Wer gekommen war, sah vor allem, dass nichts zu sehen war. Verwaist lag der Trainingsplatz von Hertha BSC da. Trainer Markus Babbel war im Grunewald Joggen mit Manager Michael Preetz. Die Mannschaft drehte einige hundert Meter weiter streng geordnet Laufrunden auf dem Hanns-Braun-Platz. Trainer Markus Babbel hatte einen Laktattest angesetzt. „Wir wollten zum Ende der Saison die exakten, aktuellen Fitnesswerte nehmen. Aufgrund dieser Werte werden wir für jeden Spieler individuell einen Trainingsplan für den Urlaub erstellen.“ Hertha will sich zum Trainingsstart Ende Juni eine Fitness-Pleite wie im vergangenen Sommer ersparen. Da hatten teilweise desaströse Werte bei der Hälfte der Mannschaft wochenlanges Nacharbeiten erfordert.
Nicht dabei bei der anstrengenden Einheit war ein Quartett. Torwarttrainer Christian Fiedler übte in einer anderen Ecke des großen Trainingsareals mit seinen Schlussleuten Maikel Aerts, Sascha Burchert und Marco Sejna. Das Torwart-Trio absolviert seine vorletzte Übungswoche in der bekannten Konstellation. Hertha sucht intensiv nach einer neuen Nummer eins für die kommende Bundesliga-Saison. Die Chancen stehen gut, dass Thomas Kraft (22) im Sommer zu Hertha BSC wechseln wird. Der Torwart des FC Bayern hat seinen im Sommer auslaufenden Vertrag in München fristgerecht gekündigt. Das bestätigte Jürgen Milewski der Berliner Morgenpost. Kraft hat ein Bayern-Angebot ausgeschlagen, wonach er rund zwei Millionen pro Jahr hätte verdienen können. „Thomas Krafts verständliches Ziel ist es, die Nummer eins zu sein. Dies können wir ihm nicht garantieren“, sagte Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger.
Flugs vermeldete die Hamburger Morgenpost, Hertha und Kraft sollen sich auf einen Vertrag bis 2013 geeinigt haben. Hertha-Manager Preetz will derzeit zum Torwart-Thema nichts sagen. Nur zu der Meldung aus der Hansestadt sagte Preetz: „Das ist Quatsch.“ Richtig ist: Der Hauptstadt-Klub arbeitet mit Hochdruck daran, seinen Zeitvorsprung durch den frühzeitigen Aufstieg zu nutzen. So will Hertha die Frage der Nr.1 geklärt haben, ehe das sich abzeichnende Torwart-Karussell in Schwung kommt.
Wechselt Manuel Neuer in diesem Sommer von Schalke zum FC Bayern? Wenn ja, wann? Wen holt Schalke dann? Ron Zieler von Hannover 96? Wer ersetzt beim HSV Frank Rost? Was passiert im Tor des VfL Wolfsburg? Bei Herthas Aufstiegstorwart Maikel Aerts (34) stellt sich die sportliche Frage, ob er gut genug für die Bundesliga ist. Und jeder weiß, dass der Niederländer mit seinem angerissenen Kreuzband im Knie ein wandelndes Risiko darstellt.
Kraft hat bei den Bayern in seinen zwölf Bundesliga-, sowie vier Champions-League-Einsätzen einen starken Eindruck hinterlassen, auch wenn Patzer in Hannover (1:3) und Nürnberg (1:1) am Ende seinem Förderer Louis van Gaal den Trainer-Job in München gekostet haben. Hertha hat sich frühzeitig um Kraft bemüht.
Die Verbindungen von Trainer Babbel nach München eröffnen den Berlinern Zugänge, die der Verein Jahrzehnte nicht hatte. Kraft findet das alles spannend und interessant, was ihm der Aufsteiger vorlegt. Nur, wie Kraft-Berater Milewski sagt: „Ich äußere mich erst, wenn Entscheidungen gefallen sind.“ Heißt: Kraft hat sich noch nicht entschieden.
Hertha bemüht sich derzeit stark um das Talent aus der Bayern-Torwartschule. Hat aber auch Alternativen. Hier darf man an die Namen Thomas Kessler (FC St. Pauli), Tobias Sippel (1. FC Kaiserslautern) oder an Florian Fromlowitz (Hannover 96) denken.
Wer auch immer Herthas Nr.1 wird, die Entscheidung hat Auswirkung auf das aktuelle Trio. Marco Sejna (39) soll Elder Statesman werden, der je nach Bedarf für die Amateure oder die Profis zur Verfügung steht. Aerts, der intern sehr anerkannt ist, würde dann die Nr.2. Sascha Burchert (21/Vertrag bis 2013) braucht Spielpraxis, hier liegt eine Ausleihe nahe.




