Minuten nach seinen deutlichen Worten stand Markus Babbel wieder hinter seinem Torwart, zumindest rein örtlich. Der Trainer von Hertha BSC wartete geduldig auf eines seiner Interviews, als Maikel Aerts direkt vor ihm mit einem Fernsehreporter aneinander geriet. Worum es dabei genau ging, war nicht herauszuhören. Doch Babbel ging sanft dazwischen und schob Aerts vor die nächste Fernsehkamera.
Kurz zuvor hatte er sich allerdings in aller Deutlichkeit über die vorangegangene Leistung seines Schlussmannes geäußert. „Er hat wieder nicht den sichersten Eindruck gemacht, er muss mental stärker werden“, hatte er bei Sky geurteilt, und am Ende war das noch untertrieben. Denn dem Niederländer waren beim 3:1 über den FSV Frankfurt wie schon in den vergangenen Spielen (Ausnahme: das 5:0 in Aachen) einige Patzer unterlaufen. Gleich in der sechsten Minute war er am 0:1 maßgeblich beteiligt, als er einen hohen Ball auf Aziz Bouhaddouz unterschätzte. Aerts entschied sich zwar richtig und kam aus seinem Tor geeilt, doch am Ende war der Frankfurter vor ihm am Ball und legte quer – Mölders hatte danach allen Raum für sein Traumtor per Fallrückzieher (6.Minute).
Verunsichert agierte er danach, ließ kurz vor Ende der ersten Halbzeit den Ball nach einer Ecke vollkommen unbedrängt fallen. Und in der 78. Minute konnte sich Aerts nur bei Verteidiger Andre Mijatovic bedanken: Er selbst war bei einem Steilpass aus dem Strafraum herausgelaufen, kam aber nicht an den Ball – die anschließende Flanke vor das leere Tor klärte der Kroate in letzter Sekunde.
Fans unterstützen den Niederländer
Das Thema Aerts, es will einfach nicht enden. Auch der von der Mannschaft ausgerufene Medienboykott – die Spieler witterten eine Kampagne – half also nichts. Entscheidend sind nun einmal nur die Leistungen des 34-Jährigen. Das merken mehr und mehr auch die Fans, auch wenn die sich am Freitag alle Mühe gaben, ihre Nummer eins zu unterstützen. Einzig: Es klappte nicht immer. Das eine oder andere Raunen ging bei Aktionen von Aerts durchs Stadion, und wenn er einen einfachen Ball hielt, gab es übertriebenen Applaus. Letzteres war sicher gut gemeint. Aber Aerts dürfte bemerkt haben, dass es eine aufbauende, aber nicht unbedingt anerkennende Geste der Anhänger war.
Markus Babbel wollte ohnehin keine Störfaktoren gelten lassen: „Mit seiner Erfahrung müssen die äußeren Umstände an ihm abprallen, er ist doch ein Kerl wie ein Baum“, sagt er. Und so wird er sich unter der Woche dann doch einmal mit einem Thema befassen müssen, das ihm nach eigener Aussage nicht liegt: dem Torwartwechsel. „Davon bin ich kein Freund, aber ich muss jetzt sehen, was für die Mannschaft am besten ist“, sagte er. Da wird es Aerts auch wenig trösten, dass der Trainer eine halbe Stunde später wieder weitaus versöhnlicher klang als am TV-Mikrofon. „Ich genieße jetzt erst einmal nur den Sieg, alles andere ist Nebensache“, sagte Babbel. Aber da war wohl nur der erste Zorn verflogen.




