Nur ein blaues Unterhemd trug Raffael am Körper, aber die Nässe und Kälte des Berliner Dezembers konnten ihn nicht stören. Der Brasilianer in Diensten von Hertha BSC lächelte beseelt. Das Ergebnis seiner Mannschaft, ein 2:0 (1:0) gegen Erzgebirge Aue, stimmte ihn glücklich. Und auch darüber hinaus war es ein gelungener Fußball-Nachmittag für den älteren der beiden Brüder der Familie de Araújo. Denn den wahren Grund für den ersten Sieg nach zuvor drei Niederlagen sah er in seinem Bruder Ronny. „Wenn er spielt“, stellte Raffael fest, „gewinnen wir immer.“
Nun war Ronny gewiss nicht der allein ausschlaggebende Faktor für den Sieg gegen den bisherigen Tabellenführer Aue – doch in Summe gelang es Hertha, „den Bock umzustoßen“, wie Trainer Markus Babbel es nannte, „endlich wieder Tore zu schießen“. Und folglich auch ein Fußballspiel zu gewinnen. Babbel sah zusammen mit 45892 Zuschauern im Olympiastadion, darunter 10000 aus Westsachsen, eine Mannschaft des Gastgebers, der es infolge der Ergebniskrise noch an Leichtigkeit mangelte. Aber die voller Überzeugung auftrat, es fortan wieder besser machen zu wollen.
Jobsicherung für Babbel
Zu Anfang hatten sie alle – Spieler, Trainer und auch die Angehörigen beider Fanlager – innegehalten. Es galt Abschied zu nehmen von Ex-Präsident Wolfgang Holst, der Freitag im Alter von 88 Jahren verstorben war. Vor dem Spiel, währenddessen und danach hatte es anders als sonst üblich keine Musikeinspielungen gegeben, und wäre der Anlass nicht ein derart trauriger gewesen – fast ist man geneigt zu sagen, dass die Stille aus den Lautsprechern der Sangeskraft zweier enthusiastischer Kurven nur zu Gute kam.
Nach dem Schlusspfiff feierte nur noch die Ostkurve. Der Heimsieg der Blau-Weißen beförderte sie zurück auf einen direkten Aufstiegsplatz; nächsten Samstag kommt es im Stadion von Tabellenführer FC Augsburg außerdem zu einer Art Endspiel um die Herbstmeisterschaft. Dieser inoffizielle Titel an sich kümmert Babbel wenig. „Trotzdem wäre es schön, nach dem nächsten Spieltag wieder ganz oben zu stehen“, sagte er: „Denn es würde bedeuten, dass wir drei Punkte geholt haben, und das ist mein Ziel für nächsten Samstag.“
Wenngleich Babbel in der Analyse der Partie argumentierte, es gehe „nicht um seine Person, sondern ausschließlich um Hertha BSC“, so war dem Trainer doch anzumerken, dass der positive Ausgang ihn doch auch persönlich sehr erleichterte. Wesentlich gelöster als noch bei der Pressekonferenz im Vorfeld der Partie wirkte Babbel, und das aus gutem Grund: Wo jedes andere Ergebnis seinen Arbeitsplatz weiter in Frage gestellt hätte, war der Sieg auch sein Ticket für die Rückrunde.
Gegen körperlich robuste, zweikampfstarke Auer hatte seine Mannschaft sich erst mal durchsetzen müssen. Rund 35 Minuten dauerte die Abnutzungsschlacht, dann brachte ein von Levan Kobiashvili souverän verwandelter Foulelfmeter Hertha in Führung (37.). Aues Innenverteidiger Lachheb hatte Pierre-Michel Lasogga im Stile eines Freistilringers zu Boden gezogen; der in vielen anderen Phasen sehr großzügig leitende Schiedsrichter Kinhöfer hatte freie Sicht, zeigte Lachheb Gelb und außerdem auf den Elfmeterpunkt.
Burchert mit starken Nerven
Den „Knackpunkt des Spiels“ auf dem Weg zu „einem verdienten Sieg für Hertha“ sah Aues Trainer Rico Schmitt in jener Szene, sein Abwehrspieler Rene Klingbeil schloss sich dieser Deutung an – und ging sogar noch etwas weiter: „Nach dem Führungstor war Hertha unglaublich sicher, Respekt, sie werden mit Sicherheit aufsteigen.“ Der vor dem Elfmeter gefoulte Lasogga war es schließlich, der den Endstand erzielte. Nach maßgenauem Zuspiel von Nikita Rukavytsya schob er den Ball frei vor Torwart Männel zu seinem dritten Saisontor ins linke Eck. Nachher sagte er lakonisch: „Es ist meine Aufgabe, Tore zu machen.“ Mit ähnlicher Selbstverständlichkeit sagte er über seinen nicht unbedingt zu erwartenden Einsatz von Beginn an: „Dass ich spielen würde, hat sich die Woche über abgezeichnet.“
Während Trainer Markus Babbel den Stürmer und zugleich jüngsten Spieler in der Anfangsformation für seinen nimmermüden Einsatz an vorderster Front und schließlich auch die Coolness im Abschluss lobte, hob er noch zwei weitere Spieler gesondert hervor: Andre Mijatovic und Sascha Burchert. Kapitän Mijatovic beschied Babbel bei seiner Rückkehr nach siebenwöchiger Verletzungspause, „sofort wieder die gewohnte Ruhe ausgestrahlt“ zu haben. Ähnliches galt für Torwart Sascha Burchert, der nur die Nummer drei in der Hierarchie ist, aber nach der Verletzung von Stammkraft Aerts und der Rotsperre von dessen Vertreter Sejna plötzlich wichtig wurde. Burchert, der sagte, „nicht nervös gewesen“ zu sein, dürfte sich damit seinen Platz für das letzte Spiel der Hinrunde in Augsburg gesichert haben.
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