Morgenpost Online: Herr Preetz, Hertha BSC ist mit 19 Punkten die beste Mannschaft der Rückrunde, mit 52 Zählern Tabellenführer – wie zufrieden sind Sie?
Michael Preetz: Wir haben uns neun Spieltage vor Ende in eine gute Ausgangsposition gebracht. Aber die laufende Saison lehrt uns, dass wir gut beraten sind, uns jeweils auf das nächste Spiel zu fokussieren. Derzeit gilt alle Konzentration der Aufgabe bei Greuther Fürth. Die hat einen besonderen Stellenwert, weil wir als Erster beim Tabellendritten spielen.
Morgenpost Online: Trotz des guten Tabellenstandes von Hertha ist die Stimmung in Berlin durchwachsen. Sind das Derby-Nachwirkungen?
Michael Preetz: Man hat es gegen den FSV Frankfurt gesehen: Das war ein schwer erarbeitetes 3:1. Zwei, drei Tage später ist die Frage, wie die Punkte zustanden gekommen sind, nicht so wichtig. Es zählt allein, dass wir sehr froh über die Zähler sind. Für die Fans und das Publikum ist es schwer, über 34 Spieltage in der Zweiten Liga in Berlin so etwas wie eine Dauereuphorie aufrecht zu halten. Die Fans begleiten uns unglaublich intensiv, das ist ein großes Glück für den Verein. Die Leute in der Stadt bangen mit Hertha. Das schlägt in beide Extreme rasch aus: dass wir nach Siegen bereits aufgestiegen sind oder nach Niederlagen es nicht mehr schaffen können. Unsere Aufgabe als Verantwortliche ist es, den goldenen Mittelweg zu finden. Ich bin mir sicher, dass wir am Saisonende das Ziel Aufstieg erreichen.
Morgenpost Online: Mike Büskens, Trainer in Fürth, sagt: Hertha hat die beste Mannschaft, aber sie zeigen es nicht immer. Warum ist das so?
Michael Preetz: Zunächst ist zu sagen, wir sind Tabellenführer, wir haben unsere Qualität schon oft gezeigt. Immer gelingt es deshalb nicht, weil jeder Gegner gegen Hertha BSC nahe an seinem Optimum versucht zu spielen. Wenn wir dann nicht unser maximales Vermögen abrufen, sind wir an einem solchen Tag auch mal zu erwischen.
Morgenpost Online: Maikel Aerts strahlt seit einigen Wochen nicht mehr die Sicherheit der Hinrunde aus. Hat Hertha ein Torwart-Problem?
Michael Preetz: Nein, wir haben kein Torwart-Problem. Wir haben im Moment eine Situation, dass bei Maikel jede einzelne Aktion unter die Lupe genommen wird. Das gibt sich.
Morgenpost Online: Was ist mit den jungen Wilden los? In der Hinrunde waren sie öfter als erwartet im Einsatz, derzeit spielen Djuricin, Morales, Knoll und Schulz bei den Amateuren.
Michael Preetz: Das muss man einzeln betrachten: Sebastian Neumann hat zu Saisonbeginn gespielt. Aktuell war er 14 Tage verletzt, er stellt gerade den Anschluss wieder her. Fanol Perdedaj ist regelmäßig dabei. Wenn er eingesetzt wird wie in Aachen, macht er seine Sache klasse. Was auffällt, ist die Betrachtung der Jüngsten, Marco Djuricin und Nico Schulz. Die sind aktuell in der Phase, von der wir immer gesagt haben, dass sie mal kommt. Beide haben ein unglaubliches Potenzial. Nico war in der Hinrunde mit einer Ausnahme in jedem Spiel im Einsatz. Aber es ist normal, dass sie mal in eine Situation geraten, wo sie körperlich nicht bei 100 Prozent sind. Wichtig ist, dass sie 90-Minuten-Einsätzen haben. Die haben sie jetzt bei der U23. Und ich bin sicher, dass sie noch in dieser Saison bei den Profis helfen werden.
Morgenpost Online: Was ist mit Rob Friend los? Ist er Opfer der Systeme, die Hertha spielt?
Michael Preetz: Rob Friend hat bei allem Bemühen, das er zeigt, das Problem: Er hat einen jungen Mann mit Pierre-Michel Lasogga vor sich, der trotz seiner erst 19 Jahre unglaublich beständig spielt. Das ist Robs Los, er muss auf seine Chance warten.
