Verletzungen

Nationalteam-Absage - Chermiti schont sich für Hertha

Er ist "Tunesiens Fußballer des Jahres" und Torschützenkönig der afrikanischen Champions League. Doch seitdem Hertha Amine Chermiti ins Team geholt hat, kämpft der 21-Jährige immer wieder mit Verletzungen. Nun musste der Tunesier seinem Nationalteam wegen einer Verletzung absagen. Doch die Pause hat ihm gut getan.

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Der Arbeitstag ist zu Ende. Als Lucien Favre den Trainingsplatz verlässt, sind manche Spieler von Hertha BSC diesen Weg des Trainers schon gegangen. Andere üben noch immer – was Favre mit einem respektvollen Blick auf seine Uhr so kommentiert: „Zwei Stunden Training, aber sie spielen noch immer. Das ist gut“, lobt er in Richtung des kleinen Grüppchens von Reservisten, dem auch Amine Chermiti angehört.

Weitere 15 Minuten später verlässt der Tunesier an diesem Tag den Platz. Der Kasten leerer Wasserflaschen in seiner linken Hand unterstreicht noch den Status am Rande des Kollektivs, den der Stürmer innehat. Spaß hat Chermiti trotzdem. „Ich bin nicht unglücklich“, sagt er. Natürlich: „Jeder will spielen. Aber alles braucht seine Zeit im Leben.“ Diese erstaunliche Gelassenheit eines vom Spieltrieb befallenen 21-Jährigen überrascht umso mehr, da Chermiti allen Anlass hätte, ungeduldig zu werden und mit dem Schicksal oder sich selbst zu hadern. Einer wie er will spielen, immer, aber wenigstens regelmäßig. Verletzungen standen diesem Ziel im Wege.

Als vorerst letzte Malaise zwang Chermiti ein Knochenmarksödem im Knie gerade zu einer zehntägigen Pause samt Absage für das WM-Qualifikationsspiel Tunesiens in Kenias Hauptstadt Nairobi. „Bitter für Amine“ findet das Michael Preetz, Leiter der Lizenzspielerabteilung. Gerade der Ex-Stürmer weiß, wie dringend Chermiti „beweisen will, warum wir ihn geholt haben“. Preetz blieb nur, dem Torjäger im Wartestand gut zuzureden: Bleib' ruhig, glaub' weiter an dich – wir tun es auch. Mag Hertha im Fall des Verpassens von Champions League oder Uefa-Cup auch einen Transferüberschuss in Höhe von bis zu vier Millionen erwirtschaften müssen – Chermiti steht anders als manch gleichaltriger Profi gewiss nicht auf der internen Streichliste.

Sich auf der Gewogenheit des Arbeitgebers auszuruhen, entspricht gleichwohl nicht Chermitis Anspruchsdenken. Obgleich er sich „wieder bei 100 Prozent“ wähnt und somit hätte spielen können, wollte er die Länderspielpause „lieber dazu nutzen, mich bei Hertha BSC zu etablieren“. Humberto Coelho „war sehr verständnisvoll“, berichtet Chermiti von seinem Telefonat mit dem Nationaltrainer, der zuletzt häufiger auf den in seiner Heimat umjubelten, deswegen aber doch bemerkenswert bodenständigen Stürmer hat verzichten müssen.

Ein Umstand, der Hertha BSC ebenso betrifft. Erst fünf Mal stand Chermiti in der Bundesliga auf dem Platz, jedes Mal wurde er eingewechselt und nie spielte er länger als eine Halbzeit. Viel zu wenig ist das für einen, der Anfang August als „Tunesiens Fußballer des Jahres“ und Torschützenkönig der afrikanischen Champions League von Etoile du Sahel Sousse nach Berlin gewechselt war. Seine Referenzen waren Hertha 2,2 Millionen Euro Ablöse und einen Vertrag bis 2012 wert. Doch noch ehe Chermiti sich nur daran versuchen konnte, sich auf Anhieb einen Stammplatz zu erarbeiten, war in seinem Knie Ende August auch schon das Innenband gerissen.

Nur ein Seitenblick in diesem Kontext ist, dass sich die Verletzung gegen Interblock Ljubljana und damit in einem Spiel der Uefa-Cup-Qualifikation ereignete, die Hertha vom europäischen Fußballdachverband via „Fairplay-Wertung“ geschenkt worden war. Ihren vollen Reiz bezieht die Anekdote aber dadurch, dass erst Chermitis Ausfall den Berliner Fokus in der seinerzeitigen Suche nach einem letzten Zugang vom offensiven Mittelfeld auf den Angriff veränderte – und so ein gewisser Andrey Voronin in die Bundesliga zurückkehrte…