Miriam Pielhau: Ich habe kürzlich einen Film gesehen, in dem ein Junge Tänzer werden will. Da sagt sein Vater: "Tanzen ist nichts für Männer! Du wirst Fußball-Profi." Du bist Fußball-Profi, Christoph, kannst Du auch gut tanzen?
Christoph Janker: Ich habe einen Standard-Tanzkurs gemacht. Ob ich gut tanzen kann, müssen andere beurteilen. Auf jeden Fall gehöre ich nicht zu denen, die nur in der Ecke stehen und sich über die tanzenden Leute lustig macht. Hin und wieder tanze ich auch.
Miriam Pielhau: Und Dein Vater ist sicher stolz auf Dich.
Christoph Janker: Ja. Aber mein Vater wäre auch stolz auch mich, wenn ich nicht Fußball-Profi wäre. Mein Bruder studiert, und auf ihn ist mein Vater genauso stolz wie auf mich.
Miriam Pielhau: Was ist das Wichtigste, das Deine Eltern Dir auf den Lebensweg gegeben haben?
Christoph Janker: Ich komme zwar aus keinem sonderlich wohlhabenden, aber sehr guten Elternhaus. Ich hatte immer alles, was ich brauchte. Mein Vater hat mir beigebracht, dass einem im Leben nichts zugeflogen kommt. Deswegen arbeite ich hart an mir. Meine Mutter hat mich Bescheidenheit, Höflichkeit und Freundlichkeit gelehrt.
Miriam Pielhau: Du kommst aus dem bayerischen Cham und bist seit Juni in Berlin - ein Bayer in Preußen. Was ist da schiefgegangen?
Christoph Janker: Ich hatte genug von Süddeutschland und wollte Preußen kennenlernen. Nein, das war nur Spaß. Berlin ist eine unheimlich interessante und schnelllebige Stadt. Das war für mich wichtig, stand bei der Entscheidung aber nicht im Vordergrund. Ich denke, dass ich mich bei Hertha sehr gut entwickeln kann.
Miriam Pielhau: Was gefällt Dir in Berlin?
Christoph Janker: Das Multi-Kulti und der Mix zwischen den alten Jugendstilgebäuden und modernen Häusern. Die Altbauten mag ich gern, deswegen wohne ich in einem.
Miriam Pielhau: Im Westen?
Christoph Janker: Ja, in Charlottenburg. Ich finde Mitte auch interessant. Aber der Weg zum Training ist relativ weit.
Miriam Pielhau: Was hast Du in deiner ersten Nacht in Deiner neuen Wohnung geträumt?
Christoph Janker: Ich habe nichts geträumt.
Miriam Pielhau: Man soll sich das ja immer merken.
Christoph Janker: Wenn ich was träume, ist es meist Nonsens. Deswegen war ich froh, dass ich nichts geträumt habe. Sonst hätte ich mir noch irgendwas eingeredet. Ich war vom Training wohl so müde.
Miriam Pielhau: Träumst Du manchmal von Spielzügen?
Christoph Janker: Nein.
Miriam Pielhau: Nimmt man also nichts mit nach Hause?
Christoph Janker: Doch. Ich träume hin und wieder vom Fußball. Aber keine einzelnen Szenen.
Miriam Pielhau: Warst Du früher Bayern-Fan? Als Bayer wird man doch gehauen, wenn man kein Fan des Vereins ist.
Christoph Janker: Bei uns in der Gegend waren die meisten Fan des FC Bayern oder des 1. FC Nürnberg. Ich war immer generell für die bayerischen Vereine. Seit ich dann zu 1860 München gewechselt bin, halte ich mehr zu den Sechzigern.
Miriam Pielhau: Was ist hier so ganz anders als in Deinem Heimatort Cham?
Christoph Janker: Als Kind auf dem Land aufzuwachsen, war toll. Meine Eltern leben immer noch dort, und ich fahre jeden Sommer und an Weihnachten zu ihnen. Mit Berlin kann man das überhaupt nicht vergleichen. In Cham kannst du dich auf die Straße legen und wirst nicht überfahren, weil kein Auto kommt. Unser Hund ist immer frei herumgelaufen. Ich bin aber schon mit 16 von Zuhause ausgezogen und habe schon viel anderes kennenlernt. Als ich für Hoffenheim gespielt habe, habe ich in Heidelberg gewohnt.
Miriam Pielhau: In Berlin ist es ganz anders als auf dem Land. Hier ist man sehr anonym.
Christoph Janker: Was ich sehr schätze.
Miriam Pielhau: Du fühlst Dich nicht allein, sondern genießt es, frei durch die Stadt gehen zu können.
Christoph Janker: Das hatte ich in Heidelberg auch. Ich sehe mich allerdings auch nicht als Prominenten an. Ich kann auch über andere Dinge außer Fußball sprechen und muss nicht jedem auf die Nase binden, dass ich bei Hertha BSC spiele.
Miriam Pielhau: Du bist prominent auf dem Spielfeld, und außerhalb bist Du der Christoph.
Christoph Janker: Genau. Meine Nachbarn sind sehr nett und haben nach einer Zeit erfahren, was ich beruflich mache. Ihnen habe ich dann mal Karten für eins unserer Spiele geschenkt. Sie haben sich mit einem Blumenstrauß revanchiert.
