Saisonstart geglückt

Hertha siegt in Meuselwitz souverän

Auch wenn es nur gegen einen Viertligist war: Hertha zeigte beim 4:0 in der ersten DFB-Pokalrunde in Meuselwitz, dass das Team auf dem richtigen Weg ist. Bei schwierigen Platzverhältnissen fand Trainer Babbel besonders an seinem „schwächsten Spieler" Gefallen.

Nichts weniger als den Sieg im DFB-Pokal hatte Trainer Markus Babbel als Saisonziel für Hertha BSC ausgegeben. Die erste Hürde wurde locker gemeistert. Zu einem ungefährdeten 4:0 (2:0) kam der Bundesligist bei Viertligist ZFC Meuselwitz. Bester Mann auf dem Platz war Adrian Ramos, der zwei Tore erzielte und an den anderen beiden beteiligt war. „Das war eine konzentrierte Leistung. Man sieht, dass wir auf dem Weg sind, zu einem guten Team zusammenzuwachsen“ sagte Peter Niemeyer.

Die Warnungen des Vortages hatten die Mannschaft erreicht: Hertha BSC wollte sich nicht in die Reihe der spektakulären Pokal-Niederlagen einreihen, wie etwa die Bundesliga-Konkurrenten aus Leverkusen, Wolfsburg oder Bremen. Trotz schwieriger Bedingungen auf dem nassen Geläuf in Meuselwitz ging der Erstligist die Aufgabe konzentriert an. Zudem gelang dem Favoriten das Muster der Anfangsviertelstunde die gesamte Spielzeit über durchzuhalten: Hertha dominierte, ließ den Ball rasch durch die eigenen Reihen zirkulieren. Und bei Ballverlusten setzte die Mannschaft alles daran, das Spielgerät so rasch wie möglich zurück zu erobern. So erlebten die 7707 Zuschauer in der Arena zu Meuselwitz eine einseitige Partie. Drei Chancen Anlauf benötigten die Gäste. Zunächst traf Tunay Torun mit einem Kopfball die Latte, den Abpraller jagte Andreas Ottl über das ZFC-Tor (7.). Dann parierte der beste Akteur der Gastgeber, Torwart Norman Teichmann, einen Torun-Schuss (12.), ein Kopfball von Pierre-Michel Lasogga strick nur hauchdünn am Tor vorbei (14.). Also schritt der Torjäger zur Tat. Mit einem Doppelschlag sorgte Adrian Ramos für die Vorentscheidung. Nach einem Hertha-Freistoß bekam der ZFC den Ball nicht aus dem eigenen Strafraum, Ramos beförderte das Spielgerät humorlos mit der Pike aus sieben Metern ins Netz, 1:0 (21.). Spektakulärer war der zweite Treffer des kolumbianischen Nationalspielers. Aus neun Metern köpfte Ramos eine Ebert-Ecke schulbuchmäßig unter die Latte, 2:0 (25.). „Da hätte man abpfeifen können“, beschrieb ZFC-Trainer Holm Pinder die Gemütslage der Hausherren.

Meuselwitz trotz Rückstand defensiv

Hatte sich das Geschehen bis hierher fast ausschließlich in der Hälfte der Meuselwitzer abgespielt, zog sich Hertha nun etwas zurück. Doch der Regionalligist mochte trotz des Rückstandes nichts riskieren und blieb bei seiner defensiven Ausrichtung. Und erarbeiteten sich dennoch die eine Chance, mit der der Außenseiter hätten ins Spiel zurückkommen können. Sebastian Gasch stürmte allein auf das Berliner Tor zu, doch Torwart Sascha Burchert bestand die erste von nur zwei Prüfungen souverän und klärte per Fußabwehr zur Ecke (43.).

Den zweiten Durchgang begann der Bundesligist wie den ersten: energisch und mit einem Doppelschlag. Über die rechte Seite tankte sich Ebert durch, dessen Flanke zog Ramos sofort aufs Tor, Torwart Teichmann bekam aber seine Hände an den Ball. Ottl schob dann zum 3:0 ein (50.). Das Beste hatte sich der Hauptstadt-Klub noch aufgehoben. Den schönsten Spielzug der Partie schloss Ebert mit dem 4:0 ab. Über fünf Stationen hatten Kobiashvili, Ottl, Ramos und Lasogga den Torschützen frei gespielt, der ins linke Eck einschob (57.).

Reservisten fügen sich gut ein

Es war nichts davon zu bemerken, dass Hertha neun verletzte Spieler sowie den gesperrten Raffael nicht im Einsatz hatte. Die Neuen rechtfertigten das in sie gesetzte Vertrauen. Ob Burchert im Tor, nominell nur die Nummer drei bei den Berlinern, oder Christoph Janker in der Innenverteidigung, beide fügten sich nahtlos ein. „Es war ein gutes Gefühl, mal wieder über 90 Minuten zu spielen“, sagte Janker nach dem Spiel.

Gegen Ende gingen die Berliner großzügig mit ihren Chancen um. Einen Schuss von Lasogga klärte ZFC-Verteidiger Patrick Brendel auf der Linie (73.). 120 Sekunden vor dem Ende sorgte Christian Lell für Aufsehen, als er den Ball aus einem Meter nicht im leeren Meuselwitzer Tor unterbringen konnte (88./siehe Extra-Geschichte). Den letzten sehenswerten Auftritt hatte Torwart Burchert, der in der Schlussminute einen 16-Meter-Schuß von Philip Riese entschärfte. „Es gab nicht viele Situationen, aber als es nötig war, war ich da“, sagte der Ersatztorwart. Stammkeeper Thomas Kraft hat eine Kapselverletzung. Ungewöhnlich, aber bezeichnend für den Teamgeist bei Hertha: „Ich hoffe, dass Thomas schnell gesund wird, wir brauchen ihn“, sagte Burchert.

Ramos als Doppeltorschütze

Viel gesprochen wurde im Anschluss über den Doppeltorschützen. „Adrian war der schwächste Mann auf dem Platz“, scherzte Trainer Babbel. Eigentlich wollte er natürlich das Gegenteil sagen: „Adrian ist Topform von der Copa America gekommen. Er hat schon gegen Real Madrid ein starkes Spiel gemacht. Er ist ein extrem wichtiger Spieler für uns. Ich hoffe, er hält seine Form möglichst lange.“

Der Kolumbianer, der neben dem Platz um vieles scheuer ist als auf dem Feld, fasste sich vor den Mikrofonen kurz: „Ich bin sehr glücklich über die zwei Tore. Vor allem weil ich weiß, wie wichtig das Weiterkommen im DFB-Pokal für den Verein ist.“ Auch Ebert war zufrieden: „Ich bin froh, dass wir weitergekommen sind. Drei Vorlagen und ein Tor, das ist mir seit der Jugend nicht mehr gelungen.“ Hertha startet kommenden Sonnabend gegen den 1. FC Nürnberg in die Bundesliga. Am selben Tag wird auch die zweite Runde im DFB-Pokal ausgelost.