentrieren. Nach vier Spielen in 13 Tagen war „bei dem einen oder anderen der Akku leer“, sagte Trainer Markus Babbel.

Ihm kommt die Länderspiel-Pause gelegen. Zumal mit Roman Hubnik (Tschechien), Alfredo Morales (USA), Pierre-Michel Lasogga und Sebastian Neumann (beide U21-Nationalelf) nur vier Profis auf Reisen sind. Der Trainer gab drei Tage frei, bis Mittwochnachmittag. „Nicht, weil ich so gerne in München bin, sondern damit die Jungs mal den Kopf frei bekommen. Sie sollen sich um ihre Familien kümmern.“ Ab der Wochenmitte bereitet sich Hertha auf den Jahres-Endspurt mit fünf Bundesliga-Partien sowie dem Pokal-Achtelfinale gegen Kaiserlautern kurz vor Weihnachten vor.


• Das Problem mit der Cleverness

Einig waren sich die Beteiligten, dass es derzeit „zu einfach ist“, gegen Hertha Tore zu schießen. Das monierten sowohl der Trainer als auch die Innenverteidiger Mijatovic und Maik Franz. Recht haben sie. Hertha hat seit dem Sommer 2010 einen kompletten Umbruch hinter sich. Auch in diesem Sommer wurden unter anderem mit Tunay Torun (21), Änis Ben-Hatira (23) und Thomas Kraft (23) junge Profis geholt.

Als Aufsteiger ist der Klub nach wie vor in der Entwicklung. Und zahlt Lehrgeld. Beispiel Gladbach: Die mittlerweile von Favre trainierten Borussen erzielen zwar nicht mehr Tore als Hertha (15/die Berliner 16). Aber dank nur neun Gegentoren rangiert Gladbach auf Platz fünf, Hertha hat fast doppelt so viele kassiert (17) – und liegt zurück auf Rang zehn.

• Die großen Gegner kommen noch

Verteidiger Kobiashvili sieht die Lage nach zwölf Runden nüchtern: „Wir sind der Verlierer des Spieltages. Die Konkurrenz hat gepunktet, wir haben daheim verloren.“ Immerhin sechs Zähler liegen die Berliner vor der Abstiegszone. Die Skeptiker rechnen schon mal hoch: Hertha gehe ganz schweren Zeiten entgegen. Die Grundlagen für den Klassenerhalt werden nach wie vor bei Heimspielen gelegt. Gegen Kontrahenten auf Augenhöhe wie Mainz, Augsburg, Nürnberg oder Gladbach hat Hertha im Olympiastadion nicht gewinnen können. Und die Topteams der Liga kommen noch nach Berlin: Leverkusen, Schalke, Bremen, Meister Dortmund, Tabellenführer Bayern München.

Muss man nun zittern? Die Profis verweisen darauf, dass eben das die Gegner seien, gegen die Hertha besser zurechtkommt, sich auf Konter verlegen kann, kein übergroßer Druck die Aufsteiger-Beine lähmt. Vor allem wollen die Spieler das Vertrauen der Anhänger zurückzahlen. Ungeachtet der gezeigten Leistungen steuert der Klub mit bisher im Schnitt 54.808 auf einen neuen Besucher-Rekord zu. Kobiashvili weiß: „Es macht unheimlich Spaß, in diesem Stadion zu spielen. Und wir haben tolle Zuschauer.“ Die nichts einzuwenden hätten gegen ein einsatzstarkes, konzentriertes und siegreiches Heimteam.

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