Miriam Pielhau: Wie hast Du Dich in die Mannschaft eingelebt?
Christoph Janker: Sehr gut. Einerseits ist der Sport für uns Arbeit. Im Fußball hat man Glück, dass wir alle auf einer Wellenlänge schwimmen und Erfolg haben wollen. Ich verstehe mich mit allen sehr gut, auch mit den Brasilianern, obwohl ich mit ihnen nicht deutsch sprechen kann. Kaka zum Beispiel ist einer der nettesten Menschen, die ich im Fußball kennengelernt habe. Die Schnelllebigkeit wird oft als Nachtteil angesehen. Ich finde es toll, dass man dadurch auch sehr viele Menschen kennenlernt.
Miriam Pielhau: Bist Du schon Opfer von Bayern-Witzen geworden?
Christoph Janker: Nein. Meinen Akzent kann ich aber nicht abstellen, selbst wenn ich es wollte. Wir haben halt auch in der Schule bayerisch geredet. Aber ich kann Deutsch schreiben (lacht).
Miriam Pielhau: Unternehmt Ihr als Kollegen auch mal nach Feierabend etwas zusammen?
Christoph Janker: Klar. Wir spielen gern Karten.
Miriam Pielhau: Poker?
Christoph Janker: Nein, hier spielen wir Uno. Eigentlich spiele ich Schafkopf. Ein bayerisches Kartenspiel, was hier keiner beherrscht.
Miriam Pielhau: Hast Du bei Hertha schon Freundschaften geschlossen?
Christoph Janker: Ja.
Miriam Pielhau: Was ist Dir an Freundschaften wichtig?
Christoph Janker: Es zeigt sich erst im Laufe der Zeit, wer ein echter Freund ist. Die erkennt man erst, wenn es einem mal schlecht geht.
Miriam Pielhau: Findest Du auch, dass es verschiedene Arten von Freunden gibt? Party-Freunde und richtige?
Christoph Janker: Definitiv. Schau dir doch Facebook an. Dort haben einige 350 Freunde. Die können mir nicht erzählen, dass sie mit all denen wirklich befreundet sind.
Miriam Pielhau: Wenn Du eine Kontaktanzeige über Dich schreiben solltest, was stünde drin?
Christoph Janker: (Lacht) Jung, sexy, sucht.
Miriam Pielhau: Und was sucht jung und sexy?
Christoph Janker: Frauen. Ich hatte in Heidelberg eine Freundin, das ist dann zu Ende gegangen. Ich geh gern aus. Nicht auf Partys, aber gern in Cafes oder Bars. Ich sitze nicht zu Hause und spiele Playstation. Es tut mir gut, unter Leuten zu sein.
Miriam Pielhau: Nenn mir drei gute Eigenschaften an Dir.
Christoph Janker: Clever, ich kann gut über mich selbst lachen und mir handwerklich gut helfen.
Miriam Pielhau: Und drei negative Eigenschaften.
Christoph Janker: Ich kann nicht kochen, bin teilweise unberechenbar und beim Fußball vielleicht ein bisschen jähzornig. Privat aber nicht. Da bin ich, glaube ich, der friedlichste Mensch von ganz Berlin.
Miriam Pielhau: Bist Du eifersüchtig?
Christoph Janker: Wenn ich eine Freundin habe, gehört es in normalem Maße dazu.
Miriam Pielhau: Dein Sternzeichen ist Wassermann. Ich habe in einem Buch einige Eigenschaften über den Wassermann nachgelesen. Sag mir doch mal, ob sie wirklich zutreffen. Der Wassermann ist kein Einzelgänger.
Christoph Janker: Richtig.
Miriam Pielhau: Er ist ein ausgesprochener Analytiker.
Christoph Janker: Richtig. Ich bin eher rational eingestellt. Was auch eine schlechte Eigenschaft sein kann.
Miriam Pielhau: Bist Du auch in der Liebe rational?
Christoph Janker: Nein. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass es einen in dieser Hinsicht auch ganz schön aus der Bahn werfen kann. Obwohl ich immer gedacht habe, dass ich der Herr im Haus bin. Im Endeffekt war ich es dann aber nicht.
Miriam Pielhau: Der Wassermann ist scheu und passiv. Er wartet, bis die Frau den ersten Schritt tut.
Christoph Janker: (Lächelt) Richtig.
Miriam Pielhau: Äußerlich zwar kühl, ist er doch sehr gefühlsbetont.
Christoph Janker: (Lächelt) Richtig.
Miriam Pielhau: Der Wassermann ist ruhelos und ewig auf der Suche nach der vollkommenen Gefährtin. Er verliebt sich leicht, zögert aber zu heiraten.
Christoph Janker: Richtig.
Miriam Pielhau: Er ist scharfsichtig, gütig, expressiv, lebhaft und ein guter Menschenkenner.
Christoph Janker: Richtig, außer die letzte Eigenschaft. Das wäre komisch, sich als guten Menschenkenner zu bezeichnen. Es gibt ja viele Schauspieler unter uns Menschen.
Miriam Pielhau: Er liebt die Menschen wirklich und ist bei Ihnen beliebt?
Christoph Janker: Das Erste ja. Beim zweiten weiß ich es nicht. Ich bin kein Typ, den man hassen muss. Ich bin relativ umgänglich.
Aufgezeichnet von Julien Wolff




