Werder Bremen ist bei den Fans der beliebteste Verein der vergangenen Bundesliga-Saison. Mit ein wenig Abstand folgen der HSV und Bayern München. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Technischen Universität Dortmund. Am wenigsten beliebt ist hingegen Absteiger Hertha BSC: „Insbesondere das schlechte Votum der eigenen Fans führt zu einer Gesamtbeurteilung auf den Abstiegsplätzen“, sagte David Woisetschläger, Professor an der der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.
Ein Forscherteam befragte für die Studie im März deutschlandweit im Internet mehr als 6000 Fußball-Fans zur Attraktivität und Sympathie der Bundesliga-Vereine. Die Befragung ist Bestandteil einer Studie zur Wirksamkeit von Trikotsponsoring. Bei der Befragung kamen die eigenen Fans, aber auch die Anhänger der übrigen Bundesligisten zu Wort. Auch floss die Gesamtzahl der Fans in die Bewertung ein.
Doch für Hertha BSC setzte es nur Tiefschläge: Die Berliner schnitten gleich doppelt schlecht ab. Sowohl die eigenen als auch die Fans anderer Vereine ordneten sie ganz unten auf der Beliebtheitsskala ein. Die Fans anderer Verein hatten für Hertha kaum etwas übrig. Nur 29,9 von 100 Beliebtheits-Prozentpunkten gab es. Letzter Platz in der Liga. Werder kam hier auf 61,12 Punkte und damit wie in der Gesamtwertung auf Platz 1.
Von den eigenen Fans bekam Hertha 70,53 von 100 Beliebtheits-Prozentpunkten, so wenig wie kein anderer Verein. Insgesamt wurden es 31,08 und Platz 18 von 18. Die Dortmund-Fans zeigten die größte Liebe zu ihrem BVB und sorgten für 95,11 Punkte, die Bremer brachten Werder 94,3 Punkte. Auch bei den anderen Vereinen in der Abstiegszone herrscht unter den eigenen Fans offenischtlich Unzufriedenheit: Direkt vor Hertha liegen Bochum, Nürnberg, Hannover und Freiburg.
„Der Erfolg hat schon Einfluss auf das, was die Fans über einen Verein denken“, sagte Manuel Michaelis, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Dienstleistungsmanagement. „Aber auch längerfristige Überzeugungen.“ So hätten Dortmund-Fans Schalke 04 wie erwartet schlecht bewertet.
Hertha dürfte wohl aber vor allem aufgrund seiner sportlichen Leistung schlechte Noten bekommen haben – auch von den eigenen Fans. Das vermutet auch Michaelis. „Hier spielte sicher auch eine Rolle, dass die Berliner im letzten Jahr fast Meister waren. Die Erwartungen waren ganz andere.“
„Das grundsätzlich eher besonnene Auftreten der Nordklubs scheint im Rest der Republik gut anzukommen“, analysierte der Juniorprofessor für Dienstleistungsmanagement, Woisetschläger. Bei Werder Bremen komme außerdem positiv zum Tragen, „dass der Verein mit vergleichsweise geringen finanziellen Mitteln regelmäßig im Konzert der Großen mitspielt und sportlich erfolgreich ist“.
An Schalke scheiden sich die Geister: Den größten Unterschied zwischen dem Urteil der eigenen Fans und dem der anderen gibt es bei den Königsblauen. Die Untersuchung spricht vom „Polarisierungswert“. Den besten Wert weist hier Bremen auf – wegen des insgesamt guten Abschneidens bei den eigenen und den gegnerischen Fans. Der FC Bayern, der oft als der am stärksten polarisierende Verein der Bundesliga angesehen wird, kommt auf Platz sechs. Dass die Bayern mit gut 55 von 100 Punkten trotz so mancher Antipathie anderer Fans weit oben in der Tabelle rangieren, liegt unter anderem an seiner mit Abstand größten Fanbasis, teilten die Forscher mit. Denn die Bewertung des Vereins durch eigene Fans und die anderer Clubs wurden jeweils mit der Fanbasis gewichtet und zum Gesamtindex verdichtet.
Die Forscher sehen als Grund für die gestiegene Sympathie das überraschend gute Abschneiden des Rekordmeisters in der Champions League. In der Gesamtbewertung liegen die Bayern aber noch hinter Leverkusen und Dortmund.
mit dpa



