Hertha BSC

Die Finanzkrise diktiert Dieter Hoeneß neue Regeln

Hertha BSC wird in der Saison 2009/10 rund 7,5 Millionen Euro weniger einnehmen als geplant. Es gibt weniger Geld vom Fernsehen, die Finanzkrise ist auch im Fußball spürbar. Die Champions League ist damit für Hertha nicht möglich. Der Verein plant für ein Krisenjahr. Doch der Manager hätte gerne neue Spieler.

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Um mit der schlechten Nachricht zu beginnen: Trotz einer guten Vorrunde mit derzeit Tabellenplatz vier und nur einem Punkt hinter Platz drei, der zur Qualifikation an der Champions League berechtigt – der Traum von Hertha BSC von der Königsklasse im europäischen Klubfußball wird in dieser Saison wohl ein Traum bleiben. Der Hauptstadtklub kann sich die Champions League schlicht nicht leisten.

Das ist das Resultat eines Kassensturzes, den die Berliner nach Abschluss des neuen Fernseh-Vertrages gemacht haben. Ab der Saison 2009/10 hatte die Liga ursprünglich mit TV-Einnahmen von 500 Millionen Euro geplant. Hertha erhält erfahrungsgemäß rund fünf Prozent der Gesamtsumme, das hätte pro Jahr 25 Millionen Euro bedeutet. Tatsächlich aber werden es 2009/10 insgesamt nur 386 Millionen. Als Folge erhält Hertha pro Saison fünf Millionen Euro weniger. Auch das Sponsoring wird mit Blick auf die Wirtschaftskrise weniger hoch ausfallen. Unter dem Strich wird Hertha kommende Saison rund 7,5 Millionen Euro weniger einnehmen – oder zehn Prozent des geplanten Etats von 73 Millionen.

Wie reagiert Hertha auf die verminderten Einnahmen? Diese Frage ist der tiefere Grund für die Auseinandersetzung zwischen Dieter Hoeneß, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, und Präsident Werner Gegenbauer. Hoeneß bestreitet, jemals gesagt zu haben, er wolle erheblich ins Risiko gehen. Niederträchtig sei, ihm Risikobereitschaft zu unterstellen, damit er 2010 mit der Champions-League-Teilnahme einen guten Abgang habe, wenn er seine Mission bei Hertha beendet. Tatsächlich hat Hoeneß aber regelmäßig den Eindruck erweckt, der Klub könne sich einiges leisten: teure Profis wie Arne Friedrich und Josip Simunic. Über Voronin wolle er mit dessen Arbeitgeber FC Liverpool reden, ebenso mit dem Anwalt von Marko Pantelic. Für Cicero will er die Kaufoption ziehen, dazu ein, zwei Neue im Winter...

Hertha plant konservativ

Am Mittwoch positionierte sich Karl Kauermann (62), der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Hertha-KGaA, früher Vorstandsvorsitzender der Berliner Volksbank: „Als ehemaliger Banker fühle ich mich dafür verantwortlich, dass Hertha konservativ plant und agiert. Mit Blick auf das wirtschaftliche Umfeld tut man gut daran, diese Linie konsequent zu verfolgen.“

Das entspricht exakt der Position von Gegenbauer und dem Präsidium. Das Gremium will das finanzielle Risiko klein halten. Schließlich hat Hertha eine Gewaltkur hinter sich und die Schulden von 54 (2006) auf 29,8 Millionen gesenkt. Deshalb hat das Präsidium Hoeneß nicht zufällig daran erinnert, dass eine Verpflichtung von Linksverteidiger Junior Cesar (26/ Fluminense Rio de Janeiro) der Zustimmung bedürfe. Natürlich weiß Hoeneß das. In der Vergangenheit indessen hat er die Vereinsregularien manchmal sehr weiträumig zu seinen Gunsten ausgelegt.

Stars auf der Streichliste

Da Hoeneß aber auch um die Lücke im Etat weiß, pocht das Präsidium darauf, dass man sich erst darüber einigt, wie man spart, ehe ein neuer Profi auf die Lohnliste gesetzt wird. Deshalb ist auf der nächsten Präsidiumssitzung am 16. Dezember der wichtigste Punkt auf der Tagesordnung ein Sparprogramm. Das ist die Aufgabe von Ingo Schiller, dem für Finanzen zuständigen Geschäftsführer. Er sagt, die Liga erlebe „eine Parallelverschiebung nach unten“. Die betrifft alle Profiklubs. „Es geht darum, welche Maßnahmen wir bei Hertha für die kommenden 18 Monate ergreifen, seitdem feststeht, wie der TV-Vertrag aussieht.“

Die Maßnahmen will Schiller zuerst im Präsidium vorstellen. Man kann aber davon ausgehen, dass Hertha den Personaletat von derzeit 31 Millionen Euro senken muss. Das heißt, mit Kapitän Friedrich, der ab 2009 vier Millionen Euro verdienen will, kann der Klub sich vielleicht einen Topverdiener leisten. Pantelic und Voronin, die künftig beide über zwei Millionen haben wollen, sind nicht auch noch zu bezahlen.

Was nicht automatisch bedeutet, dass es in diesem Winter keine Neuen gibt. Gegenbauer: „Wenn das Sparkonzept finanzielle Spielräume eröffnet, wird das Präsidium der Verpflichtung eines neuen Spielers zustimmen.“ Aus dem Maßnahmen-Paket soll sich die gute Nachricht ergeben: die Zukunftsfähigkeit von Hertha BSC.