Es war 11.45 Uhr, als die Neuigkeit auf dem Laufband des Nachrichtensenders N-TV lief. Ingo Schiller, Geschäftsführer Finanzen von Hertha BSC, nickte anerkennend. „Bayern München verpflichtet Jerome Boateng für vier Jahre“, stand dort zu lesen. Der deutsche Rekordmeister mit seiner zuletzt chronischen Defensivschwäche lässt sich die Dienste von Boateng einiges kosten. Allein als Ablösesumme für Premier-League-Klub Manchester City wird ein zweistelliger Millionen-Betrag fällig. Je nach Quelle schwankt der Betrag zwischen 13,5 Millionen Euro, wie es der Sport-Informationsdienst berichtet, und bis zu 17 Millionen, wie es englische Medien wissen wollen.
Für Hertha BSC ist der exakte Betrag nicht entscheidend. Gleichwohl ist der Boateng-Transfer einer von drei Wechseln, die dem Bundesliga-Aufsteiger in diesem Sommer unverhofft einen Geldregen einbringen. Die Berliner profitieren davon, dass Boateng von 2002 bis 2007 die Nachwuchsabteilungen von Hertha durchlaufen hat. Die Regularien des Weltverbandes Fifa bestimmen, dass bei Wechseln von Spielern bis zum 23. Lebensjahr die vorangegangenen Vereine eine Ausbildungsentschädigung erhalten. Boateng ist 22. Nach einem komplizierten Schlüssel wird Hertha BSC nun für die Verpflichtung Boatengs von Manchester City etwa 250.000 Euro erhalten.
„Eine erfreuliche Nachricht, zumal es bereits der zweite Nachschlag ist“, sagte Finanzchef Schiller. Hertha hatte es 2007 versäumt, mit dem jüngeren Bruder von Kevin Boateng (mittlerweile AC Mailand) ein langfristiges Engagement abzuschließen, bevor Jerome Boateng in der Bundesliga debütierte. Nach nur zehn Einsätzen war die halbe Liga hinter dem vielseitigen, athletischen Verteidiger hinterher. Mit seinen damaligen Beratern Karel und Dick van Burik schlug Boateng die Hertha-Offerte aus und wechselte für eine Million Euro Ablöse zum Hamburger SV. Immerhin gelang es dem damaligen Manager Dieter Hoeneß, eine Zusatzklausel zugunsten von Hertha auszuhandeln. Demnach erhielt der Hauptstadt-Klub im Sommer 2010 einen Nachschlag von zwei Millionen Euro, als Jerome Boateng vom HSV zu Manchester City weiterzog. Zu diesen bisher drei Millionen Euro kommt nun die Ausbildungsentschädigung durch den Bayern-Transfer hinzu.
Zudem profitieren die Berliner von einem anderen Vertragsabschluss. Für Malik Fathi (27) gibt es zwar keine Ausbildungsvergütung. Aber der im März 2008 geschlossene Vertrag mit Spartak Moskau enthielt eine Vereinbarung, dass Hertha bei einem Weiterverkauf von Fathi mit 20 Prozent partizipiert.
So ergibt sich die etwas kuriose Situation, dass Hertha aus finanziellen Gründen Fathi in diesem Sommer nicht verpflichten konnte. Manager Michael Preetz hätten den linken Verteidiger, der von 2001 bis März 2008 bereits für Hertha spielte, gern zurückgeholt. Derzeit ist der Personaletat des Aufsteigers jedoch „ausgeschöpft“, wie Schiller sagt. Das heißt, solange niemand von der Gehaltsliste verschwindet oder Transfereinnahmen erzielt werden, kann Hertha nicht aktiv werden. Also musste man Fathi Richtung FSV Mainz ziehen lassen. Aber: Durch dessen Drei-Jahres-Vertrag, den er in Mainz unterschrieb, muss Spartak Moskau von der Fathi-Ablöse von einer Million Euro 200.000 an Hertha weiterreichen.
Somit erweitert sich der Finanzrahmen der Blau-Weißen durch Boateng junior und Fathi um 450.000 Euro. Und die Verantwortlichen drücken kräftig die Daumen, dass als dritter Deal ein Wechsel von Christopher Samba in der Premier League zustande kommt. Für den Manndecker von den Blackburn Rovers hat der FC Arsenal bereits 13 Millionen Euro geboten. Nun ist Tottenham Hotspur interessiert. Auch bei Samba, mit dem der damalige Trainer Falko Götz 2007 nichts anfangen konnte, enthält der Kontrakt im Fall des Weiterverkaufs eine 20-Prozent-Klausel. Hier winkt Hertha also die erkleckliche Summe von 2,5 Millionen.
Bis zum Ende der Transferperiode am 31. August wartet noch Arbeit auf Manager Preetz. Der Bundesliga-Rückkehrer hat Bedarf im Sturm und auf der linken Seite. Neben der Samba-Entscheidung in England, die Hertha nicht beeinflussen kann, sollen aus dem derzeitigen Kader Kaka (zum SC Braga?) und eventuell Christopher Janker sowie Rob Friend abgegeben werden.





