Die Vorführung war nur von kurzer Dauer, aber mehr war auch nicht nötig. Denn wozu lange reden, wenn die Dinge sich auch kurz und kompakt visualisieren lassen. Und so bekamen die Herren Profis von Hertha BSC eine knappe Viertelstunde lang in bewegten – aber nicht bewegenden – Bildern ihr allfälliges Fehlverhalten im verlorenen Derby gegen den 1.FC Union noch einmal vor Augen geführt. Mit dem seitens ihrer Vorgesetzten gewünschten Ergebnis.

Der eine oder andere sei „regelrecht entsetzt“ gewesen, erzählte Trainer Markus Babbel hernach, als er zu sehen bekam, wie sein Dilettantismus oder der der Kollegen dem Gesamtgebilde Schaden zufügten und Schande obendrein.

Über Defizite zu sprechen sei das eine, sagte Babbel. „Aber wenn man sie dann auf Video sieht, hat man nicht mehr wirklich viele Argumente dagegen“, und so hätten er und seine Assistenten dem Derby „viele Szenen“ entnommen. Szenen, die verdeutlichen sollten, „wie Kleinigkeiten ein Spiel entscheiden können, wenn wir es zulassen“. Das beginne bei falschen, weil vorher klar anders abgesprochenen Zuordnungen bei gegnerischen Standards. Und setze sich fort bei allzu läppischer Ausführung eigener ruhender Bälle. Und, und, und. Ja, Hertha BSC ist Tabellenführer der Zweiten Liga. Und doch darf, und doch kann sich der große Aufstiegsfavorit keine dauerhaften Blößen gestatten.

Mit 1800 Fans zum Karlsruher SC

Vielmehr stehen die Blau-Weißen doppelt in der Pflicht. Sie ahnen, dass ein Sieg in Karlsruhe (13.30 Uhr, Sky live) die vorangegangene Niederlage zwar rein rechnerisch, auf Fan-Seite aber längst nicht auch moralisch ausgleichen kann. Und immerhin 1800 Hertha-Sympathisanten werden sich mit auf den Weg ins Badische machen. Weil sich dort die Freundschaft mit dem KSC-Anhang pflegen lässt. Aber auch, um live zu überprüfen, wie weit es mit den vollmundigen Ankündigungen der allermeisten Spieler wirklich her ist. Die hatten zur Zeit der Winterpause behauptet, ihre Negativserie aus dem November, als sie dreimal in Folge verloren, hätte immerhin ein Gutes gehabt: Noch einmal, gelobten da die Aerts, Mijatovic, Niemeyer, Lell und Co., „noch einmal passiert uns so was nicht.“ Künftig würden schon nach der ersten Niederlage sämtliche Warnglocken zu schrillen beginnen. Nicht zuletzt setzt Babbel da nun auch auf die Kraft der Bilder – was sicher ein belastbareres Argument ist als die eher scherzhaft aufzufassende These, dieser mit einer Niederlage begonnene Februar würde kein zweiter November, „weil er nicht so lang ist“.

Lasogga vor Rückkehr in die Startelf

Und doch lauern Tücken. Etwa hat der KSC, nach 21 Saisonspielen im Zweitliga-Ranking nur auf Position 15 notiert, unter dem neuen Trainer Uwe Rapolder noch kein Heimspiel verloren. Das allein sorgt für Selbstbewusstsein im Kampf gegen den Abstieg. Und sehr viel ärgerlicher noch als der reine Verlust von drei Punkten gegen Union ist, wie Hertha mit der Niederlage auch den Respekt der Konkurrenz verloren hat. Im heimischen Stadion sei Hertha durchaus zu packen, räsonierte Rapolder im Vorfeld der Partie. Doch bei Babbel ist der Kampfgeist schon wieder intakt. „Wenn wir zu 100 Prozent konzentriert sind, liegt es nur an uns, wo die Fahrt während der 90 Minuten hingeht.“ So, wie Hertha es in der Rückrunde in Oberhausen (3:1), gegen Düsseldorf (4:2) und auch in Bielefeld (3:1) gelungen war, als diese Partien zwischenzeitlich auf der Kippe standen.

Über die angestrebte Rückkehr zu schon unter Beweis gestellten Tugenden deuten sich auch ganz profan wenigstens zwei Umbesetzungen im personellen Bereich an. An Pierre-Michel Lasoggas Rückkehr in die Startelf hat Babbel nach überstandener Kreuzbanddehnung des Stürmers ohnehin wenig Zweifel gelassen. Und auch Ronny wird wohl erst mal draußen sitzen – Stichwort schlecht getretene Standards, die der gleichermaßen schussstarke wie übertrieben ehrgeizige Brasilianer gern mal einfach in die Mauer drischt. Nicht die erste, aber eine Alternative zu ihm ist erstmals nach seinem Kreuzbandriss wieder Patrick Ebert. Den 23 Jahre alten Außenbahnspieler erachtet Babbel nach 90 Minuten im U23-Test unter der Woche (3:0 gegen Oberligist Schöneiche) nun für „soweit, dass er uns helfen kann“.

Um einen dritten Wechsel käme der Trainer indessen gerne herum. Abwehrspieler Roman Hubnik kehrte vom Länderspiel Tschechiens gegen Kroatien (2:4) mit einer Oberschenkelblessur zurück.

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