3:1 gegen FSV Frankfurt

Raffael stellt Herthas Sieg sicher

Hertha BSC eilt mit großen Schritten dem direkten Wiederaufstieg entgegen. Im heimischen Olympiastadion besiegten die Berliner die Gäste vom FSV Frankfurt mit 3:1. Dabei brachte der Rückstand zu Beginn die Mannschaft nicht aus dem Konzept.

Der Jubel ging vorbei an allen Kollegen, vorbei an der Trainerbank, hin zur Feldkamera an der Mittellinie. Dort ging Roman Hubnik in die Knie, malte ein Herz in die Luft, symbolisierte einen Babybauch und schaukelte die Arme wie eine Wiege. Die Botschaft war für seine Frau Lucie in Olmütz bestimmt, die heute oder morgen das gemeinsame erste Kind zur Welt bringen wird. „Ich hoffe, dass der Trainer mir sofort freigibt, damit ich zu ihr fahren kann“, sprudelte Hubnik nach dem Abpfiff in die Mikrofone. Der Tscheche war voller Adrenalin. Der Herthaner hatte gegen den FSV Frankfurt einen Treffer erzielt, das wichtige 2:1, und zum Endstand, dem 3:1 von Raffael, aufgelegt. Der angehende Vater war der Mann des Abends.

Dabei hatte der 25. Spieltag für den Tabellenführer nicht gut begonnen. Hertha geriet nach einer ganzen Fehlerkette, an deren Ende auch Torwart Maikel Aerts patzte, 0:1 in Rücktand. FSV-Stürmer Aziz Bouhaddouz legte per Kopf für Sascha Mölders auf, der den Ball per Fallrückzieher ins leere Berliner Tor beförderte (6.).

Patrick Ebert drückte es drastisch aus: „Wir brauchen erstmal einen Schlag in die Fresse, ehe wir wach werden.“ Ebert brachte die Hausherren zurück in die Partie. Nach feiner Vorlage von Nikita Rukavytsya, der von links flankte, nahm Ebert den Ball direkt, 1:1 (21.). Trainer Markus Babbel hatte am Vorabend noch ein langes Gespräch mit dem Mittelfeldspieler geführt, der die komplette Hinrunde wegen eines Kreuzbandrisses verpasst hatte. „Ich habe Patrick gesagt, dass er für mich fit ist. Er geht wieder voll in die Zweikämpfe. Er ist ein Spieler, der geniale Momente hat, aber auch ganz einfach spielen kann. Das hat er gegen Frankfurt gut gemacht.“

Mit dem Ausgleich fing sich Hertha und spielte endlich dominanter. Die Gäste kamen kaum noch aus der eigenen Hälfte heraus. Folgerichtig ging der Hauptstadt-Klub 2:1 in Front. Pierre-Michel Lasogga brachte mit einem intelligenten Pass, rückwärts mit der Sohle, Mitspieler Peter Niemeyer in Position, der quer durch den FSV-Strafraum flankte, Hubnik rutschte in den Ball und beförderte ihn energisch ins Netz (34.). Nach seinem dritten Tor im dritten Heimspiel in Folge setzte der Manndecker aus Tschechien zum oben beschriebenen Jubellauf an. Da war vergessen, dass Schiedsrichter Guido Winkmann Hertha einen klaren Handelfmeter verweigert hatte, als Manuel Konrad mit der Hand den Ball gegen den eigenen Pfosten gedrückt hatte (31.).

Ganz so wohlwollend wie bei Ebert fiel das Lob vom Trainer bei Hubnik nicht aus. „Offensiv kann Roman gern so weitermachen. Aber ich wünsche mir, dass wir hinten mal zu Null spielen.“

Trotz der Führung und trotz des vorangegangenen Kantersieges in Aachen „war der Mannschaft immer noch die Verunsicherung nach den letzten beiden nicht so überzeugenden Derby-Heimspielen anzumerken“, staunte Babbel. „Das ist mir nicht ganz verständlich, mit diesem tollen Publikum im Rücken. Die Fans feierten trotz des engen Spielstandes schon die Zukunft. „Hier kommt Hertha. Ihr sch . . . euch in die Hosen. Wir stehen ganz oben und wir steigen wieder auf“, sang die Ostkurve lautstark.

Doch bis zur ersehnten Bundesliga-Rückkehr ist es noch ein Stück des Weges. So hatte Frankfurt nach der Pause seine beste Phase. Die Hertha-Abwehr, allen voran Torwart Aerts, war nicht immer sattelfest (siehe Nebentext). Dem FSV boten sich diverse Räume. „Hätten wir die besser genutzt und nicht so viele technische Fehler gemacht, hätten wir hier punkten können“, ärgerte sich FSV-Trainer Hans-Jürgen Boysen. Dennoch gratulierte er am Ende dem Kollegen. „Hertha hat die beste Mannschaft der Liga. Allein, wenn man sieht, in welcher Schnelligkeit teilweise gespielt wird. Ihr steigt auf.“

Trainer Babbels Taktik geht auf

Die Lage der Hausherren besserte sich indessen erst, als Trainer Babbel, der zunächst die Startelf des 5:0 aus Aachen aufgeboten hatte, Raffael einwechselte (63.). Der zuvor verletzte Brasilianer brachte neuen Schwung. Und sorgte im Anschluss an einen Ebert-Freistoß, den Hubnik zu Raffael verlängerte, für das 3:1-Endresultat (82.). „Erst da waren wir sicher“, atmete Manager Michael Preetz nach dem „schwer erkämpften Arbeitssieg“ vor 32401 Zuschauern durch.

Trainer Babbel war froh, dass seine Entscheidung, Raffael auf der Bank zu lassen, am Ende aufging. „Raffa hat nur zweimal mit der Mannschaft trainiert. Auch Peter Niemeyer war noch angeschlagen. Das war mir zu riskant. Außerdem haben Niemeyer und Lustenberger in Aachen exzellent gespielt.“ Raffael hat die Entscheidung, sich zunächst gedulden zu müssen, laut Manager Preetz „sehr professionell“ aufgenommen. „Vor allem hat Raffa nach der Einwechselung so reagiert, wie man sich das wünscht: Er hat den Sieg sicher gestellt.“ Raffael feierte seinen neunten Saisontreffer mit einem mächtigen Sprung in den Armen von – Roman Hubnik.

Nach dem 16. Saisonerfolg führen die Berliner die Tabelle mit nun 52 Punkten an. Am nächsten Spieltag geht es am Montag, den 14. März, zu Verfolger Greuther Fürth (46 Pkt.), der gestern beim VfL Osnabrück 2:0 gewann. Ob dort Christian Lell dabei ist, muss sich noch zeigen. Der rechte Außenverteidiger musste nach 71 Minuten mit Verdacht auf einen Muskelfaserriss im Oberschenkel Platz machen für Christoph Janker. Bis dahin ist noch etwas Zeit. Sonntag und Montag hat die Mannschaft zwei Tage frei.

Immer Hertha: Mehr zu Hertha BSC, Kommentare und Hintergründe finden Sie unter www.immerhertha.de, das Blog von Morgenpost Online