Fußball-Bundesliga

Hertha BSC ist finanziell auf gutem Kurs

Zugegeben: An Image und Außenwahrnehmung muss Hertha BSC wohl noch arbeiten. Doch finanziell steht der Fußball-Bundesligist bereits jetzt sehr viel besser da als in den vergangenen Jahren. Die Mitglieder konnten am Montagabend zufrieden sein.

Über Jahre war das Thema Finanzen ein kritisches auf den Mitgliederversammlungen von Hertha BSC. Nicht so am Montag beim obligatorischen Treffen der Mitglieder im Saal 1 des ICC. Diesmal trug Ingo Schiller, der zuständige Geschäftsführer, leichten Herzens die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vor. Er vermeldete vom 1. Juli 2007 bis zum 30. Juni 2008 einen Gewinn von fünf Millionen Euro. Einnahmen von 77,8 Millionen standen Ausgaben von 72,8 Millionen gegenüber.

„Vor allem die positive Transferbilanz hat dazu beigetragen“, sagte Schiller. Hertha hat für Spieler wie Kevin und Jerome Boateng, Malik Fathi, Gilberto, Christian Gimenez oder Christopher Schorch den Rekord von 18,6 Millionen erlöst. Nach Jahren finanzieller Engpässe ist der Gewinn von fünf Millionen Euro der höchste seit dem Wiederaufstieg Herthas 1997.

Die Personalkosten für die Lizenzspieler bilden den größten Ausgabeposten. Die Berliner zahlten für die Dienste der Friedrich, Simunic, Pantelic & Co 27,4 Millionen Euro. Hinter dieser Summe verbirgt sich ein Geheimnis, das Hertha BSC nicht bereit war zu lüften.

Vier Millionen Euro für die Personalkosten stammen aus Genussscheinen. Auf die Frage, wer die Genussscheine gezeichnet hat, sagte Schiller: „In der Frage wurde Vertraulichkeit vereinbart.“

Nach Informationen der Berliner Morgenpost hat eine Gesellschaft diese vier Millionen zur Verfügung gestellt. Ein Anwalt hat deren Interessen vertreten, Herthas Gremien haben dem Vorgang zugestimmt. „Dahinter stehen unbescholtene deutsche Staatsbürger, die hier leben“, sagte Hertha-Präsident Werner Gegenbauer. Vereinbart ist eine Mindestlaufzeit von sieben Jahren. Es werden Zinsen fällig, die aber nur gezahlt werden, wenn Hertha Gewinn erwirtschaftet.

Das ist wichtig, weil damit diese vier Millionen dem Eigenkapital zugerechnet werden – und nicht den Verbindlichkeiten. Hertha will die Summe 2014 zurückzahlen. Die investierenden Gesellschafter dokumentieren mit der Zeichnung der Genussscheine Vertrauen in die Perspektive des Hauptstadt-Klubs. Für den schlechtesten Fall – Hertha wird die Lizenz entzogen oder muss Insolvenz anmelden – gibt es keine Sicherheit. Dann droht den Gesellschaftern der Totalverlust der eingesetzten Summe. Man geht wohl recht in der Annahme, wenn man den (oder die) Gönner im unmittelbaren Umfeld oder in der Vereinsführung vermutet.

Hertha hat im zweiten Jahr in Folge die Verbindlichkeiten deutlich gesenkt. Vom Negativrekord 2006 (54 Mio.) über 2007 (46,8) weist der Verein nun 29 Millionen Schulden aus. Das war auch möglich durch die Verlängerung des Vertrages mit Sportrechte-Partner Sportfive im Januar dieses Jahres. Dafür erhielt Hertha 25 Millionen Euro, 15 davon flossen in die Schulden-Tilgung.

Schiller findet Verbindlichkeiten in der Höhe akzeptabel. „Es ist nicht das höchste Unternehmensziel, schuldenfrei zu sein. Die Wirtschaftlichkeit muss gewährleistet sein. Dafür braucht man eine vernünftige Balance.“

Manager Dieter Hoeneß sprach in seiner Rede vor allem über den Aufbruch. Er lobte Trainer Lucien Favre und die Entwicklung der Mannschaft. „Insgesamt zeigt die Tendenz deutlich nach oben. Wir sind in der Spur, die wir vor anderthalb Jahren vorgegeben haben. Wir sind mitten im Aufbruch. Aber das ist ein längerfristiges Unternehmen.“ Er räumte ein, dass Hertha am Image und an der Außenwahrnehmung arbeiten müsse.

Pal Dardai, der für sein 250. Bundesliga-Spiel geehrt worden war, bedankte sich für die Unterstützung in den Jahren in Berlin. Das Schlusswort hatte Trainer Favre voreilig zum Versammlungsbeginn geliefert, als sich sein Team präsentierte. „Es ist ein bisschen früh, aber darf man das schon sagen? Ich wünsche allen eine frohe Weihnachtszeit.“