In der Bundesliga nannten sie ihn wegen seiner Abwehrstärke den „Fels in der Brandung“. Von 1989 bis 1992 war Jan-Halvor Halvorsen bei Hertha BSC aktiv. Seine Zeit in der Hauptstadt war turbulent: Mit den Berlinern stieg der Norweger mit der Lockenmähne zunächst auf und im Jahr danach wieder ab. In 75 Spielen erzielte er fünf Tore. Nach seinem Karriereende arbeitete er als Trainer unter anderem für den norwegischen Fußballverband, seit diesem Jahr ist der 46-Jährige Co-Trainer bei den New York Red Bulls und trainiert dort unter anderem Ex-Bundesliga-Keeper Frank Rost. Im Interview mit Morgenpost Online spricht Halvorsen über ehemalige Berliner Zeiten und den Fußball in Amerika.
Morgenpost Online: Herr Halvorsen, sind Sie ein Frühaufsteher?
Jan-Halvor Halvorsen: Ja, ich stehe immer früh auf. So gegen 6:30 Uhr jeden Tag, auch am Wochenende.
Morgenpost Online: Um wegen der Zeitverschiebung die Spiele von Hertha BSC verfolgen zu können?
Jan-Halvor Halvorsen: Nein. Wenn ich die Möglichkeit dazu habe schon, aber das ist sehr schwer.
Morgenpost Online: Aber dass das Team aufgestiegen ist, haben Sie mitbekommen?
Jan-Halvor Halvorsen: Ja, auf jeden Fall, und das freut mich! Normalerweise sollte der Verein immer auf dem fünften oder sechsten Platz in der ersten Liga stehen. Ich hoffe, dass es bei Hertha ruhig bleibt, dass die Mannschaft in Ruhe arbeiten kann und sich ein Team für die Zukunft entwickelt.
Morgenpost Online: Sie sind mit Hertha selber aufgestiegen.
Jan-Halvor Halvorsen: In meinem ersten Jahr, 1989, sind wir aufgestiegen und die Mauer fiel . Das war toll. Wir hatten später auch noch mal ein Jubiläumsspiel, wieder gegen den 1. FC Köln, da waren alle Spieler von ’89 dabei.
Morgenpost Online: Die Saison darauf ging es aber gleich wieder in die Zweite Liga. Was sollte der Verein tun, damit das nicht wieder passiert?
Jan-Halvor Halvorsen: Wie gesagt, wenn der Trainer in Ruhe arbeiten kann und das Team sich weiterentwickelt, dann wird Hertha auch in der Bundesliga bleiben. Dann werden sie in ein paar Jahren oben mitspielen können.
Morgenpost Online: Welchen Rat geben Sie als Ex-Kapitän Andrej Mijatovic?
Jan-Halvor Halvorsen: Man muss immer ein Vorbild sein und in schwierigen Situationen vorne dabei sein. Das ist wichtig.
Morgenpost Online: Haben Sie eigentlich noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Mitspielern?
Jan-Halvor Halvorsen: Nicht so viel, mit einigen bin ich noch in Kontakt, zum Beispiel mit Daniel Scheinhardt. Oder auch mit Profis von anderen Vereinen, zum Beispiel Lars Jacobsen, der für den HSV und für Nürnberg gespielt hat. Aber nur ab und zu.
Morgenpost Online: Sie haben lange bei Traditionsvereinen gearbeitet. Wie ist es nun in den USA?
Jan-Halvor Halvorsen: Die MLS ist zwar ein bisschen anders, aber sehr interessant und eine neue Erfahrung für mich. Der Fußball in den USA ist mittlerweile groß geworden, vor allem in Sachen Zuschauern. Zuletzt haben wir auswärts vor 42.000 bzw. 48.000 Zuschauer gespielt. Das ist sehr gut.
Morgenpost Online: New York hat viel in Stars wie Thierry Henry oder Rafael Marquez investiert. Wie arbeitet es sich mit solchen Weltstars?
Jan-Halvor Halvorsen: Toll! Die beiden sind absolute Profis und haben viele Jahre auf dem höchsten Level gespielt. Das ist für mich als Trainer eine wertvolle Erfahrung. Wir wollen uns diese Saison auch für die Play-offs qualifizieren und um den Titel spielen.
Morgenpost Online: Und Frank Rost? Haben Sie ihm mit Ihrem Deutsch bei der Integration geholfen?
Jan-Halvor Halvorsen: Wenn man in die USA kommt, ist es wichtiger englisch zu sprechen und nicht so viel deutsch (lacht). Aber das ist kein Problem, sein Englisch ist schon ganz gut geworden. Er hat bisher zwei Spiele gemacht. Auswärts gegen Chivas, beim 0:0, da hat er hervorragend gehalten. Beim letzten Spiel war die ganze Mannschaft schlecht, wir haben 1:4 verloren (gegen die Colorado Rapids, Anm. d. Red.) und gegen die Tore konnte er nichts machen. Frank ist ein sehr guter Torwart.
Morgenpost Online: Mit ihm könnten Sie ja mal nach Deutschland fliegen und in Berlin vorbei schauen.
Jan-Halvor Halvorsen: Ich war letztes Jahr schon mit meiner Frau und meinen drei Kindern in Berlin und wir haben uns das 0:0 gegen Bochum angeschaut. Wenn ich mal Zeit habe, möchte ich das wieder tun. Darf ich an dieser Stelle noch etwas sagen?
Morgenpost Online: Bitte.
Jan-Halvor Halvorsen: Ich wünsche der Hertha-Mannschaft, Trainer Markus Babbel und allen im Verein eine sehr gute Saison und ich hoffe, dass sie in der ersten Liga bleiben.





