Der Deutsche Meister kommt – die Kulisse wird würdig sein: Eigentlich sollte die Zusatztribüne am Marathontor erst zum Pokalfinale am 15. Mai zum Einsatz kommen, doch Hertha BSC wird die zusätzliche Kapazität von 1000 Sitzen bereits am letzten Bundesliga-Spieltag nutzen. So wird das Olympiastadion im Bundesliga-Saisonfinale, wenn der Hauptstadt-Klub den FC Bayern empfängt, eine Kapazität von 75.400 Zuschauern haben.
Die WM-Finalarena von 2006 wird zum ersten Mal in diesem Spieljahr ausverkauft sein, wenn die Franck Ribery, Bastian Schweinsteiger und Arjen Robben Berlin ihre Aufwartung machen. Doch der Fokus der Arbeit bei Noch-Bundesligist Hertha BSC liegt längst auf Liga zwei. So hatte Michael Preetz, der Manager des Tabellenletzten und bereits feststehendem Absteiger, am Donnerstag um 14 Uhr Levan Kobiashvili (32) zum Termin in sein Büro auf der Geschäftsstelle geladen.
Lukratives Angebot für Kobiashvili
Der Vertrag des Rekordnationalspielers von Georgien läuft im Juni aus. Hertha will den linken Verteidiger trotz des Abstieges unbedingt halten. Preetz unterbreitete Kobiashvili ein lukratives längerfristiges Angebot: „Wir wissen, dass mehrere Bundesligisten ihn haben wollen. Aber wir wollen um Levan eine starke Mannschaft aufbauen. Wenn alles glatt läuft, spielt er mit Hertha ab 2011 wieder in der Bundesliga.“
Wie zu hören ist, bemüht sich unter anderem Eintracht Frankfurt um den Verteidiger. Kobiashvili, erst im Januar aus Schalke gekommen, hat sich von Anfang an als Berlin-Fan geoutet und die professionellen Bedingungen gelobt. Seine Bemerkung im Januar-Trainingslager kam bei Hertha gut an: „Die Voraussetzungen hier sind besser als auf Schalke.“
Mit seiner Erfahrung von 304 Bundesliga- und 87 Länderspielen wäre die Unterschrift von Kobiashvili beim kommenden Zweitligisten ein starkes Signal nach dem Motto: Hier wird ernsthaft an der Rückkehr in die erste Liga gearbeitet. Soweit ist es noch nicht. Aber Preetz sagte nach dem Gespräch: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Weitere Korsettstangen, die der Manager ebenfalls binden will, sind die Offensivkräfte Raffael und Adrian Ramos sowie Roman Hubnik, der Manndecker aus Tschechien.
Bei einem anderen Thema konnte Hertha BSC bereits Vollzug melden. So wird der Vertrag mit dem Exklusivpartner Coca Cola um drei Jahre verlängert. „Wir halten Hertha auch in der Zweiten Liga die Treue“, sagte Manfred Hargarten, Geschäftsleiter Nord-Ost beim Softdrink-Hersteller, „das Sponsoring ist seit vielen Jahren ein fester Bestandteil unseres Engagements in der Region. Als Berliner Club mit großer Tradition wird Hertha BSC weiterhin eine wichtige Rolle im deutschen Fußball einnehmen.“ Auch der langjährige Partner DKB hat sein Engagement um eine weiteres Jahr verlängert.
„Wir erleben bei Sponsoren und Geschäftspartnern sehr viel Bereitschaft, den Weg mit uns zu gehen“, sagt Schiller. Nichtsdestotrotz heißt das drängende Thema Sparen. Hertha muss im Unterhaus seinen Etat bekanntlich auf rund 35 Millionen Euro halbieren. Auch das Budget für das kickende Personal wird entsprechend zurückgehen von 26 auf künftig 13 Millionen Euro.
Deshalb waren auf der Präsidiumssitzung am Mittwoch die Finanzen ein Topthema. Die Einnahmen aus dem Zuschauerbereich etwa werden drastisch zurückgehen. Nicht nur, weil künftig im Schnitt 20.000 Besucher erwartet werden (aktuell 44.900). Nicht nur, weil die Topzuschläge, die bisher bei Begegnungen gegen Bayern München, Borussia Dortmund und dem FC Schalke erhoben wurden, abgeschafft werden. Finanzchef Ingo Schiller stellte die Struktur der Eintrittspreise für die Saison 2010/11 vor: „Je nach Kategorie werden die Preise um 20 bis 25 Prozent sinken.“
Das Problem mit den Vip-Logen
Bitter wird es in der Zweiten Liga auch bei den Vip-Logen und Business-Seats. Die Auslastung der Logen lag in Liga eins bei knapp 90 Prozent, die der edlen Sitze bei knapp 70. Diese Werte werden bei Gegnern wie dem MSV Duisburg, dem SC Paderborn, Greuther Fürth, Arminia Bielefeld oder Erzgebirge Aue erheblich sinken. Selbst wenn Preisnachlässe das eine oder andere Unternehmen zum Weitermieten bewegen – die Erlöse aus diesem Bereich werden in Liga zwei um geschätzte 50 Prozent einbrechen.





