Stürmer

Herthas Raffael kehrt gegen Frankfurt zurück

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Es war das große Bangen um Herthas Stürmer Raffael: In Aachen verletzte sich der Brasilianer an der Wade. Doch nun wird er gegen den FSV Frankfurt in die Berliner Startelf zurückkehren. Dafür muss Lustenberger die Bank hüten.

Für Hertha BSC beginnt die entscheidende Saisonphase. 24 Runden sind gespielt, zehn stehen noch aus. Als Tabellenführer liegen die Berliner mit 49 Zählern vier Punkte vor Relegationsplatz drei. Das ist ordentlich, aber kein beruhigender Abstand. Heute ab 18 Uhr stellt sich der FSV Frankfurt im Olympiastadion vor ( hier im Live-Ticker von Morgenpost Online ). Und eines hat der Aufstiegsfavorit in diesem Spieljahr mehrfach erfahren. „Es gibt in der Zweiten Liga keine einfachen Spiele“, wiederholt Trainer Markus Babbel. Auch nicht gegen den FSV Frankfurt.

Da mögen manche vom Pflichtsieg und drei sicheren Punkten reden im Kampf um die Bundesliga-Rückkehr – die müssen erst mal gewonnen werden. Der Coach rät seiner Mannschaft dringend, Gedanken an den furiosen 5:0-Kantersieg in Aachen vom vergangenen Wochenende beiseite zu legen. „Es nützt nichts, jetzt in der Vergangenheit zu schwelgen, wie gut wir bei der Alemannia waren.“

Der FSV werde sicher nicht so offensiv auftreten, wie das Aachen im heimischen Stadion getan hat. Defensiv eingestellte Gäste erwartet Babbel. Und warnt: „Auch wenn der FSV gerade eine Hängephase durchmacht, das ist eine gut spielende Mannschaft.“ Gerade ein Pünktchen hat der FSV aus den vergangenen sechs Spielen geholt. So ist die von Hans Jürgen Boysen trainierte Überraschungself der Hinrunde aktuell auf Rang elf abgerutscht.

Wer nun meint, die Partie sei für Hertha reine Formsache – es gibt eine Reihe interessanter Aspekte.

Zittrige Knie im Olympiastadion

So haben die Berliner eine Schwäche der Hinrunde, die nur mäßige Auswärtsbilanz, in eine Stärke verwandelt. In der Rückrunde hat Hertha bei vier Begegnungen in der Fremde vier Siege mit dem überragenden Torverhältnis von 17:4 geholt. Die Heimstärke der Hinrunde hingegen ist ein wenig auf der Strecke geblieben. Im neuen Jahr steht bei Hertha-Auftritten im Olympiastadion ein Sieg zu Buche (4:2 gegen Düsseldorf), ein Remis (2:2 gegen Cottbus) sowie eine Niederlage (1:2 gegen Union). Kurioserweise waren die Hausherren sowohl im Stadt-Derby wie im Regional-Derby jeweils 1:0 in Führung gegangen – hatten aber dennoch keinen Sieg einfahren können.

Der Trainer will sich damit nicht weiter aufhalten. Markus Babbel sagt nur, dass er froh ist, dass die Derbys mit ihrer besonderen Atmosphäre nun gespielt seien. „Jetzt geht es in den Endspurt. Weil es immer weniger Spiele werden. Wer da patzt, hat kaum noch Gelegenheit, das wieder gut zu machen. Der Druck wird größer“, weiß er.

Deshalb wird Hertha mit der nominell stärksten Elf auflaufen. Nach Informationen von Morgenpost Online wird Babbel die Sieger-Elf von Aachen ändern. So wird Raffael, allgemein als bester Spieler der Liga angesehen, nach überstandener Waden-Verletzung in die Startelf zurückkehren. Für den Brasilianer wird wohl Fabian Lustenberger seinen Platz räumen müssen, obwohl der Schweizer am vergangenen Sonnabend eine starke Partie geboten hat, die ihn beim Fachmagazin „Kicker“ gar in die Elf des Tages gebracht hatte. „Ja, das ist ein Luxusproblem, das wir haben“, räumt der Trainer ein. Mit Raffael, Peter Niemeyer und eben Lustenberger stehen drei erstklassige Kandidaten für die sogenannte „Doppel-Sechs“ bereit.

Eine andere Frage, die Brisanz birgt: Wie ergeht es Torwart Maikel Aerts (34) in seinem ersten Heimspiel nach der missratenen Vorstellung vor zwei Wochen gegen Cottbus? Damals hatte Aerts einen arg verunsicherten Eindruck gemacht, teilweise hatten die eigenen Fans den Schlussmann ausgepfiffen.

Die heftige Medien-Kritik hat die Mannschaft aufgebracht. Sie hat sich demonstrativ um Aerts geschart und redet aus Protest gegen die ihrer Meinung nach überzogene Schelte derzeit nicht mit Journalisten. In Aachen hatte Aerts eine solide Partie gespielt, war aber auch nicht besonders geprüft worden. Heute erfolgt nun die Rückkehr ins Olympiastadion.

Bei „immerhertha.de“, dem Blog der Morgenpost, signalisieren die Fans Unterstützung für den Niederländer. Nutzer „Konstanz“ etwa schrieb: „Natürlich stehen wir alle wie ein Mann hinter unserem Keeper. Kommt nicht in Frage, dass das Publikum ihn verunsichert, nicht bei Hertha.“

Ob es um Aerts geht, um Raffael oder das Überwinden von Rückschlägen – die Berliner müssen schauen, die diversen Einzel-Baustellen zu einem funktionierenden Ganzen zusammenzufügen. Der Konkurrenz ist nicht entgangen, dass genau da das Problem von Hertha liegt.

So sagte Jos Luhukay, Trainer vom Tabellenzweiten FC Augsburg: „Seit vergangenem Sommer heißt es, Hertha wird davonziehen. Aber das ist nicht passiert.“ Auch Mike Büskens, Trainer von Verfolger Greuther Fürth und nächster Gegner in einer Woche, findet: „Hertha ist qualitativ eine Liga für sich. Das zeigen sie aber nicht immer.“

Zehn Runden stehen im Kampf um die Bundesliga-Rückkehr noch aus. Der FSV Frankfurt wird es vor erwarteten 35000 Zuschauer im Olympiastadion ähnlich defensiv angehen lassen wie die kommenden Heimgegner von Hertha, der SC Paderborn und der VfL Osnabrück. Von wegen vermeintlich leichte Siege: „Wir müssen es in die Köpfe bekommen, dass jedes einzelne Spiel in der Zweiten Liga ein schweres ist“, sagt Manager Michael Preetz.