Den Neuen auf dem Trainingsplatz stellt Markus Babbel zunächst als Gary Lineker vor. Der äußeren Ähnlichkeit wegen, findet der Trainer von Hertha BSC. Dabei erinnert der rotblonde Gramoz Kurtaj eher an den jungen Zecke Neuendorf als an den zu seinen besten Zeiten schwarzhaarigen Torjäger der Engländer. Oder an Artur Wichniarek, nur ohne Tätowierung an der rechten Wade. Doch ob nun Lineker oder doch eher nur Wichniarek – das war Kurtaj ganz egal. Der 20-Jährige aus dem Kosovo hatte am Morgen erfahren, dass er statt wie üblich mit den Kollegen aus der Regionalliga-Mannschaft mit den Profis des Bundesliga-Aufsteigers üben sollte. „Gefreut“ habe ihn das, und durchaus selbstbewusst wertete er die Maßnahme als „eine Belohnung für starke Leistungen“ zuletzt in der U23 – trotz null Toren und null Vorlagen des Flügelspielers in 24 Saisoneinsätzen, nebenbei bemerkt eine Lineker ganz und gar unwürdige Bilanz.

Die „10“ trägt Kurtaj in Herthas Ausbildungsmannschaft. Damit wandelt er nicht nur numerisch in der Spur eines Raffael, nein, er beschreibt sich auch selbst als „einen echten Zehner“, was in der Sprache der Fußballer einen klassischen Spielmacher bezeichnet. Da träfe es sich an sich recht gut, dass jener Raffael am Sonntag im vorletzten Spiel der Zweitliga-Saison in Aue infolge fünf Gelber Karten gesperrt ist. Doch wie es aussieht, diente Kurtajs Trainingsteilnahme am Mittwoch nicht der Bewerbung für sein Profi-Debüt, sondern nur ganz unspektakulär der Auffüllung eines einigermaßen übungsfähigen Kaders. Dem fehlten in Roman Hubnik (Grippe), Sebastian Neumann (Schulprüfungen) und Peter Niemeyer (Wadenbeschwerden) drei feste Mitglieder. Wie es aussieht, wird der schwer verwüstliche Hubnik in Aue verteidigen können. Dagegen zeichnet sich ab, dass Niemeyer, dem seit fast drei Wochen eine Risswunde an der Wade immer wieder Schmerzen bereitet, nun endgültig einmal pausieren wird. Schon gegen 1860 München „wäre das wohl die bessere Option gewesen“, unkt Trainer Babbel im Nachhinein – und plant damit, Niemeyer erst zum Finale furioso gegen Augsburg am 15.Mai wieder einzusetzen.

Nach Aue reist der Tross aus der Hauptstadt nach Worten des Trainers in der komfortablen Ausgangslage, „ohne Druck befreit aufspielen zu können“. Sie wollten das Spiel deshalb zwar „nicht abschenken, sondern hochkonzentriert angehen“, da ja zu erwarten stehe, dass die Westsachsen gegen den prominenten Gegner noch einmal bleibenden Eindruck hinterlassen wollen. Doch diese Ausgangssituation hätten sie sich im Laufe der Saison erarbeitet: „Das Schlimmste, was passiert, ist, dass wir verlieren. Aber passiert ist auch dann schlussendlich nichts.“ Eine Niederlage als Petitesse? Oder waren Babbels Worte am Ende nur Bluff – nach dem Motto: Soll die Last des Gewinnenmüssens doch ruhig beim Gegner liegen.