Hertha gegen HSV

Was die Spieler Lasogga und Son eint

Shootingstar Pierre-Michel Lasogga ist die Tor-Hoffnung der Herthaner und steht für einen modernen Fußball. Doch auch der nächste Gegner Hamburg schickt seinen Wunderstürmer auf den Rasen. Dann trifft Lasogga auf einen 19-Jährigen aus Südkorea.

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Nein, die Lage ist nicht lustig. Da der Aufsteiger sein erstes Bundesliga-Spiel verloren hatte, warteten eine Menge Fragen auf Markus Babbel. Doch irgendwann konnte sich der Trainer von Hertha BSC das Schmunzeln nicht verkneifen. Es ging um Heung Min Son, das Sturmtalent vom HSV, dem kommenden Gegner (Sonnabend, 15.30 Uhr). Der gelte in Hamburg als großer Hoffnungsträger, welche Umstellungen Hertha in der Abwehr vornehmen werde. Babbel bemühte sich mehr schlecht als recht, ernst zu bleiben: „Vielleicht spielen wir mit Libero?“

Natürlich werden die Berliner in Hamburg nicht mit einer Uralt-Taktik aus den Zeiten eines Franz Beckenbauer, Klaus Augenthaler oder Franco Baresi spielen. Schon gar nicht wegen eines 19-Jährigen aus Südkorea, der gerade über die Erfahrung von 13 Bundesliga-Spielen verfügt.

Doch Son wird in der Hansestadt ähnlich gehypt wie Pierre-Michel Lasogga in Berlin. Rechts und links der Elbe wirbt der HSV derzeit mit Plakatkampagne. Darauf zu sehen ist Michael Oenning, der Trainer. Und ein Spieler: Son. Der Teenager soll als Gesicht des neuen HSV aufgebaut werden. Und steht für ähnliche Werte wie Lasogga bei Hertha: Jung, unbekümmert und ehrgeizig.

Kaum zu glauben, aber wahr: Beim Managerspiel des „Kicker“ ist Son bundesweit der am meisten gewählte Profi, mehr als 46.000 Fans haben das HSV-Talent in ihre virtuelle Elf geholt.

Son und Lasogga haben ihre Karrieren noch vor sich. Ob sie die Hoffnungen, die sie wecken, erfüllen können, wird die Zukunft zeigen. Aber beide profitieren vom Zeitgeist. Nie zuvor hat es so viele junge Spieler in der Bundesliga gegeben wie aktuell. Die Vereine setzen nicht nur aus Kostengründen auf den Nachwuchs, sondern auch wegen der Entwicklung des modernen Fußballs. So werden, den Libero-Scherz von Trainer Babbel beiseite gelassen, Samstag sowohl der HSV als auch Hertha BSC im derzeitigen Modesystem spielen, einem 4-2-3-1. Jenes System, das viele Klubs sich angeeignet haben, seitdem Spanien damit 2008 Europa- und 2010 Weltmeister geworden ist. Eine Taktik, die sehr, sehr laufintensiv ist.

HSV-Coach Michael Oenning hat nicht zuletzt deshalb seinen Posten für die neue Saison sichern können, weil er in einer Videopräsentation seinen Aufsichtsgremien die Gründe für die Dortmunder Überlegenheit darlegte. Verkürzt gesagt, lautet die Argumentation: eine schlaue Taktik und eine extreme Laufbereitschaft. Deshalb, so die Schlussfolgerung von Oenning, müsse der über?alterte HSV dringend umgebaut, vor allem verjüngt werden. Weil die Laufintensität junge, belastbare Spieler fordert.

Nun kommen aber nicht alle Talente als Messi oder Mario Götze zur Welt. Son hatte mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie Lasogga: dem Gewicht. Der Berliner nimmt seinen einstigen Spitznamen „Lasagne“ nur mit einem Stirnrunzeln zur Kenntnis. Er hat mittlerweile 15 Monate hart für einen athletischen Körperbau gearbeitet. Son überraschte bei der Rückkehr aus dem Sommerurlaub. Mehr als sechs Kilo hat er in der Heimat abgenommen. Was seiner Fitness zugute kommt. 18 Tore erzielte er in der Vorbereitung. Sogar die Skeptiker schweigen mittlerweile. Die meisten Treffer hatte Son gegen unterklassige Gegner erzielt. Aber seit seinen zwei Toren im Ligatotal-Cup gegen den FC Bayern ist sein Name bundesweit bekannt (Endstand 2:1).

Sowohl Lasogga als auch Son hängen an der Familie. Der Herthaner trägt ein Tattoo von Mutter Kerstin auf dem linken Unterarm. Die Mama fährt bundesweit Wochenende für Wochenende viele hundert Kilometer, um auf der Tribüne zu sitzen, wenn der Sohn spielt. Son hatte seine Eltern für sechs Wochen zu Besuch in Hamburg. Sein Papa war selbst ehemaliger Profi und Nationalspieler in Südkorea. Bei Lasogga sitzt daheim Stiefvater Oliver Reck am Tisch, der ehemalige Werder-Torwart und ebenfalls Auswahlkicker.

In ihren Vereinen haben die Hoffnungsträger von Älteren profitiert. Während Lasogga Rob Friend kurzerhand überholte, nahm in Hamburg Ruud van Nistelrooy Son unter die Fittiche. Begründung des holländischen Weltstars: Son erinnere ihn an seine eigenen Anfänge. Damals habe ihm ein erfahrener Kollege gefehlt. Er wolle seine Erfahrung an den Südkoreaner weitergeben. Mittlerweile ist der 35-jährige van Nistelrooy zum FC Malaga weitergezogen. Und Son ist entschlossen, seinen Weg zu gehen. „Ich will Torschützenkönig der Bundesliga werden. Vielleicht nicht jetzt, aber irgendwann.“

Beide Trainer müssen sich in einem Spagat versuchen: Sie wollen ihre Hochbegabten weiter entwickeln, gleichzeitig aber überbordende Erwartungen vermeiden. HSV-Coach Oenning sagte: „Son hat einen großen Schritt gemacht. Er kann in dieser Saison den Durchbruch schaffen.“ Hertha-Kollege Babbel sagt über Lasogga: „Pierre wird sich weiter entwickeln. Er muss lernen, mit der Erwartungshaltung zu Recht zu kommen. Aber ich bin sicher, dass er seinen Weg geht.“

In einer Beziehung ist Son dem Berliner voraus: Er hat bereits fünf Bundesliga-Tore erzielt. Lasogga kommt mit der Referenz von zehn Zweitliga-Treffern. Bekennt aber: „Ich kann es nicht erwarten, endlich mein erstes Bundesliga-Tor zu machen.“

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