3. Spieltag

Hertha hat keine Angst vor den 96-Überfliegern

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Uwe Bremer

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Hannover 96 spielt zurzeit erfolgreich wie nie. Doch auch Hertha BSC zeigte in Hamburg zuletzt eine starke Leistung. Zudem spricht die Bilanz der vergangenen Jahre für das Team von Markus Babbel.

Der eindrucksvolle Europacup-Abend gegen Sevilla, die überraschend starke Vorsaison, die erstaunliche Heimstärke, der gelungene Saisonstart – Martin Kind ist zufrieden. Der Vorstandsvorsitzende von Hannover 96 hatte zuletzt damit gehadert, dass sein Verein bundesweit nicht den Respekt erfahren hat, der ihm, nach seiner Meinung zukommt. Das ändert sich. Ron-Robert Zieler im Sportstudio und nun als Torwart Nummer drei zur deutschen Nationalmannschaft eingeladen; Trainer Mirko Slomka war Studiogast im „Doppelpass“. Kind sagt: „Daran sieht man: 96 wird national und auch international zur Kenntnis genommen.“

In der Bundesliga freut sich der Klubchef nach bisher zwei Siegen aus den ersten beiden Partien über das Startprogramm. Am Sonnabend reist Hertha BSC nach Hannover (17.30 Uhr, hier im Live-Ticker von Morgenpost Online ), dann kommt Mainz. „Das kann ein unheimlich erfolgreicher Saisonstart werden“, frohlockt Kind.

Auf dem Papier liest sich die Angelegenheit am dritten Bundesliga-Spieltag einfach: Hannover, das in der Vorsaison sensationell um die Champions-League-Teilnahme gespielt hat und am Ende mit 60 Punkten als Tabellen-Vierter das beste Jahr der Vereinshistorie hinlegte, empfängt den Aufsteiger aus der Hauptstadt. Was soll da schon schiefgehen? Zumal der Arbeitsnachweis von Hertha, ein Punkt aus zwei Saisonspielen, nicht gerade furchteinflößend ist.

Doch egal, wie schwierig die Umstände waren, nach Hannover reisen die Berliner gern. Selbst in der düstersten Saison der jüngeren Vergangenheit, dem Abstiegsjahr 2009/10, lieferte Hertha dort eine der besten Saisonleistungen ab. Mit 3:0 spielten die Gäste 96 an die Wand, und waren sogar so frei, noch einen Elfmeter zu verschießen (Cicero scheiterte an Fromlowitz). Nach den Toren von Lukasz Piszczek, Raffael und Theofanis Gekas sah es aus, als könnte die Mission Aufholjäger für den abgeschlagenen Tabellenletzten tatsächlich gelingen. Dann jedoch verließ Trainer Friedhelm „Wir müssen nicht jedes Spiel gewinnen“ Funkel der Mut, zwei uninspirierte Heimspiele später (jeweils 0:0 gegen Gladbach und Bochum) war das zarte Pflänzchen Hoffnung abgestorben.

96 jedoch ist traditionell eines der bevorzugten Auswärtsziele von Hertha. Seit der Bundesliga-Rückkehr der „Roten“ 2002 gewann die Berliner in Niedersachsen viermal, unterlagen lediglich zweimal. So siegte Hertha im November 2002 im damaligen Niedersachsenstadion 1:0 (Tor: Goor). Im Februar 2004 folgte ein 3:1 (Tore: Marcelinho/2, Reina), im Dezember 2004 gab es ein 1:0 (Tor: Nando Rafael).

Ungeachtet der aktuellen Rollenverteilung sagt Markus Babbel: „Wir fahren nach Hannover, um zu gewinnen.“ Der Hertha-Trainer hat den Europa-League-Auftritt der 96er gegen den FC Sevilla (2:1) am heimischen Fernseher verfolgt. „Eine eindrucksvolle Leistung. Hannover hat die Stärken der Vorsaison ausgebaut. Sie sind noch einen Tick eingespielter und noch etwas selbstbewusster.“

Aber genau hier beginnt der Moment, an dem sich Hertha Chancen ausrechnet. Den DFB-Pokal (6:0 gegen Anker Wismar) und die Liga-Auftritte (jeweils 2:1 gegen Hoffenheim und Nürnberg) mitgerechnet, hat Hannover alle Pflichtspiele gewonnen. Nun erwartet das gesamte Umfeld einen glatten Sieg gegen den Liganeuling. Genauso war es am vergangenen Wochenende dem HSV gegen Hertha gegangen. Am Ende mussten die Hamburger froh sein, dass gegen den spielstarken Hauptstadtklub beim 2:2 wenigstens ein Punkt in der Hansestadt blieb.

Auch 96-Manager Jörg Schmadtke ahnt ungeachtet der optimistischen Hochrechnungen von Klubchef Kind: „Wir haben ein sehr emotionales Spiel gegen Sevilla hinter uns. Der Umschaltprozess muss gelingen. Gegen Hertha haben wir eine sehr komplizierte Partie vor uns.“ Trainer Babbel wird einiges unternehmen, um es den Hausherren schwer zu machen. So stark Hannover in der Balleroberung ist, so schnell die Hausherren ihre Konter fahren: 96 tut sich schwer, wenn die Mannschaft von Kapitän Steven Cherundolo das Spiel machen muss.

Also wird Hertha das Heil nicht in bedingungsloser Offensive suchen. Wie in Hamburg ist zu erwarten, dass ein kompaktes 4-2-3-1-System aufgeboten wird. Als erstes soll die Null stehen. Da beruhigte es den Trainer, gestern vermelden zu können: „Thomas Kraft hat normal mittrainiert. Er wird spielen können.“ Am Donnerstag hatte der Torwart wegen Schmerzen an der Hüfte das Training vorzeitig beenden müssen, sein Einsatz in Hannover ist sichergestellt.

Bei Hertha ist der Kampf um die Stammplätze im vollen Gange, wie die heftigen Emotionen bei dem Trainingsgerangel vom Donnerstag zwischen Ronny, Raffael und Christian Lell zeigten. „Ich kann das nicht gutheißen“, sagte Trainer Babbel. Er habe die Rauferei am Freitag noch mal angesprochen. „Jetzt liegen sich wieder alle in den Armen.“

In Hannover wird Hertha wohl mit derselben Startelf wie in Hamburg antreten. Aber auf der Bank sitzt einiges an weiterer Energie. Dort werden etwa Maikel Aerts, Fabian Lustenberger und Pierre-Michel Lasogga Platz nehmen. Vor allem die Letztgenannten brennen auf ihren Einsatz. Gute Voraussetzungen für Hertha, um in Hannover zu bestehen.

=> Lesen Sie mehr über die Partie in unserem Fußball-Blog "Immerhertha.de"