Bauvorhaben

Warum die Fans Hertha ein Haus bauen wollen

Beim 1. FC Union haben die Fans das Stadion gebaut, bei Hertha wollen sie ein Fanhaus bauen: Über 100 Anhänger haben zusammengeschlossen, um am Olympiastadion einen Fan-Treffpunkt zu errichten. Kostenpunkt: Über eine Millionen Euro.

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Welcher Hertha-Fan träumt nicht von einem ähnliche Szenario: Am Tag nach einem großen Sieg in der Bundesliga einfach noch mal zum Stadion fahren, in einem gemeinsamen Klubhaus andere Fans treffen, ganz ohne umständliche Verabredung. Den vergangenen Spieltag noch einmal Revue passieren lassen, während im Hintergrund die Partien der Konkurrenz live übertragen werden. Die kleinen Fans spielen währenddessen im „Kids Club“. Zu schön, um wahr zu sein. Denn in der Realität läuft das meist anders. Am Stadion ist nichts los, wenn Hertha nicht gerade selber spielt, Kinderbetreuung gibt es schon gar nicht, also bleibt am Ende nur die Eckkneipe mit den immer gleichen Leuten aus dem gleichen Viertel.

Anlaufpunkt am Stadion

Doch schon bald könnte für viele Herthafans aus dem Traum von einem gemeinsamen Anlaufpunkt am Stadion Wirklichkeit werden. Bereits im Januar gründete sich der Verein „Fanhaus 1892“, eine Initiative, die sich nichts Geringeres auf die Fahnen geschrieben hat, als ein Haus zu bauen, in dem Hertha-Anhänger aller Fanklubs, Kinder, Familien und auch die Nachwuchsspieler jederzeit willkommen sind. „Für uns Fans ist die Frage: 'Wo gehen wir hin` ein großes Thema“, sagt Heike Steboy, die Vorsitzende des Vereins. „Jeder Bundesligaverein hat sein eigenes Haus, nur wir bei Hertha nicht.“ Mag das am Ende etwas übertrieben sein – die Vorzüge der Idee haben sie bei Hertha erkannt, weshalb der Klub die Initiative ausdrücklich unterstützt: „Die Erkenntnis, dass eine solche Einrichtung sehr erstrebenswert ist, besteht bei uns schon länger“, sagt Geschäftsführer Ingo Schiller, „Durch das Zweitliga-Jahr musste die Realisierung zeitlich geschoben werden. Es ist aber ein Thema, mit dem sich Hertha BSC befasst.“ Und über das am Rande der Mitgliederversammlung vor zehn Tagen bereits gesprochen wurde.

Einen weiteren Schritt zu einer gelungenen Finanzierung – die Initiative geht von Kosten von etwas mehr als einer Million Euro aus – könnte das zweite Fanfest leisten, das am Samstag auf dem August-Bier-Platz hinter dem Olympiastadion stattfindet. Das Fest steigt zwar schon zum zweiten Mal, der Verwendungszweck ist allerdings neu: Diesmal fließen die Erlöse direkt in das Projekt „Fanhaus“. „Damals war das Fest ein Projekt von Hertha. Da haben wir gesagt: Wir wollen das weiterführen. Aber es nimmt einen so großen Rahmen ein, dass wir gesagt haben: Mit dem Geld muss etwas Sinnvolles passieren“, sagte Steboy.

Das Programm beginnt um 10 Uhr

So einig sich Hertha und der Verein „Fanhaus“, dem mittlerweile sieben Fanklubs mit insgesamt 100 Mitgliedern angehören, grundsätzlich sind, so unterschiedlich sind die Auskünfte bezüglich der Planungen. Laut Steboy wurde schon ein geeignetes Grundstück in der Nähe des Olympiastadions gefunden, ein Architekt soll erste Entwürfe bearbeiten. Im Sommer könne es mit den Bauarbeiten losgehen. „Da will ich mich noch nicht anschließen, es sind mehrere Optionen in der Prüfung, die Entscheidung steht noch aus“, entgegnet Schiller. Auch den von der Initiative genannten Preis will er nicht bestätigen: „Es weiß noch keiner, was es kostet. Aber wir gehen davon aus, dass wir als Verein einen Großteil der Infrastruktur zur Verfügung stellen.“

Klar ist nur: Das Haus soll in Stadionnähe gebaut werden, damit die Wege nicht zu weit sind und sich kein Fanklub benachteiligt fühlt. Dass Treffen, Themenabende wie auch das gemeinsame Verfolgen der Hertha-Spiele nicht nur den Fans etwas bringt, davon ist zumindest Schiller überzeugt: „Was gut für die Fans ist, ist auch gut für Hertha BSC.“

Autogrammstunde mit "Zecke" und Dadai

Und dafür heißt es am Freitag: Kräftig mitfeiern. Das Programm auf dem Olympiagelände beginnt um 10 Uhr. An insgesamt 16 Ständen präsentieren sich verschiedene Fanklubs und Vereinsabteilungen. Ab 14 Uhr bestreitet die U23 ihr letztes Saisonspiel gegen Meuselwitz, danach stehen Pal Dardai und Andreas „Zecke“ Neuendorf für Autogramme zur Verfügung, bevor eine Feuershow den Tag gegen 18 Uhr beschließt. Vielleicht dient der Hertha-Tag ja als Vorlage für Veranstaltungen im neuen „Fanhaus“ – die dort genauso bunt, aber wohl doch etwas kleiner ausfallen müssten.

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