Zweite Liga

Hertha-Trainer Babbel sucht die Krisentaktik

Das Winterwetter trifft auch Hertha BSC: Wegen des Schneetreibens fiel das Balltraining aus. So erhielt Trainer Babbel in punkto Taktik keine neuen Erkenntnisse. Doch welche Systeme kommen in Frage?

Foto: dpa / dpa/DPA

An ein reguläres Training war nicht zu denken. Es war zu viel Schnee auf dem Schenckendorff-Platz, trotz laufender Rasenheizung waren die Mengen nicht zu bewältigen. Trainer Markus Babbel musste mit den Fußball-Profis von Hertha BSC umdisponieren. So joggte der gesamte blau-weiße Tross, Babbel und Cotrainer Rainer Widmayer vorneweg, über das Trainingsgelände zum Olympiastadion. Dort arbeitete der Coach mit der Mannschaft eine gute Stunde in der Aufwärmhalle. Die Wetterunbilden in Berlin kommen für den Trainer zum denkbar unpassenden Zeitpunkt. Nach drei Niederlagen aus den letzten vier Spielen steht Hertha und hier insbesondere Babbel unter Druck. Nicht nur der Negativlauf beunruhigt, sondern vor allem die Tatsache, dass der Aufstiegsfavorit weder in Paderborn (0:1) noch in Osnabrück (0:2) noch gegen Duisburg (0:2) das Spiel zu dominieren vermochte.

Deshalb will Babbel am Sonntag bei 1860 München (ab 13.30 Uhr im Live-Ticker von Morgenpost Online ) ein neues System spielen lassen. Einmal, am Dienstag, hat er eine 4-4-2-Taktik proben können. Das reicht aber nicht. Deshalb trifft es sich schlecht, dass das Proben und Automatisieren von Abläufen dem Wetter zum Opfer fiel. Damit nicht genug der Probleme. Verteidiger Sebastian Neumann, der an einer Bänderdehnung im Sprunggelenk laboriert, war in der Aufwärmhalle ebenso wenig dabei wie Raffael. Der Brasilianer laboriert an einer Wadenzerrung. Mannschaftsarzt Dr. Uli Schleicher sagte, dass erst am Samstag, also einen Tag vor der Partie in München, über einen Einsatz von Raffael entschieden werden könne. Auch diese personelle Unsicherheit trifft Babbel zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Mit Raffael, der eigentlich als Stürmer seine besten Spiele bei Hertha absolviert hat, hatte der Trainer etwas Verwegenes vor: Babbel wollte, so erzählte er es jedenfalls in einem Pressegespräch, den Dribbelkünstler auf die sogenannte Doppel-Sechs zurückziehen. Demnach würde Raffael mit Peter Niemeyer den defensiven Mittelfeldspieler geben. Ob dieser Vorschlag wirklich ernst gemeint ist, ist schwer einzuschätzen. In jedem Fall offenbart sich, dass Babbel in einer taktischen Zwickmühle steckt.

4-1-4-1-System Damit hat Hertha zu Saisonbeginn gegen Bielefeld, den Karlsruher SC und in Cottbus überzeugt. Doch spätestens mit dem siebten Spieltag zeigte Aachen beim 0:0 im Olympiastadion, wie den Berlinern beizukommen ist. Wenn Hertha die Spieleröffnung schwer gemacht wird und dazu Peter Niemeyer, der „Sechser“, von zwei Gegnern attackiert wird, kommt der Liga-Primus kaum noch ins Rollen. Zuletzt hat Duisburg dieses Rezept mutig gespielt – und alle drei Punkte aus Berlin mitgenommen. Prognose: Zumindest für Auswärtsspiele taugt diese sehr offensive Ausrichtung nicht.

4-4-2-System Diese Taktik hat Babbel proben lassen. Im Sturm mit Rob Friend und Adrian Ramos, auf der rechten Seite im Mittelfeld mit Nico Schulz, auf links mit Nikita Rukavytsya. Raffael hat unter der Woche, da angeschlagen, nicht mitmachen können. Beim Blick auf die Stärken und Schwächen des Hertha-Kaders wirft dieses System jedoch mehr Probleme auf, als es Antworten verspricht. Die Idee ist, mehr Torchancen als zuletzt zu kreieren. Deshalb soll schnell umgeschaltet werden und die beiden Stürmer in der Mitte mit zahlreichen Flanken bedient werden. Dafür braucht es zwei schnelle Außenverteidiger. Christian Lell auf rechts kann das bedingt leisten, Levan Kobiashvili (33) auf links indessen nicht mehr. Zudem würde Raffael, angenommen er wird fit, mit einer Aufstellung auf der Doppel-Sechs seiner größten Stärke beraubt: der Torgefahr. Wenn der Brasilianer und Niemeyer die Bälle erobern, sind sie 50, 70 Meter entfernt vom gegnerischen Tor. Die wird Raffael sauber verarbeiten, aber damit ist er viel zu weit weg von der Zone, wo es für die Gegner gefährlich wird.

Ganz abgesehen davon, dass sich auch bei dieser Taktik, ebenso wie bei jeder anderen, ein grundsätzliches Manko von Herthas Kader zeigt: Die rechte Mittelfeldseite ist nicht gut besetzt. Rukavytsya steckt in der Formkrise, Patrick Ebert fällt noch bis zum Jahresende aus. Will Babbel bei der Taktik mit zwei Stürmern bleiben, liegt die Lösung auf der Hand: Ramos als Stoßstürmer, Raffael als „Neuneinhalber“ dahinter, so wie das Duo es regelmäßig in der Vergangenheit gespielt hat. Die Zwickmühle für den Trainer an dieser Stelle: Dann müsste er auf Rob Friend, den teuersten Einkauf im Sommer, verzichten. 

4-2-3-1-System Mit dieser Formation, die die meisten Trainer derzeit spielen lassen, war auch Hertha in die Saison gestartet. Aber dafür braucht es einen schnellen, technisch guten Stürmer – wie Ramos oder Valeri Domovchiyski oder Marco Djuricin. Der große, robuste kanadische Nationalspieler Friend jedoch ist dafür nicht wirklich geeignet.

Für welche Aufstellung auch immer Babbel sich Sonntag in München entscheidet, es sollte ein positives Ende nehmen für Hertha. Manager Michael Preetz hat sich auf der Mitgliederversammlung am Dienstag noch mal festgelegt: „Am 15. Mai sind wir zurück in der Bundesliga.“ Gern mit Markus Babbel. Aber dafür muss der Trainer mit seiner Mannschaft dringend in die Erfolgsspur zurückfinden.

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