Im Sport gibt es immer Höhen und Tiefen. Jetzt ist Hertha BSC mal wieder ziemlich weit unten. Umso dringlicher, nach vorn zu schauen. Es wird ein sehr schwieriger Neuanfang in einer sehr komplizierten Zweiten Liga. In ihr schnell Fuß zu fassen, darauf kommt es in der näheren Zukunft entscheidend an. Das ist teilweise ein anderer Sport als in der Ersten Liga; nämlich ein sehr viel härterer.
Die Führung von Hertha BSC hat in der Vergangenheit sicher viele Fehler gemacht. Die Zusammensetzung der Mannschaft war nie eine wirklich homogene. Spielergrüppchen konnten oder wollten sich auf andere Teile der Mannschaft nicht einstellen, egoistische Spieler, die es daneben auch noch gab, sind nicht nur für eine Spitzenmannschaft wie ein Krebsgeschwür. Auch Trainerwechsel führen nicht automatisch zum Erfolg. Dabei sucht man den Sündenbock meist beim Trainer, meint aber in Wirklichkeit einzelne Spielerpersönlichkeiten.
Hinzu kommt, dass die Einkaufspolitik des bisherigen Managers alles andere als glücklich war. Dennoch glaube ich, dass die Vereinsführung unter dem Präsidenten Werner Gegenbauer in der schwierigen Situation, von der letztlich die gesamte vergangene Saison geprägt war, weitgehend richtig gehandelt hat. Notwendige Sparmaßnahmen und sportliche Erfolge sind eben schwer zu vereinbaren. Wie schwer, dafür liefert Hertha ein bitteres Beispiel. Aber eine solide Haushaltsführung ist und bleibt die Voraussetzung für einen gesunden Verein. Beim bevorstehenden, unausweichlichen Spielerverkauf wird es ganz wichtig, dass Hertha BSC noch ein paar lukrative Geschäfte macht. Ein nahezu totaler Ausverkauf allerdings würde die Chancen für den Wiederaufstieg gefährden. Wie schwer dieses Ziel zu erreichen sein wird, zeigt das Beispiel des 1. FC Kaiserslautern: Der Klub aus der Pfalz schaffte den Sprung zurück in die Erste Liga erst im vierten Anlauf.
Der Hertha-Anhang, die Sportstadt Berlin drückt für den Neustart in der Zweiten Liga die Daumen. Zu den Höhepunkten der nächsten Saison werden sicher die Lokalderbys zwischen Hertha und Union zählen. Über das Hin- und Rückspiel im Olympiastadion hinaus wird das Abschneiden beider Vereine gewollt oder ungewollt zugleich zu einem Konkurrenzkampf zwischen Ost und West. Das könnte sehr spannend werden, muss aber immer fair ausgetragen werden. Von den Vereinen wie von deren Fans.




