Im Stadtbild sind sie überall zu sehen. Die Plakate für die Partie zwischen dem 1. FC Union und Hertha BSC mit dem neongelben Überkleber: „Ausverkauft“. Im Internet, etwa auf der Fanseite „Hertha unser“ heißt es: „Und schon ist es passiert: Arminia ist nicht mal angetreten, da schwafel ich hier schon von Union. Dabei sind noch 32 Spiele zu absolvieren. Aber ab jetzt immer schön der Reihe nach, einer nach dem anderen. Los geht's mit Arminia.“ So ist es.

Durchaus zum Verdruss von Hertha-Trainer Markus Babbel ist viel zu viel die Rede vom Derby gegen den 1. FC Union, das am kommenden Freitag stattfindet. Aber viel zu wenig von der nächsten Aufgabe, die am Sonntag gegen Arminia Bielefeld ansteht (Olympiastadion, 13.30 Uhr live im Morgenpost-Ticker). An seine Mannschaft hat Babbel folgende Marschroute ausgegeben: „Das wird ein extrem schweres Spiel.“

Raffael kehrt zurück

Nanu, wird sich der eine oder andere wundern. Hertha hat seinen Ruf als Topaufstiegsfavorit der Zweiten Liga gleich zum Start bestätigt – zwei Spiele, zwei Siege. Was soll da schief gehen gegen Bielefeld, auch wenn die mit Christian Ziege einen namhaften Trainer haben? Arminia hat, von schweren finanziellen Problemen gebeutelt, die Lizenz für diese Saison erst im letzten Moment erhalten. Viele Spieler haben den Verein verlassen, darunter Andre Mijatovic, der jetzt Kapitän bei Hertha BSC ist. Bielefeld ist mit null Punkten ins Spieljahr gestartet (1:2 beim FSV Frankfurt, 1:2 gegen Cottbus).

Eben drum, sagt Trainer Babbel. „Die haben sich zwei Wochen darauf vorbereiten können, uns hier das Leben schwer zu machen. Bielefeld hat im Olympiastadion nichts zu verlieren und kann befreit aufspielen.“ Bekanntester Akteur der Gäste ist der WM-erfahrene Stürmer Oliver Neuville (37).

Den Gastgebern kam die Länderspiel-Pause nicht gelegen. Neun Nationalspieler waren auf Reisen. Von denen Torjäger Adrian Ramos mit seinem Kollaps kurz nach seiner Einwechslung für Kolumbien in Venezuela vor einer Woche unfreiwillig für reichlich Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Am Freitag gab Hertha BSC Entwarnung: Nach Blutuntersuchungen, einem Langzeit-EKG und einem Kardio-MRT in der Helios-Klinik in Buch vermeldete der Verein am Nachmittag: „Die umfangreichen Untersuchungen bei Ramos wurden von den behandelnden Ärzten abgeschlossen. Sie ergaben, dass Ramos zu hundert Prozent gesund und spielfähig ist.“

Gefragt, ob der Torjäger in der Startelf steht, folgte Babbel dem alten Trainer-Reflex: „Üblicherweise halten wir das so, dass zunächst die Mannschaft über die Aufstellung informiert wird.“ Dann musste er über sich selbst schmunzeln. Ramos ist ein Schlüsselspieler in seinem Konzept. Der kolumbianische Nationalspieler hat in allen drei Pflichtspielen von der ersten bis zur letzten Minute gespielt. Weshalb Babbel einräumte: „Okay, Adrian hat große Chancen...“

Es ist indessen gegen den defensiv zu erwartenden Gegner ein Wechsel zu erwarten, der die Taktik von Hertha ändern wird. So ist gegen Bielefeld mit Raffael zu rechnen. Der Brasilianer hatte gegen Oberhausen (3:2) wegen Fiebers gefehlt, gegen Düsseldorf war er erst in der Schlussphase eingewechselt worden. Am Freitag nun lobte der Trainer Raffael wie noch nie: „Es war wichtig für Raffa, dass er zwei Wochen am Stück trainieren konnte. Jetzt hat er die Power, um 90 Minuten zu gehen. Es ist grandios, mit einem Spieler wie ihm planen zu können.“

Für Raffael wird Babbel wohl die Taktik vom bisherigen 4-2-3-1-System ändern auf ein sehr offensives 4-1-4-1. Das heißt, auch Raffael-Vertreter Valeri Domovchiyski bleibt im Team, stattdessen wird mit Fanol Perdedaj ein defensiver Mittelfeldspieler weichen müssen.

Auch die Statistik legt nahe, Bielefeld nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. In Liga zwei hat Hertha viermal gegen Arminia gespielt – und keinmal gewonnen (1985/86 und 1995/96). Am Sonntag wollen Babbel und das Team unbedingt gewinnen. Die Partie im Schatten des Union-Spiels darf auf keinen Fall verloren werden. Mit der makellosen Start-Bilanz von drei Siegen ließe es sich für Hertha sehr selbstbewusst in die Derby-Woche gehen.