Defensiv-Allrounder

Janker offenbar vor Abschied von Hertha BSC

Trotz eines Vertrags bis Juni 2012 könnte Herthas Christoph Janker ein Vereinswechsel bevorstehen. Für den in der Vergangenheit oft verletzten Abwehrspieler ist die Konkurrenz im Kader einfach zu groß.

Foto: BM/JÖRG KRAUTHÖFER

Ein Beruf im Scheinwerferlicht. Vor mehr als 50.000 in den Bundesliga-Stadien, vor Millionen an den Fernsehgeräten. Jede Bewegung in Großaufnahme. Die Medienaufmerksamkeit ist immens. Reisen der komfortablen Art, gediegene Hotels, klimatisierte Busse. Die Gehälter liegen im sechs- oder gar siebenstelligen Bereich – Traumberuf Fußballprofi.

Der Beruf hat indessen auch andere Seiten. Von denen berichtet Christoph Janker (26). „Es können nicht alle Superstars sein wie Robben oder Ribery“, sagt der Verteidiger von Hertha BSC. Seit 2009 ist er beim Hauptstadt-Klub, seine Bilanz ist ernüchternd. 68 Pflichtspiele haben die Berliner seither in der ersten und Zweiten Liga bestritten. Janker war 19mal dabei. In den zurückliegenden zwei Jahren hat er über 90 Minuten gerade viermal gespielt.

Insofern hört es sich etwas kurios an, wenn Janker sagt: „Ich spiele unheimlich gern Fußball und bin froh, mein Hobby zum Beruf gemacht zu haben.“

Für die vergangene Zweitliga-Saison war Janker als Defensiv-Allrounder vorgesehen. Kam aber, gehandicapt durch zwei schwere Verletzungen, zu nur vier Einsätzen. „Da hatte ich mir mehr erhofft.“

Nun hat der Aufsteiger explizit für dessen Positionen einen neuen Mann verpflichtet: Maik Franz (29) ist wie Janker gelernter Innenverteidiger. Bei Bedarf kann Franz auch als rechter Verteidiger aushelfen. Somit wird für Janker der Weg zu Einsatzzeiten bei Hertha sehr, sehr lang. In der Innenverteidigung ist er hinter Hubnik, Mijatovic, Franz, Neumann und Brooks die Nr. 6. Rechts in der Viererkette stehen Christian Lell, Franz und Alfredo Morales vor Janker.

Manager Michael Preetz spricht aus, was offenkundig ist: „Für Christoph wird es schwer.“ Grundsätzlich stellt sich die Frage: Macht für Janker nicht ein Wechsel Sinn?

Der Verteidiger steckt bei diesem Thema in einer Zwickmühle. Als guter Angestellter stellt er seine Arbeitsbereitschaft unter Beweis. „Meine Prämisse ist: Ich lasse mich nicht unterkriegen. Ich arbeite jeden Tag dafür, dass ich am Wochenende spielen darf.“ Janker sagt, er fühle sich nicht als fünftes Rad am Wagen. In jedem Klub gibt es Spieler, die in einer ähnlichen Lage seien, wie er. Er habe im Urlaub viel gearbeitet. „Ich bin fit und versuche im Training zu überzeugen.“ Er fühle sich in Berlin wohl und im Team auch voll akzeptiert.

Die rechtliche Lage ist klar: Der damalige Manager Dieter Hoeneß hat den Profi 2009 mit einem Drei-Jahres-Vertrag ausgestattet. Folgerichtig antwortet Janker auf die Frage, ob er sich einen Wechsel vorstellen könne: „Stand jetzt ist: Ich habe Vertrag bis Juni 2012. Ich setze mich derzeit nur mit Hertha auseinander.“ Janker kennt das Geschäft. Manchmal kann es schnell gehen. Eine Verletzung, eine Rote Karte für ein, zwei Kollegen, und schon ist der Reservist gefragt.

Vor allem aber ist Janker Realist. „Ich denke, dass es nach dem zweiten Trainingslager ein Gespräch mit dem Trainer geben wird.“ Und so, wie sich der Manager bereits mehrfach geäußert hat, wird Hertha dem Spieler keine Steine in den Weg legen, falls er sich anderweitig orientieren sollte.

Es ist der ewige Zwiespalt, in dem Profis stecken. Sie bewegen sich in einer Mannschaftssportart. Über allem steht der Erfolg des Vereins. Anderseits ist Janker wie jeder Profi Unternehmer in eigener Sache. Er hat eine Karriere von zehn, vielleicht zwölf Jahren. Und auf dieser Strecke kein Geld zu verschenken, etwa indem er einer vorzeitigen Vertragslauflösung zustimmen würde. Weshalb Janker sagt: „Der Verein und ich haben einen Vertrag geschlossen, der läuft noch ein Jahr. Es gehört zu meinem Beruf, auch mit einer Phase wie dieser umzugehen.“

Gleichzeitig weiß er, wohin sein Weg führen wird, wenn er beim Bundesliga-Aufsteiger keine Perspektiven hat. „Ich bin Realist. Na klar wäre dann die Zweite Liga eine Option.“ Erfahrung im Unterhaus bringt er mit, Janker hat dort für 1860 München und 1899 Hoffenheim gespielt.