Zweite Liga

Hertha reist Last-Minute nach Fürth

Trainer Markus Babbel spielt auf Risiko: Erst am Spieltag reist Hertha nach Fürth. Er wolle den Spielern einen Tag im Hotel ersparen. Dabei steht der Tabellenführer unter Druck, denn die Konkurrenz rückt näher.

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Markus Babbel (39) traut sich was: Der Trainer hat den Reiseablauf des Mannschaftstrosses von Hertha BSC für die Aufgabe in Fürth komplett geändert. Erstmals seit langem reist der Tabellenführer der Zweiten Liga nicht einen Tag vor der Partie an den Spielort. Selbst als Hertha im vergangenen September gerade 29 Kilometer zum Lokalderby gegen den 1. FC Union zurückzulegen hatte, war der Hauptstadt-Klub am Tag zuvor von Westend nach Köpenick gefahren. Für die Begegnung am Montag ab 20.15 Uhr bei Verfolger SpVgg Greuther Fürth fliegt Hertha erst am Vormittag von Tegel nach Nürnberg. Dann wird ein Tageshotel bezogen, ehe am Abend von Schiedsrichter Florian Meyer der Hit des 26. Spieltages angepfiffen wird (live auf Sky und Sport1).

Der Hintergrund dieser Entscheidung, die Babbel mit seinem Trainer-Team beschlossen hat: Hertha kickt zweimal binnen vier Tagen in Bayern. Für die Partie am Freitag beim FC Ingolstadt reisen die Berliner am Donnerstag an, spielen einen Tag später. Nach einer Nacht im Hotel geht es Sonnabend zurück. Da die Blau-Weißen auch in Fürth von Montag zu Dienstag übernachten werden, will der Trainer mit der späten Anreise seinen Spielern einen weiteren Tag im Hotel ersparen.

Bei der Abwägung wusste Babbel um die Gegenargumente: Wird die Mannschaft, wenn am selben Tag erst geflogen wird, am Abend so frisch sein wie gewünscht? Und falls Hertha um 20.15 Uhr, aus welchen Gründen auch immer, nicht auf dem Rasen der Trolli-Arena steht, gehen die Punkte an Greuther Fürth. Höhere Gewalt (egal ob Wetter oder Stau oder Streik) akzeptiert die Deutsche Fußball-Liga nicht. Jeder Verein ist selbst verantwortlich dafür, pünktlich am Ort des Spielgeschehens zu sein.

Rein sportlich steht einiges auf dem Spiel: Die Verfolger des Aufstiegsfavoriten haben Boden gut gemacht. Der Zweite, der FC Augsburg, hat nach dem 0:0 bei Union 51 Punkte. Der Dritte, VfL Bochum (3:1 in Aachen) kommt auf 49 Zähler, Erzgebirge Aue (2:1 in Oberhausen) als Vierter auf 47, Cottbus nach dem 2:0 gegen Osnabrück als Sechster auf 45.

Im Umkehrschluss ist indessen auch richtig, was Manager Michael Preetz sagt: „Wir sind mit 52 Zählern Spitzenreiter. Wir haben es selbst in der Hand, unser großes Ziel, den Aufstieg, zu erreichen.“ In Zahlen gesagt: Mit einem Sieg in Fürth würde Hertha BSC den Abstand auf die Nicht-Aufstiegsplätze bei acht ausstehenden Spielen auf acht Punkte vergrößern.

Christian Lell als Jogger

Noch offen ist die Aufstellung, die Trainer Babbel in Franken ins Rennen schicken wird. Christian Lell, der sich in der Vorwoche einen Faserriss im Oberschenkel zugezogen hat, ist sowohl am Sonnabend als auch beim Abschlusstraining am Sonntag nur gejoggt. Er konnte das normale Programm der Kollegen nicht mitmachen. Eigentlich ein Indiz dafür, dass ein Einsatz in Fürth zu früh kommt. Doch Herthas „Mr. Marathon“ kämpft. Lell stand als einziger Spieler in allen bisherigen 25 Saisonpartien in der Startformation. Auch seine bisher 2224 Saison-Minuten (von insgesamt 2250) sind Bestwert im Kader der Blau-Weißen. Dennoch ist es wahrscheinlicher, dass Christoph Janker erstmals in diesem Spieljahr rechts in der Abwehrkette in die Anfangself rückt.

Die zweite offene Frage betrifft wie in der Vorwoche den mutmaßlich besten Spieler der Zweiten Liga: Raffael. In Aachen (5:0) hatte der Brasilianer verletzt gefehlt. Gegen den FSV Frankfurt hatte Trainer Babbel Raffael zunächst auf der Bank gelassen. Nach seiner Einwechslung hatte der kleine Techniker mit dem Treffer zum 3:1, seinem neunten Saison-Tor, für den beruhigenden Endstand gesorgt. Peter Niemeyer, Fabian Lustenberger oder Raffael – einer dieser Hochkaräter wird auch in Fürth zunächst draußen bleiben.

Hertha lockt nicht nur daheim, sondern auch auswärts die Fans. Fürth erwartet 11.000 Zuschauer, das wäre für die Franken Saisonrekord. Mike Büskens, Trainer der Spielvereinigung, sagt: „Hertha ist Favorit. Die kommen mit breiter Brust. Wir sind Außenseiter und in einer sehr interessanten Verfolger-Rolle.“ Allerdings liegt der Druck nicht nur bei Hertha. Manager Rachid Azzouzi hat gerade den Aufstieg als Saisonziel von Greuther Fürth ausgegeben.