Leichtathletik-WM

Hertha will nach Leipzig ziehen

Im August will Hertha das Olympiastadion räumen, um Platz für die Leichtathletik-WM zu machen. Für Heimspiele sind die anderen Berliner Stadien allerdings zu klein. So prüft Hertha, auswärts Gäste zu empfangen – im Leipziger Zentralstadion.

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Es ist nicht so, dass er Hertha BSC die Deutsche Fußball-Meisterschaft nicht gönnen würde. „Ich würde mich sehr freuen, wenn die Berliner es schaffen“, sagt Winfried Lonzen. Sollte Hertha allerdings am Ende der aktuellen Bundesligasaison lediglich den dritten Tabellenplatz belegen, hätte der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft des Leipziger Zentralstadion auch nichts dagegen. Denn in diesem Fall müsste Hertha im August eine Play-off-Qualifikationsrunde für die Champions League spielen – und ein Spiel gegen einen internationalen Klub möglicherweise in Leipzig austragen. Denn die Heimstätte der Blau-Weißen, das Olympiastadion, ist an den Spieltagen 18./19.und 25./26.August belegt. Am 15.August startet dort die Leichtathletik-Weltmeisterschaft. „Ob wir wirklich in Leipzig spielen, kann niemand vorhersagen. Aber als Verein haben wir die Verantwortung, uns früh um eine Ausweichmöglichkeit zu bemühen“, sagt Herthas Manager Dieter Hoeneß.

Es könnte aber noch schlimmer kommen. Denn der Aufbau für das größte Berliner Sportereignis des Jahres beginnt bereits am 1. August. Und der Mietvertrag für die Leichathletik-WM läuft bis einschließlich 26. August. Damit drohen Hertha drei Auswärtsspiele zum Start der Saison 2009/10. Es hängt vor allem an den aufwendigen Aufbauten für das Fernsehen. ARD und ZDF liefern die weltweiten Bilder in 190 Länder. Die Pressetribüne muss für 3500 Journalisten ausgebaut und Podeste sowie die Technik für insgesamt 90 Kameras installiert werden. Dazu übertragen die Sender erstmals in High Definition (HD), was zusätzlichen Aufwand bedeutet. Die angesetzten 14 Tage Aufbauzeit für einen Event dieser Größenordnung sind schon eher knapp bemessen.

Doch bei Hertha ist man optimistisch, dass sich eine Regelung findet. Die Berliner hoffen, am ersten Spieltag der Bundesliga (7.bis 9. August) ein Heimspiel im Olympiastadion austragen zu können, indem der Aufbau für die Leichtathletik-WM unterbrochen wird. Die Verantwortlichen des Vereins haben darüber mit dem Organisationskomitee der WM bereits gesprochen. Am zweiten und dritten Spieltag könnte Hertha auswärts spielen. Hinsichtlich der zu erwartenden Zuschauerzahlen keine optimale Lösung: Denn im August sind in Berlin Schulferien. Vor allem die jungen Hertha-Fans könnten ihren Idolen statt in der unterrichtsfreien Zeit erst wieder am vierten Spieltag (28.bis 30.August) zujubeln.

Ein Bundesligaspiel in Leipzig auszutragen war daher noch kein Thema. Ingo Schiller, Finanzchef von Hertha, traf sich beim Länderspiel Deutschland gegen Liechtenstein (4:0) am vergangenen Wochenende in Leipzig mit Lonzen. „Wir haben darüber gesprochen, dass Hertha eine Qualifikation für die Champions League im Zentralstadion bei uns in Leipzig austragen könnte“, sagte Lonzen der Morgenpost.

Den Gegner lost die Europäische Fußball-Union (Uefa) am 7.August in Nyon in der Schweiz aus. Die Statuten des Verbandes erlauben es Hertha, das Heimrecht für das Hinspiel zu tauschen, sofern der Gegner zustimmt. „Das würde uns aber nichts bringen. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass wir im Rückspiel im Olympiastadion spielen könnten, geht gen Null“, sagte Hoeneß. Das Zentralstadion in Leipzig (45000 Plätze) erfülle alle Bedingungen. Er sei sich sicher, dass die Fans Verständnis für den Umzug auf Zeit hätten. „Irgendwo müssen wir ja spielen, und in Berlin gibt es keine anderen Stadien, die alle Bedingungen erfüllen.“ Der Verein würde es Anhängern den Weg nach Leipzig in Kooperation mit der Bahn so einfach wie möglich machen – und sie dann vielleicht mit der Champions-League-Teilnahme belohnen. Mitarbeit: Frank Weiss