Steve von Bergen lief über den Rasen, fasste sich ins Haar und schüttelte den Kopf. Der Innenverteidiger von Hertha BSC war nach dem 2:2 (2:1) bei Eintracht Frankfurt tief enttäuscht. Der Sieg war so nah, und doch reichte es wieder nicht für drei Punkte. Der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt fünf Zähler. Auch Trainer Friedhelm Funkel und Manager Michael Preetz blickten traurig ins Leere, Präsident Werner Gegenbauer zuckte ratlos mit den Schultern. „Wir hätten gewinnen können und brauchten drei Punkte. Es wird wahnsinnig schwer, den Rückstand auf das rettende Ufer aufzuholen“, sagte Preetz.

Der SC Freiburg hatte Hertha durch sein 2:1 am Sonnabend im Abstiegsduell gegen den 1.FC Nürnberg unter Druck gesetzt. Nicht nur deswegen war es für Funkel ein besonderes Spiel: Er trat erstmals mit einer anderen Mannschaft in Frankfurt an, seit er den Verein Mitte 2009 verlassen hat.

Kacar köpft das 1:0

Vor 49800 Zuschauern – darunter 750 Fans aus Berlin – hatte Hertha in der elften Spielminute die erste Chance: Lukasz Piszczek lief in den Strafraum und hätte auf Theofanis Gekas ablegen können. Der Rechtsverteidiger dribbelte aber mit dem Ball ins Aus. Der anschließende Angriff der Eintracht war gefährlicher. Caio ließ Levan Kobiashvili stehen und versuchte, den Ball über Jaroslav Drobny zu lupfen, doch Herthas Torwart parierte (12.). Eine Minute später lenkte er einen Schuss von Alexander Meier am Tor vorbei. Die Chancen der Eintracht waren für Hertha wie ein Weckruf. Die Berliner verteidigten jetzt konzentrierter und gingen in der 17.Minute in Führung. Raffael lies seinen Gegenspieler Maik Franz auf der linken Seite mit zwei Haken wie einen Amateur aussehen und flankte in den Strafraum. Dort lauerte sein brasilianischer Landsmann Cicero und legte ab auf Gojko Kacar, der aus fünf Metern das 1:0 köpfte. Der Serbe hatte zuletzt am zweiten Spieltag getroffen.

Genau das hatte sich Hertha gewünscht: Nach einer frühen Führung selbstbewusst das Spiel zu bestimmen. Vor allem dank des emsigen Raffael gelang das Vorhaben. Frankfurt hingegen spielte planlos. Erst nach einer halben Stunde fand die Eintracht besser in die Partie, Halil Altintop hätte den Ausgleich erzielen müssen. Er zog im Strafraum freistehend ab, doch Drobny parierte erneut (29.).

Hertha leistete sich jetzt zu viele Fehlpässe im Aufbauspiel – und Frankfurt bestrafte dies. Ümit Korkmaz legte sich den Ball vorbei an Steve von Bergen und schob zum 1:1 ein (37.), Drobny hatte keine Chance. Funkel und Preetz blickten fassungslos auf das Spielfeld. Ihre Mannschaft hatte vor dem Tor unverständlicherweise die Ordnung völlig verloren. Die Frankfurter Fans sangen: „Hey, das geht ab. Die Hertha steigt endlich ab.“

Schwegler verschießt Elfmeter

Kurz vor der Halbzeitpause überschlugen sich die Ereignisse. Fabian Lustenberger stellte sich im Zweikampf mit Caio ungeschickt an und trat den Frankfurter im Strafraum von hinten in die Beine, Schiedsrichter Felix Brych entschied zu Recht auf Elfmeter. Pirmin Schwegler schnappte sich den Ball, lief an – und schoss über das Tor (42.). Nur 33 Sekunden nach dem Fehlschuss ging Hertha erneut in Führung: Eintracht-Torwart Oka Nikolov wehrte einen Schuss von Adrian Ramos in die Mitte ab, Raffael musste den Ball nur noch ins leere Tor schießen. Es war das sechste Saisontor des Brasilianers. Im zweiten Spielabschnitt zog sich Hertha laut Preetz „zu weit“ in die eigene Hälfte zurück und leistete sich eine fatale Unkonzentriertheit. Nach einem Freistoß von Benjamin Köhler stand Ramos zu weit von Marco Russ weg, der das 2:2 köpfte (63.). Frankfurt war jetzt dominanter, Hertha bei schnellen Gegenangriffen gefährlich. In der 71.Minute lief von Bergen frei auf Nikolov zu. Anstatt selbst den Abschluss zu riskieren, passte er auf Raffael, der Nikolov anschoss. „Das war blöd von mir“, sagte von Bergen.

Funkel wollte unbedingt die drei Punkte, wechselte für Kacar den Angreifer Valeri Domovchiyski und für Gekas Ersatzmann Artur Wichniarek ein. Die letzte Chance hatte Raffael, doch er scheiterte erneut an Nikolov (88.). „Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Aber wir sind zum Siegen verdammt“, sagte Herthas Kapitän Arne Friedrich.