Die Uhr auf der Internetseite von Hertha BSC läuft noch immer herunter, wie sie es schon seit Beginn dieser Saison tut. Unaufhaltsam zählt sie die Sekunden herunter. Nur noch wenige Stunden, dann wird sie auf Null springen und damit nach 372 bitteren Tagen offiziell bekunden: Der Berliner Fußballklub ist auch nominell wieder Mitglied der Bundesliga und damit zurück im Klub der besten 18 Teams in Deutschland. Davor aber liegen erst einmal noch 90 Minuten Fußball-Spaß pur, denn sowohl für Hertha als auch den FC Augsburg steht der Aufstieg längst fest, auch an der Meisterschaft der Berliner ist nichts mehr zu rütteln. Ein riesiges Fest bahnt sich da an, für das es schon seit Wochen keine Tickets mehr gibt. So bleibt es genau 77.116 glücklichen Fans überlassen, zur großen Aufstiegsfeier ins Olympiastadion zu gehen. Und die wird bedeutend länger dauern als die 90 Spielminuten.
11.30 Uhr Das Olympiastadion öffnet zwei Stunden vor Spielbeginn, der Klub rät den Fans zu einer rechtzeitigen Anreise. Auch wenn bis zum Anpfiff noch reichlich Zeit ist, wird es den Anhängern ganz sicher nicht langweilig. Rund um das Osttor haben Klub und Sponsoren eine riesige Partymeile mit Biergarten und Konzertbühne errichtet. Übermäßigen Durst müssen die Fans beim Warmsingen übrigens nicht fürchten: Es gibt rund 3000 Liter Freigetränke. Wer seine ganz persönlichen Glückwünsche an Hertha loswerden möchte, kann seine Grüße in einer Videobox am Stand von Carlsberg aufzeichnen lassen. Die besten Clips werden dann in der Halbzeitpause präsentiert.
12.55 Uhr Die Spieler beider Mannschaften betreten den Rasen zum Aufwärmen. Und werden dabei von einem ganz besonderen musikalischen Auftritt unterstützt: Herthas Teamleiter Nello di Martino wird live „Nessun Dorma“ aus der Oper Turandot von Giacomo Puccini präsentieren, der Titel bedeutet so viel wie „Niemand schlafe“. Die Gefahr besteht aber an sich ohnehin nicht: Nach Martino heizt die Berliner Band „Culcha Candela“ („Hamma“, „Monsta“, „Berlin City Girl“) den Zuschauern ein. Daniel Rimkus stimmt sein „Hertha und Schulle“ an. Zu den musikalischen Klängen nehmen auch die Gäste auf der VIP-Tribüne Platz: Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gibt sich die Ehre, bevor er zum entscheidenden Viertelfinale der Basketballer von Alba Berlin gegen Oldenburg fährt. Auch Bahnchef Rüdiger Grube und US-Botschafter Philip Murphy lassen sich das Spektakel nicht entgehen.
13.25 Uhr Jetzt wird es auch sportlich langsam zumindest ein bisschen ernst: Die beiden besten Teams der vergangnen Zweitligasaison betreten den Rasen. Die Statistik lässt auf ein torreiches Spiel hoffen: Augsburg hat bislang 57 Tore geschossen, Hertha kommt gar auf 67 Treffer. Anstelle der normalerweise ausgelosten Auflaufkinder wird jeder Spieler ein Kind eines Mitarbeiters der Geschäftsstelle an der Hand führen, eine Aktion, die sich Manager Michael Preetz einfallen ließ, um sich bei den Hertha-Mitarbeitern zu bedanken. Gänsehaut pur ist dann gleich zweimal garantiert: Erst bei Frank Zanders Auftritt vor der Ostkurve, er präsentiert natürlich die Hymne „Nur nach Hause.“ Dann wird Rekordspieler Pal Dardai geehrt, bevor er zu seinem persönlichen Abschiedsspiel in der Startformation aufläuft.
13.30 Uhr Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus (Hannover) pfeift die Party an. Klar ist, dass Pal Dardai unabhängig vom Spielstand relativ früh ausgewechselt wird, damit er seinen ganz persönlichen Abschied von den Fans nehmen kann. Ob dies allerdings zum Ende der ersten Hälfte oder sogar erst in der zweiten Halbzeit passiert, ist noch unklar.
15.18 Uhr Schlusspfiff! Jetzt ist Hertha wieder ein Bundesligist, die Uhr auf der Homepage springt auf Null. Die Party erreicht den Höhepunkt, die Spieler gehen zum Feiern in die Ostkurve. Die Tore zu den Fanblocks bleiben aber geschlossen, die Verantwortlichen beim Deutschen Fußball-Bund fürchten wegen des noch anstehenden Pokalfinales und der Frauen-WM um die Qualität des Rasens.
15.30 Uhr Jetzt beginnt die offizielle Meisterfeier. Jeder Spieler bekommt von Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL), eine persönliche Medaille umgehängt. Als letzter Spieler wird Kapitän Andre Mijatovic das Podest im Mittelkreis betreten, er bekommt von Seifert die Meisterschale in Form einer Felge überreicht und wird sie in den hoffentlich blauen Berliner Himmel stemmen.
15.40 Uhr Die Spieler laufen wieder zu den Fans und präsentieren ihre Trophäe. Bis 16.30 Uhr sollen die Profis laut DFL-Vorgaben den Rasen geräumt haben, die Party geht dann aber auf der Konzertbühne vor dem Osttor weiter. Frank Zander und Culcha Candela werden erneut auftreten – Ende offen.
20 Uhr Die Spieler allerdings haben noch einen offiziellen Termin vor sich, wenn auch einen angenehmen: Am Abend feiert der Klub mit allen Mitarbeitern, Sponsoren und rund 1000 Gästen auf der Insel Eiswerder in der Havel nördlich der Zitadelle Spandau. Der rbb überträgt die Party in der Sendung „Sportplatz“ (22 Uhr) live – für alle, die nicht eingeladen sind, aber zu Hause noch ein bisschen weiterfeiern möchten.
Egal wie das Spiel gegen Augsburg ausgeht: Die Party mit den Fans werden sich Herthas Spieler heute nicht nehmen lassen.





