Die Frage zerrt an den Nerven. Was bedeutet der Abstieg aus der Bundesliga für Hertha BSC? Die Verantwortlichen des Vereins versuchen in den Tagen vor dem letzten Saisonspiel gegen den FC Bayern München am Sonnabend, sich bestmöglich für die neue Spielzeit aufzustellen.
Wie schwer es in der Zweiten Liga wirklich wird, zeigt die Analyse der Agentur "PR Marketing". Sie berät seit Jahren Verbände und Vereine in strategischen Fragen und hat die Auswirkungen von Bundesliga-Abstiegen untersucht. Ergebnis der Analyse: Die Einnahmen sinken im Schnitt um 32 Prozent. "Dieser Wert war in den vergangenen Jahren stabil. Das wird bei Hertha nicht anders sein", sagt Geschäftsführer Dr. Peter Rohlmann.
Einnahmen werden einbrechen
Die Sponsoring-Einnahmen verringerten sich um fast ein Viertel. Hertha trifft es zumindest in diesem Bereich allerdings nicht so hart wie die Absteiger der vergangenen Jahre. Die wichtigsten Verträge (Deutsche Bahn, Nike und Exklusiv-Partner) laufen zu Bundesliga-Konditionen weiter. Um aber auch in Zukunft von kleineren und vor allem lokalen Unternehmen unterstützt zu werden, muss der Klub laut Rohmann viele gute Ideen haben. "Eine gute Kommunikationspolitik ist entscheidend. Hertha muss noch mehr in die Beziehungen zu den Partnern investieren."
Gleiches gelte für die Fans. Im Kampf um den Wiederaufstieg sei das "Wir-Gefühl" ein entscheidender Faktor. "Der Berliner ist nicht so treu wie der Rheinländer oder der Fan aus dem Ruhrgebiet, zumal es in der Stadt viel mehr gibt als nur Fußball. Der Verein sollte daher zahlreiche Aktionen starten, um die Anhänger weiter für sich zu begeistern. An dieser Stelle darf trotz allem nicht gespart werden." Es sei auch wichtig, in Brandenburg neue Fans zu gewinnen.
Hertha hat noch Platz im Stadion
Der Zuschauerschnitt der Absteiger seit 2004 ging nach dem Sturz in die Zweite Liga im Schnitt um lediglich elf Prozent zurück. Darunter waren aber auch Mannschaften wie der SC Freiburg und Energie Cottbus, deren Stadien nicht mehr als 25 000 Zuschauer fassen. Sie waren in der Zweiten Liga meist gut gefüllt. Das Olympiastadion hingegen fasst 74 244 Zuschauer. In der aktuellen Saison kamen im Schnitt bislang 44 884 Menschen zu den Spielen. Das Spiel gegen die Bayern ist ausverkauft. In der Zweiten Liga rechnet der Klub mit einem Schnitt von 20 000 Zuschauern - über 50 Prozent weniger als jetzt. "Hertha ist daher in allen Bereichen gefordert", sagt Rohlmann.
Als Vorbild könnte den Berlinern Borussia Mönchengladbach dienen. Dem Klub gelang nach dem Abstieg 2007 der direkte Wiederaufstieg. In der Zweiten Liga kamen im Schnitt 40 264 Zuschauer ins Stadion - lediglich 7000 weniger als in der vorherigen Bundesliga-Saison. "Der Klub hat es geschafft, die Menschen an sich zu binden und die Grundlagen für die Rückkehr in die Bundesliga zu legen."
Karten 36 Prozent günstiger
Im Gegensatz zum 1. FC Kaiserslautern. Die Pfälzer stiegen 2006 ab und standen zeitweise kurz vor dem Sturz in die damalige Regionalliga. Dabei hatten sich nach dem Abstieg innerhalb von nur zwei Monaten über tausend neue Mitglieder im Verein angemeldet. Erst jetzt, nach vier Jahren, gelang die Rückkehr in die Bundesliga. Erstaunlich: Auch bei der SpVgg Unterhaching und dem FC St. Pauli stieg die Mitgliederzahl nach dem Abstieg 2001, beim 1. FC Köln 2003 sogar von 17 500 auf 25 500. Hertha erhielt zuletzt ebenfalls ausgefüllte Mitgliedsanträge. Der Verein muss sich also offenbar keine Sorgen machen, kleiner zu werden.
Die Zuschauer-Einnahmen werden allerdings deutlich sinken. Nicht nur, weil das Stadion leerer sein wird. Sondern weil Hertha die Kartenpreise anpasst. Die Absteiger der vergangenen Jahre senkten sie durchschnittlich um 36 Prozent. "Auch Hertha dürfte mit den Preisen um rund ein Drittel runter gehen. Das sind schon extreme Einschnitte", sagt Rohlmann.
Ein Wiederaufstieg wäre natürlich das Beste, was dem Verein passieren könne. Alles darauf ausrichten sollte die Klubführung aber nicht. "Die Erfahrung zeigt, dass nach einem Bundesliga-Abstieg ein Masterplan für die nächsten zwei Jahre gemacht werden muss."




