DFB-Pokal

Was die Herthaner beim ZFC Meuselwitz erwartet

Der Zipsendorfer Fußballclub (ZFC) ist am Sonntag Erstrundengegner von Hertha BSC im DFB-Pokal. Die Thüringer haben ein Krokodil im Wappen. Und wenn es sein muss, können auch die Spieler aus der Regionalliga Nord kraftvoll zubeißen.

Foto: picture alliance / ZB

„Das Krokodil hat wenig Kraft, um sein Maul zu öffnen, aber viel Kraft, um zuzubeißen“, sagt Hubert Wolf, Präsident des ZFC Meuselwitz. Er will damit erklären, warum ein Verein aus dem thüringischen Grenzgebiet zu Sachsen und Sachsen-Anhalt ein Krokodil im Wappen hat. Der Zipsendorfer Fußballclub (ZFC) ist am Sonntag Erstrundengegner von Hertha BSC im DFB-Pokal. So wie das Krokodil sieht Wolf seine Region und seinen Verein. Das Maul wird nicht grundlos aufgerissen, aber wenn es sein muss, können die Spieler aus dem Altenburger Land kraftvoll zubeißen.

Das musste Herthas Zugang Tunay Torun in der vergangen Saison mit ansehen. „Sehr robust, die langen richtig hin“, sagt Torun, der mit der U23 des Hamburger SV in Meuselwitz angetreten war. „Da musst du voll dagegen halten.“ Der HSVII gewann 2:1. Torun kam nicht zum Einsatz, er spürte die Härte der Bank.

Diese Robustheit hat die Mannschaft aus der Regionalliga Nord nun schon zum zweiten Mal in Folge in den DFB-Pokal geführt. Im Sommer 2010 war der 1. FC Köln Gast in Meuselwitz. 0:2 verloren die Thüringer die allererste DFB-Pokal-Partie ihrer Vereinsgeschichte. Das „Gesellenstück“ nennt Wolf die Begegnung mit Köln, 9000 Zuschauer waren im Stadion. „Alles war perfekt organisiert“. Der Thüringen-Pokal, dessen Gewinn zur Teilnahme am großen Pokalwettbewerb berechtigt, wurde 2011 verteidigt.

Am Sonntag gegen Hertha wird das eigentlich nur 5200 Zuschauer fassende Rund ein zweites Mal erweitert. 1600 Sitzplätze und 2700 Stehplätze werden zusätzlich geschaffen. 9500 Zuschauer haben dann Platz. „Fußballfeeling pur“ erwartet Wolf. Die Zuschauer sitzen in Meuselwitz keine drei Meter vom Spielfeldrand entfernt. Nicht viel Platz für Zipsi, das Krokodil-Maskottchen des Klubs, um für Stimmung zu sorgen. Das Tier krabbelte nach der Wende auf das Vereinsemblem. „Wild und turbulent“, nennt Wolf diese Zeit. Wie die meisten Vereine in der Region war auch der ZFC vom lokalen Braunkohlebetrieb finanziert worden. BSG Aktivist Zipsendorf und später Aktivist Meuselwitz hieß der Klub. „Traditionell hatten alle Vereine im Kreis schwarz-gelbe Logos und dazu passende Trikots“, erzählt Wolf. Alle sahen gleich aus. „Wir mussten pausenlos die Trikots wechseln.“ Also überlegten sich Wolf und einige Gleichgesinnte Anfang der 90er-Jahre ein neues Emblem. Das Stadtwappen musste drauf, und ein paar Farben, möglichst nicht die Kombination schwarz und gelb. Die Meuselwitzer entschieden sich für ein Krokodil, das auf seinem Maul einen Fußball tanzen lässt – und den Grundton Rot. „Es soll das Herzblut darstellen“, erklärt Wolf. Schwarze Umrandung und Schrift stehen für „Härte und Solidarität“. Gegen Hertha will der ZFC diese Tugenden in die Waagschale legen. Wolf bleibt aber Realist: „Bundesligisten scheiden in der ersten Runde nur aus, wenn sie unkonzentriert sind, nicht weil der Gegner zu stark ist.“

Nur 11.000 Einwohner hat Meuselwitz, der ZFC spielt in der vierthöchsten Klasse, gewann zwei Mal den Thüringen-Pokal. „Für die erste Mannschaft geht nach oben nichts mehr“, sagt Wolf. „Viele wollen im Hauruck-Verfahren in Liga drei aufsteigen und sterben dann ab. Wir geben nur das Geld aus, was wir einnehmen.“ In den vergangenen Jahren wurde Meuselwitz Zehnter bzw. Elfter. Profis stehen keine im Kader. Anders als beispielsweise bei Klubs wie RB Leipzig, Holstein Kiel oder den vielen zweiten Mannschaften von Bundesligisten, die in der Regionalliga Nord mitspielen, zu denen auch HerthaII gehört. Mit deren Trainer Karsten Heine hat sich Proficoach Markus Babbel lange über Stärken und Schwächen der Meuselwitzer unterhalten. Er weiß jetzt also um die Einsatzbereitschaft der Amateure und wie das Krokodil des ZFC daran gehindert werden soll, überhaupt das Maul aufgerissen zu bekommen.

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