Spiel in Meuselwitz

Hertha startet die Mission Pokalsieg

Hertha BSC und der DFB-Pokal – das passt irgendwie nicht zusammen: Seit 32 Jahren war die erste Mannschaft nicht mehr im Finale, gewonnen haben sie noch nie. Trotzdem hat Trainer Babbel den Pokalsieg als Saisonziel ausgegeben.

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Ob die Manager Dieter Hoeneß oder Michael Preetz heißen, der Vorgang ist derselbe. Seit Jahren läuft es so: In der Rede des Managers auf der Mitgliederversammlung von Hertha BSC taucht irgendwann das Stichwort auf. Lange Zeit war die Formulierung „DFB-Pokal“ ein gefürchtetes Stichwort. Eines, wo es Kritik hagelte, Empörung und Unverständnis formuliert wurden. Das hat sich geändert. Seit einiger Zeit taugt der Wettbewerb in der Vereinsseele nur noch als Running Gag. Michael Preetz etwa bei der letzten Versammlung seine Stirn in Falten und rückte das Mikrofon zurecht. „Kommen wir zum Pokal.“ Das Protokoll vermerkt an dieser Stelle Heiterkeit im Saal. „Was soll ich sagen?“ Der Manager schaute in die vielen Gesichter der Mitglieder. „Es muss besser werden.“

Hertha hat das Kunststück fertig gebracht, das Finale des Deutschen Fußball-Pokals seit 32 Jahren regelmäßig weit zu verfehlen (das fulminante Pokaljahr der Amateure 1993 ausgelassen). Zum bislang letzten Mal standen die Profis der Blau-Weißen im Juni 1979 im Cup-Endspiel. In Hannover verloren Norbert Nigbur, Uwe Kliemann, Wolfgang Sidka, Jürgen Milewski und Co. gegen Fortuna Düsseldorf 0:1 nach Verlängerung.

Babbels Ziel: der Pokalsieg

Vor diesem Hintergrund mutet Markus Babbels Saisonziel geradezu verwegen an. Der aktuelle Trainer hat für den Bundesligaaufsteiger forsch formuliert: „Ich möchte den Pokal gewinnen.“

Ganz schön mutig für einen Klub, der seit Jahren nicht mal in spektakulären Pokalschlachten scheitert, sondern sich regelmäßig sang- und klanglos bei unterklassigen Vereinen aus dem Wettbewerb verabschiedet hat. Aus der jüngeren Vergangenheit sei nur erinnert an Holstein Kiel (2003/ 0:3 n.E.), Eintracht Braunschweig (2004/ 2:3), Wuppertaler SV (2008/ 0:2), 1860 München (2009/ 3:6 n.E.) oder TuS Koblenz (2010/ 1:2).

Im Mai 2012 also will Hertha, das noch nie in seiner Vereinshistorie den DFB-Pokal gewonnen hat, die feuervergoldete Trophäe aus Sterlingsilber in den Abendhimmel des Olympiastadions stemmen. Mission Pokalsieg, am Sonntag ist der erste Schritt zu machen. Wie für Profiklubs vorgesehen, wartet in der ersten Runde ein unterklassiger Gegner . Der ZFC Meuselwitz aus Thüringen hat sein Stadion mit Zusatztribünen ausgestattet. 9500 Zuschauer werden erwartet, die den Auftritt des Hauptstadtklubs erleben wollen. Auf dem Papier betracht spielt ein Bundesliga- gegen einen Viertligaverein. Was soll da schief gehen?

Hertha-Fans wissen es besser und winken ab. Bei immerhertha.de, dem Blog von Morgenpost Online, haben bei einer Umfrage zu den Erwartungen an „Hertha im DFB-Pokal“ mit großem Vorsprung über 50 Prozent der Nutzer für die Option gestimmt: „Darüber rede ich nicht mehr!“

Was als Selbstschutz zu verstehen ist. Denn tief drinnen, sieht es natürlich anders aus. Manager Preetz sagt: „Wir wissen, dass es in der Stadt eine ganz tiefe und große Sehnsucht nach einem Titel gibt.“ Zum ambitionierten Ziel seines Trainers mit dem Pokalsieg sagt Preetz: „Ich bin sehr einverstanden damit.“

