Es gibt elegantere Techniker und schnellere Fußball-Profis. Im Interview mit Andre Mijatovic (31) wird aber deutlich, warum der Hertha-Kapitän einer der Schlüsselspieler beim Bundesliga-Aufsteiger ist. Der Innenverteidiger Mijatovic, seit 2010 im Verein, ist ein kühler Kopf mit klaren Meinungen.
Morgenpost Online: Herr Mijatovic, wie fühlt sich ein Aufstieg an?
Andre Mijatovic: Toll. Du weißt, das bleibt jetzt für die Ewigkeit. Wenn man noch so einen Empfang bekommt, wie wir, als wir nach dem Duisburg-Spiel in Tegel gelandet sind, und euphorisch von den Fans begrüßt werden – da hast du das Gefühl, etwas Großes erreicht zu haben. Deshalb will ich mich unbedingt bedanken bei den Fans für die tolle Unterstützung.
Morgenpost Online: Hertha war Aufstiegsfavorit. Hatten Sie auf der Strecke mal Zweifel?
Andre Mijatovic: Nie. Aber ich hatte vorher gesagt, dass wir eine schwierige Phase haben werden. Die hatten wir im November. Aber wir haben das gut überstanden. Die Rückrunde haben wir dann souverän gespielt.
Morgenpost Online: Was hat Sie sicher gemacht?
Andre Mijatovic: Einen Kader mit soviel Qualität bekommst du nur einmal in der Zweiten Liga. Da gab es nur das Ziel Aufstieg.
Morgenpost Online: Sie sind als Neuer gleich zum Kapitän ernannt worden. Waren Sie überrascht?
Andre Mijatovic: Hertha ist in meinem Alter die letzte Chance, noch mal Bundesliga zu spielen. Das ist ein großer Verein in einer großen Stadt, deshalb war ich schon überrascht.
Morgenpost Online: Ist die Wahl auf Sie gefallen, weil Sie mit dem Abstieg nichts zu tun hatten?
Andre Mijatovic: Vielleicht. Ich weiß noch, als ich das erste Mal in die Hertha-Kabine gekommen bin, war das komisch. Es war zu leise. Irgendwie hing der traurige Abstieg in der Luft. Aber das geht nicht. Wenn du zuviel nachdenkst, schaffst du das Ziel nicht. Wir waren vom Start weg die einzige Mannschaft, die gesagt hat: Wir wollen aufsteigen. Das war ein großer Druck. Aber wir haben dem standgehalten.
Morgenpost Online: Wollen Sie Kapitän bleiben?
Andre Mijatovic: Das entscheidet der Trainer. Ich kann nur sagen, dass es mir großen Spaß gemacht hat als Kapitän.
Morgenpost Online: Manche Spieler fallen erst dann richtig auf, wenn sie nicht dabei sind. Als Sie im Herbst verletzt waren, hat Hertha vier Niederlagen binnen fünf Partien kassiert.
Andre Mijatovic: Ob das Zufall oder nicht ist, weiß ich nicht. Aber nach den Niederlagen stand das Aue-Spiel an. Eigentlich hätte ich noch länger in der Reha bleiben sollen. Aber ich habe mir gesagt: Jetzt ist die Zeit, wo du dich als erfahrener Spieler zeigen musst.
Morgenpost Online: Wie schwierig war es für Sie, sich bei Hertha durchzusetzen?
Andre Mijatovic: Hertha ist die beste Adresse in meiner Karriere. Ich kam aus Bielefeld, ich wollte hier unbedingt bestehen. Dass es anders gehen kann, zeigt das Beispiel Rob Friend. Er war im vergangenen Sommer der Topeinkauf aus Mönchengladbach – und ist mal eben von einem 19-Jährigen überholt worden. Also, dass ein 19-Jähriger wie Pierre-Michel Lasogga der Gewinner der Saison ist, findet man selten. Was er geleistet hat, welchen Willen er hat – ich habe großen Respekt vor ihm. Ohne Pierre und seine Tore wäre es mit dem Aufstieg schwieriger geworden.
Morgenpost Online: Hertha hat viele junge Wilde. Musste der Kapitän öfter mal auf die Bremse treten?
Andre Mijatovic: Speziell bei Pierre nicht. Wenn er auf dem Boden bleibt, steht er vor einer großen Karriere.
Morgenpost Online: Sie sprechen oft mit Trainer Markus Babbel, was ist er für ein Typ?
Andre Mijatovic: [lacht] Das Thema ist mir etwas unangenehm. Wenn ich jetzt positiv rede, heißt es: Ja ja, der Mijatovic will sich beliebt machen. Und negativ spricht man sowieso nicht über seinen Vorgesetzten.
Morgenpost Online: Anders gefragt: Ist Babbel autoritär oder ein Kumpeltyp?
Andre Mijatovic: Der ist ein Trainer mit viel Autorität. Aber er trennt sich nicht von der Mannschaft. Er ist ein junger Trainer. Er beobachtet viel. Er ist clever. Hertha war auch für den Trainer ein großer Druck. Davor beim VfB Stuttgart gab es am Ende seiner Zeit Probleme. Aber der Trainer hat immer die Ruhe bewahrt, das war wichtig für die Mannschaft. Ich hatte ein wichtiges Gespräch während der Negativserie mit dem Trainer und dem Manager. Ich habe gesagt, dass wir alle jetzt unbedingt zusammenstehen müssen. Das haben wir sehr gut hinbekommen.
Morgenpost Online: Sie sind 31 Jahre, der Trainer ist 38 – Duzen Sie sich?
Andre Mijatovic: Nein, der Trainer ist Respektsperson. Alle Spieler sind mit dem Trainer per Sie.
Morgenpost Online: Was ist das Ziel in der Bundesliga?
Andre Mijatovic: Ich weiß, dass es in Berlin immer hohe Erwartungen gibt. Aber wir müssen realistisch bleiben. Als Aufsteiger geht es um den Klassenerhalt.
Morgenpost Online: Hertha sucht auf Ihrer Position in der Innenverteidigung. Macht Sie das nervös?
Andre Mijatovic: Ich bin da ganz locker. Die Abwehr hat ihren Teil zum Aufstieg beigetragen. Und Konkurrenz ist immer willkommen.
Morgenpost Online: Wie wichtig ist Ihnen die Zweitliga-Meisterschaft?
Andre Mijatovic: Herthas Aufstiegsmannschaft von 1997 hat die letzten drei Spiele verloren. Ich will, dass wir sechs Punkte aus den letzten zwei Spielen holen. Und ich will diese komische Felge, die es für den Zweitliga-Meister gibt, in die Hand nehmen. Das hoffe ich – und auf eine große Party mit den Fans nach dem Augsburg-Spiel.




