Die Uhr zeigte fast Mitternacht, als Markus Babbel im Mannschaftshotel in Herzogenaurach eindringlich an seine Spieler appellierte. So schön das 2:0 gegen Greuther Fürth gewesen ist, noch sei nichts gewonnen. Zwar hat Hertha BSC mit dem 17. Saisonsieg einen weiteren Schritt zum großen Ziel Bundesliga-Aufstieg getan. Es war ein wichtiger Schritt, „weil es ein sogenanntes Sechs-Punkte-Spiel gegen einen Verfolger war“, wie Manager Michael Preetz formulierte. Aber in den ausstehenden acht Partien sind noch 24 Punkten zu vergeben, von denen Hertha mindestens zehn, besser zwölf holen sollte, um auf der sicheren Seite zu stehen.

Deshalb warf Trainer Babbel in seiner fünfminütigen Ansprache einen Rundum-Blick auf die Situation: Er erwarte weiterhin Professionalität von der Mannschaft, in jeder Beziehung: Nicht nur, was die Leistung bei den Spielen angehe, nicht nur bei der täglichen Trainingsarbeit. Darüber hinaus sei die Ernährung wichtig. „Gutes Essen mit wertvollen Lebensmitteln, die euren Körpern helfen.“ Kein Schund, kein Fastfood. Erholung sei wichtig. „Ihr verlangt viel von eurem Körper, gebt ihm genügend Pausen zur Regenration.“ Ausreichend Schlaf, Mittagspausen. Babbel: „Wenig oder gar keinen Alkohol“ – keine nächtlichen Streifzüge durch irgendwelche Gemeinden.

Auch den Teamgeist erwähnte Babbel: Der Zusammenhalt in der Mannschaft sei außerordentlich. Den gelte es zu bewahren. Jeder müsse schauen, sich in den Dienst des großen Ganzen zu stellen.

Fünfter Auswärtssieg in Folge

Eitelkeiten dürften jetzt keine Rolle spielen. Keine Sonderauftritte in den Medien, kein Interview-Marathon, sondern absolute Konzentration auf den Beruf.

Am Ende bedankte sich Babbel ausdrücklich bei der Mannschaft. Er habe die Vorbereitung auf das Fürth-Spiel, wie die Mannschaft mit der späteren Anreise umgegangen sei und vor allem den souveränen Auftritt im Spiel gegen Greuther Fürth als extrem professionell empfunden. „Danke dafür und weiter so.“

Herthas Aufstiegszug nimmt Fahrt auf. In spätestens acht Wochen, am 15. Mai soll die Mission Wiederaufstieg zum Erfolg geführt werden. Die Verantwortlichen wollen, dass in der wichtigsten Saisonphase jetzt die Reihen geschlossen bleiben.

Emotionen sind erlaubt. So wurden die Flure der Trolli-Arena jedes Mal von ohrenbetäubender Musik erfüllt, wenn ein Herthaner von der Dusche in Richtung Mannschaftsbus ging – in der engen Gäste-Kabine war die Musikanlage voll aufgedreht. Hertha ist mit 22 Punkten die beste Mannschaft der Rückrunde vor dem VfL Bochum (21). „Das Selbstvertrauen ist sicher nicht klein nach einer solchen Serie“, sagte Christian Lell. Der Rechtsverteidiger räumte ein, dass es etwas riskant gewesen sei, nach seinem Faserriss zehn Tage zuvor, in Fürth aufzulaufen. „Am Anfang hat es gezwickt. Aber das hat sich rausgelaufen und die Torvorlage hat dann auch geholfen“, erzählte Lell.

Wie die Konkurrenz den Hauptstadt-Klub mittlerweile wahrnimmt, verriet Fürths Abwehrspieler Mergim Mavraj: „Um gegen einen so übermächtigen Gegner zu bestehen, müssen wir 120 Prozent bringen. Das hat Hertha nicht zugelassen. Aber ehrlich gesagt, hat sich von uns auch niemand etwas gegen Hertha ausgerechnet.“ Wie abgeklärt die Berliner beim fünften Auswärtssieg in Folge – Vereinsrekord – auftraten, war in der Tat eindrucksvoll.

In Fürth wurde wieder einmal deutlich, wie außerordentlich gut der Kader besetzt ist. Mit Levan Kobiashvili fiel der etatmäßige Linksverteidiger aus. Also gab Ronny in der Abwehrkette eine Premiere, dass hinterher alle schwärmten. „Ronny hat das gut gemacht. Das ist von Haus aus seine Position, da hat er bei Sporting Lissabon gespielt“, sagte Manager Preetz. Gut möglich, dass der Brasilianer diese Position auch im kommenden Auswärtsspiel am Freitag beim FC Ingolstadt übernimmt.

Lob und Rüffel für Ronny

Babbel wäre aber nicht Babbel, wenn er nicht noch Steigerungsbedarf sehen würde. „Ronny hat clever gespielt. Er hat von allen Spielern die vielleicht beste Fußball-Intelligenz. Aber er ist immer noch nicht bei 100 Prozent. Das ärgert mich.“ Der Trainer findet, dass Ronny „seinen inneren Schweinehund“ energischer überwinden könnte.

So stark in der Defensive wie in Fürth waren die Berliner lange nicht mehr. Der Verfolger aus Franken vermochte sich kaum Chancen zu erarbeiten. Dabei hatte sich Hertha sonst zumeist auf seine Offensive mit den treffsicheren Ramos (11 Saisontore), Raffael (9) und Lasogga (8) verlassen. Der Verfolger aus Franken vermochte sich gegen den Spitzenreiter kaum Chancen zu erarbeiten. Hertha konnte es sich sogar leisten, mit Raffael erneut den wohl besten Spieler der Zweiten Liga eine Stunde lang auf der Bank zu lassen.

„Ja, wir haben Härtefälle im Kader“, sagt Babbel. Wichtig sei, dass die eingewechselten Spieler neuen Schwung bringen. In Ingolstadt wird Raffael indessen kein Härtefall werden. Nach der zehnten Gelben Karte für Mittelfeldspieler Peter Niemeyer, wird Herthas Dribbelkünstler am Freitag in jedem Fall spielen.