Kraft und Friend fallen aus

Um die Pokalhürde beim Regionaligaklub Meuselwitz zu überspringen, muss Hertha mit diversen Widrigkeiten fertig werden. So verletzte sich beim Abschlusstraining Torwart Thomas Kraft (23). Die neue Nummer eins, gerade vom FC Bayern gekommen, prallte mit Tunay Torun zusammen und erlitt eine Kapselverletzung im rechten Sprunggelenk. Am Sonntag fehlt Kraft in jedem Fall.

Damit passiert etwas, womit niemand gerechnet hat. Die Besetzung im Pokalspiel ist die gleiche wie beim bisher letzten Auswärtsspiel der Berliner. Im Mai stand beim 2:0 des damaligen Zweitligameisters in Aue Sascha Burchert im Tor, auf der Bank saß A-Jugend-Torwart Richard Strebinger. So wird es auch am Sonntag sein. Bekanntlich ist Torwart Maikel Aerts, die Nummer zwei, wegen eines Muskelfaserrisses derzeit außer Gefecht gesetzt. Sowohl bei Kraft als auch bei Aerts ist offen, ob die Torhüter rechtzeitig zum Bundesligastart am kommendem Sonnabend, dem 6. August, gegen den 1. FC Nürnberg fit werden.

Damit nicht genug, Trainer Markus Babbel bekam eine weitere Absage. Stürmer Rob Friend meldete sich wegen Rückenproblemen ab. Der kanadische Nationalspieler konnte nicht mittrainieren.

Das trifft Hertha, weil mittlerweile das Lazarett fast genauso viele Patienten umfasst, wie gesunde Spieler dabei sind . Ebenfalls wegen Verletzungen fehlen Maik Franz, Roman Hubnik , John Brooks, Nikita Rukavytsya, Abu Bakarr Kargbo und Marco Djuricin. Spielmacher Raffael darf wegen seiner Rot-Sperre aus dem Vorjahr ebenfalls nicht spielen.

Mit nur 17 Spielern nach Meuselwitz

Dennoch lässt Cheftrainer Markus Babbel die Ausfälle nicht als Ausrede gelten. „Wir sind Favorit. Und egal, mit wem wir in Meuselwitz antreten: Wir wollen eine Runde weiterkommen.“ So war es eine etwas kleinere Gruppe, die am Sonnabend per Bus anreiste und ein Hotel im benachbarten Altenburg bezog. Statt der 18 Profis, die auf dem Spielberichtsbogen aufgeführt werden dürfen, reiste Hertha mit nur 17 Akteuren.

Das erste Pflichtspiel nach fünf Wochen Vorbereitung ist stets von einer gewissen Unsicherheit begleitet. Niemand weiß so recht, wo er steht. Nach dem Aus des früheren Meisters VfL Wolfsburg beim Regionalligaverein RB Leipzig, warnt Mittelfeldspieler Andreas Ottl von Hertha BSC: „Wir unterschätzen Meuselwitz auf keinen Fall. So etwas wie Wolfsburg soll uns auf keinen Fall passieren.“

Ebert als Meuselwitz-Experte

Hertha erwartet mit dem ZFC ein kompakter, hart spielender Gegner. „Wir haben die besseren Fußballspieler, aber erst mal müssen wir richtig dagegenhalten“, sagte Stürmer Torun. Patrick Ebert ist einer der wenigen, der weiß, was ihn erwartet. „Ich war im Februar schon mal da, um den Platz anzugucken.“ Damals sollte der Mittelfeldspieler nach einer Verletzung Spielpraxis bei der U23 bekommen. Herthas Regionalligateam reiste an, doch die Partie wurde wegen Unbespielbarkeit des Platzes abgesagt. Das soll sich nicht wiederholen. Ungeachtet der Regenfälle der vergangenen Tage soll der Rasen in Meuselwitz in guter Verfassung sein.

Trainer Babbel will mit Hertha Pokalsieger werden. Am Sonntag geht’s los. Top, die Ansage gilt!

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