Morgenpost Online: Wer ist die positive Überraschung in dieser Saison bei Hertha?
Michael Preetz: Pierre Michel Lasogga ist natürlich eine. Es ist nicht selbstverständlich, dass jemand aus der A-Jugend kommt und sich sogleich einen Stammplatz in der Zweiten Liga erkämpft. Alles, was Pierre macht, macht er mit 120 Prozent. Insgesamt finde ich, dass alle jungen Spieler überrascht haben. Es ist das Verdienst vom Trainer, dass er sie gebracht hat. Aber die Chancen haben die Jungen genutzt. Das bringt uns in eine Situation, dass wir eine junge Mannschaft haben, wo gerade die Talente noch Entwicklungspotenzial haben.
Morgenpost Online: Markus Babbel ist noch ein junger Trainer. Ob die Torwart-Frage oder taktische Fragen, manchmal sorgt er für Diskussionen. Wie weit ist Babbel in seiner Entwicklung?
Michael Preetz: Markus Babbel ist gerade 39, er steht am Anfang seiner Trainer-Karriere. Er ist im Sommer gekommen, er hat der Mannschaft ein klares Gesicht gegeben. Er hat die Jungen herangeführt. Er hat Berlin für sich und für Hertha eingenommen. Markus Babbel hat großen Anteil, an dieser Euphorie, die uns begleitet. Wir sind mit seiner Arbeit sehr zufrieden.
Morgenpost Online: Die Mannschaft hat zwei Wochen nicht mit den Medien gesprochen, der Trainer hat moniert, es fehle ihm, dass die Medien mit dem Verein an einem Strang ziehen. Spielt es sich in Berlin anders Fußball als in München, Köln oder Hamburg?
Michael Preetz: Berlin ist eine Medienstadt, hier gibt es ein großes Medieninteresse. Das ist positiv, macht die Arbeit aber auch speziell. Für uns als Hertha BSC heißt es: Wir müssen unseren Weg gehen. Der wird von Medien begleitet. Das ist mal angenehmer und mal nicht. Bei uns ist eine kleine Gruppe von Leuten gefragt: die Mannschaft, die Trainer, das Funktionsteam, die Verantwortlichen und die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle – wir können uns nur zusammen helfen, uns trägt keiner nach oben. Aber das ist okay.
Morgenpost Online: Sie kennen die Zweite Liga aus eigener Erfahrung. Was hat sich verändert?
Michael Preetz: Die Zweite Liga hat an Attraktivität gewonnen, im europäischen Vergleich ist sie sogar weit vorn. Das belegen schon die Zuschauerzahlen. Wir laufen mit über 40.000 Besuchern vornweg, das ist grandios. Dahinter gibt es etliche Teams mit einem Schnitt von um die 20.000, das gab es zu meiner Zeit nicht. Mittlerweile spielen mehr Traditionsvereine in der Liga. Aber das soll nicht so klingen, als ob wir uns dort wohlfühlen. Wir wollen schleunigst zurück in die Bundesliga.
Morgenpost Online: Worauf kommt es jetzt im Endspurt an?
Michael Preetz: Wir haben noch neun Spiele. Wir müssen uns fokussieren, stabil und konstant zu punkten, auswärts wie zu Hause. Gerade dort, wir haben nur noch vier Heimspiele. Nach den Ergebnissen 2011 im Olympiastadion müssen wir zusehen, dass wir dort unbedingt unsere Punkte holen. Man sieht es bei den Konkurrenten: Hinten raus wird der Druck für die Favoriten immer größer. Ich denke, dass Bochum oder Duisburg an diesem Wochenende anders kalkuliert hatten.
Morgenpost Online: Die Lizenzunterlagen für die kommende Saison sind so gut wie fertig. Wie sehr beschäftigt Sie bereits die Serie 2011/12?
Michael Preetz: Wir haben im Vorfeld insofern unsere Aufgaben gemacht: Im Aufstiegsfall ist mit dem jetzigen Kader die Personalsituation komplett geklärt. Wir haben stets gesagt, dass wir mit den jetzigen Spielern nach oben gehen wollen. Aber davor haben wir noch neun schwere Spiele vor der Brust.





